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Buddhistische Lehre – eine kurze Übersicht

3. April 2013 – ein Vorwort

„Die 3 Affen – (m)eine Interpretation“  von vor fast genau einem Jahr ist bisher der am meisten aufgerufene Artikel meines Blogs und tauchte regelmäßig in den „TOP 5“ auf. Ein Freund, der sich seit längerer Zeit mit dem Buddhismus beschäftigt, meinte neulich zu mir, dass die  „das mit den 3 Affen ja ganz nett, die Grundlagen des Buddhismus aber sehr oberflächlich dargestellt sind“.  Er hat mir jetzt, quasi als Ergänzung, folgende Zeilen zukommen lassen (ich sage „danke“ und widme dem gerne eine Seite [C&P]):

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Buddhistische Lehre

Nach der buddhistischen Lehre ist jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt unterworfen. Ziel eines Buddhisten ist es, durch ethisches Verhalten, die Kultivierung der Tugenden, die Praxis der Vertiefung (Meditation) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit aus dem Kreislauf herauszutreten. Auf diesem Wege verändern sich Leid und Unvoll­kommenheit zu Harmonie und Glück. Dabei stellt die Lehre des Buddha den Menschen immer in seine eigene Verantwortung.

Die „Vier Edlen Wahrheiten“

Der Kern der Lehre des Buddha sind die „Vier Edlen Wahrheiten“:

–  Wahrheit vom Leiden: Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.

–  Wahrheit von der Ursache des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind die „Drei Geistesgifte“ Gier, Hass und Verblendung. Sie sind zu überwinden.

–  Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen.

–  Wahrheit von dem Weg zur Aufhebung des Leidens: Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der „Edle Achtfache Pfad“. Er ist zu gehen.

Die „Drei Geistesgifte“

… ist ein wichtiger Begriff der buddhistischen Ethik und fasst die drei schädlichen Eigenschaften „Gier, Hass und Verblendung“ zusammen.

–  Gier, auch als Sucht oder Begierde übersetzt, ist das Haben- und Besitzenwollen, das Bestreben, auf jeden Fall und um jeden Preis zu existieren. Mit Gier verwandt sind die Leidenschaften heftiges Begehren und Durst nach Werden. Heilsam wirken Großzügigkeit und Mildtätigkeit.

–  Hass, auch als Zorn oder Aggression übersetzt, ist die Selbstbehauptung eines illusionären Selbst den Mitwesen gegenüber. Heilsam wirkt Güte.

–  Verblendung, Unwissenheit und Nicht-Wissen sind weitestgehend deckungsgleiche Begriffe. Die Unwissenheit ist ein Zustand, der als Grundursache für alles erfahrene Leid angesehen wird. Die beiden anderen Geistesgifte folgen der grundlegenden Unwissenheit. Nicht-Wissen ist die Grundlage allen karmisch-kausalen Handelns. Es bedeutet die Wahrheiten über die Natur des Geistes nicht zu kennen. Ist die Verblendung / Unwissenheit / das Nicht-Wissen gereinigt, erscheint der heilsame Aspekt im Geist: Weisheit.

Als „Gegengift“ gilt in jedem Fall „Liebe und Mitgefühl“.

Der „Edle Achtfache Pfad“

Allen Gliedern ist das Adjektiv „recht“ (im Sinne von „vollkommen“) vorangestellt. Buddhas Weg ist ein Weg der Mitte, der alle Extreme meidet. Die ersten beiden Glieder beziehen sich auf das Denken und die Gesinnung (Motivation). Für einen Buddhisten fängt das Tun nicht erst mit der Tat an, die Vorbereitungen für eine Tat finden immer im Denken statt, ob bewusst oder unbewusst. Die Glieder drei bis fünf beziehen sich auf das sittliche Verhalten, und bei den letzten drei Gliedern geht es um das Geistestraining, den Zugang zur spirituellen Dimension.

Der Begriff „Pfad“ ist hier nicht im Sinne eines linearen Fortschreitens von Stufe zu Stufe gemeint: alle Komponenten sind von gleicher Wichtigkeit und sollten daher von einem Buddhisten jederzeit beachtet und geübt werden. So gibt es viele Querverbindungen und gegenseitige Abhängigkeiten unter den einzelnen Pfadgliedern: Die „rechte Rede“ beispielsweise gehört zum Bereich des „rechten Handelns“ und „rechtes Handeln“ ist wiederum nur in Verbindung mit „rechter Achtsamkeit“ möglich. „Rechte Sammlung“ trainiert wiederum auch die „rechte Achtsamkeit“.

Weisheits-Gruppe

1. Rechte Erkenntnis

Rechte Erkenntnis ist die Einsicht in die Vier Edlen Wahrheiten vom Leiden, der Leidensentstehung, der Leidenserlöschung und des zur Leidenserlöschung führenden Edlen Achtfachen Pfades.

2. Rechte Gesinnung

Rechte Gesinnung ist der Entschluss zur Entsagung, zum Nichtschädigen, zur Enthaltung von Groll. Rechtes Denken ist ohne Habgier, hasslos in der Gesinnung und großzügig.

Sittlichkeits-Gruppe

3. Rechtes Reden

Rechtes Reden meidet Lüge, Verleugnung, Beleidigung und Geschwätz. Wie die Gedanken ist die Rede heilsam oder unheilsam, nützlich oder unnützlich, wahr oder falsch. Ein Wort des guten Wandels ist, „wenn es zur rechten Zeit gesprochen wird, wenn es wahr, höflich, zweckmäßig ist und aus liebevoller Gesinnung kommt“.

4. Rechtes Handeln

Rechtes Handeln vermeidet Töten, Stehlen und sinnliche Ausschweifungen.

5. Rechter Lebenswandel

Rechter Lebenswandel bedeutet auf unrechten Lebenswandel zu verzichten. Namentlich werden fünf Arten von Tätigkeiten genannt, die ein buddhistischer Laienanhänger nicht ausüben sollte und zu denen er Andere nicht veranlassen sollte: Handel mit Waffen, Handel mit Lebewesen, Tierzucht und Handel mit Fleisch, Handel mit Rauschmitteln, Handel mit Giften. Im weiteren Sinn bedeutet rechter Lebenserwerb, einen Beruf auszuüben, der anderen Lebewesen nicht schadet und der mit dem Edlen Achtfachen Pfad vereinbar ist.

Vertiefungs-Gruppe

6. Rechtes Streben

Rechtes Streben oder rechte Einstellung bezeichnet den Willen, Affekte wie Begierde, Hass, Zorn, Ablehnung usw. bei Wahrnehmungen und Widerfahrnissen zu kontrollieren und zu zügeln. Wie beim „rechten Denken“ geht es hier um das Prüfen seiner Gedanken, und das Austauschen unheilsamer Gedanken durch heilsame Gedanken: „… wenn böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, aus dieser Vorstellung eine andere gewinnen, ein würdiges Bild ….“

7. Rechte Achtsamkeit

Rechte Achtsamkeit betrifft zunächst den Körper: Bewusstwerdung aller körperlichen Funktionen wie Atmen, Gehen, Stehen usw.; Bewusstwerdung gegenüber allen Sinnesreizen, Affekten und allen Denkinhalten. Sie sollen umfassend bewusst gemacht sein, ohne sie kontrollieren zu wollen. Die Achtsamkeit auf das „Innere“ prüft die Geistesregungen und benennt sie. Es geht um ein Bewusstwerden des ständigen Flusses der Gefühle und der Bewusstheitszustände. Die Achtsamkeit auf das „Äußere“ bewirkt, ganz im Hier-und-Jetzt zu sein, nicht der Vergangenheit nachzugrübeln und nicht in der Zukunft zu schwelgen. Das heißt auch ganz bei einer Sache oder Person zu sein, mit der man in diesem Augenblick konfrontiert ist, oder bei einem Gespräch, das man führt.

8. Rechte Sammlung

Rechte Sammlung bezeichnet die Fertigkeit, den unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren. Häufig auch als höchste Konzentration bezeichnet, ist sie ein zentraler Teil der buddhistischen Spiritualität. Um zur rechten Sammlung zu kommen, haben die buddhistischen Schulen viele Methoden und Techniken entwickelt. Es geht hier im Wesentlichen um eine buddhistische Meditation, die vor allem die Konzentration auf ein einziges Phänomen (häufig der Atem) verwendet, wodurch der Geist von Gedanken befreit wird und zur Ruhe kommt.

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Nachwort – ein wichtiger Hinweis:

Wer sich für den Buddhismus interessiert, sollte den Empfehlungen des Dalai Lama folgen: Erst einmal Informationen sammeln! Man sollte vorsichtig sein und nicht Hals über Kopf die Religion wechseln. Dabei sollte sich jeder ganz ehrlich die Frage nach der Motivation beantworten.

Der Dalai Lama sagte z. B.:

„Lassen Sie Vorsicht walten. Vermeiden Sie es, um jeden Preis, Buddhist zu werden, ohne darüber wirklich nachgedacht zu haben, ohne über ein Grundwissen zu verfügen, nur weil Sie Lust dazu verspüren, denn dann werden Sie früher oder später entdecken müssen, dass Ihnen gewisse Praktiken gar nicht entsprechen oder Sie Ihnen unmöglich erscheinen.“ (in »Ratschläge des Herzens«, Zürich 2002, S. 195)

„Man sollte die religiöse Gemeinschaft, der man entstammt, weiterhin achten und sich nicht bewusst von ihr absondern. (…) Einen Übertritt zum Buddhismus sollte man sich gründlich überlegen. Ein spontaner Wechsel der Religion erweist sich fast immer als schwierig und kann auch zu schweren seelischen Störungen führen. Wer sich zum Buddhismus bekehrt, der sollte sich bescheiden und nicht mit religiösem Übereifer des Konvertiten alles von Grund auf anders machen wollen. So will es eine alte tibetische Weisheit, die uns rät:  ‚Ändere Dein Bewusstsein, aber lasse dein Äußeres, so wie es ist.'“ (in »Das kleine Buch vom rechten Leben«, Freiburg, 1998, S. 127)

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