Zum Inhalt springen

Hans Roslings „Schimpansen-Test“ (I)

Einleitung

Scharbeutz. 4. August 2019. Rentner haben nie Zeit. Das ist kein Klischee, sondern Fakt. Denn Rentner machen immer irgend etwas, meist für andere. So wie in diesem Fall: „Wenn du Zeit und Lust hast, kannst du mal zu Hans Rosling und dem Gapminder-Test recherchieren?“ Ich hatte schon deshalb Interesse daran, weil ich vorher weder etwas von Hans Rosling noch von einem Gapminder-Test gehört hatte. Mein Ergebnis:

Hans Rosling († 7. Februar 2017), war ein schwedischer Medizinprofessor und Gründer der Stockholmer Gapminder-Stiftung, die heute von seinem Sohn Ola geleitet wird. Ziel der Stiftung ist es, eine auf Fakten beruhende Weltsicht zu fördern. Als Datenquellen der eigenen Datenbank dienen öffentliche Statistiken der UN- und ähnlichen Organisationen.

Der Legende nach war Prof. Rossling immer wieder über seine Studenten verwundert, die zwar hoch intelligent waren und sicher auch gute Mediziner werden würden, aber seines Erachtens sonst wenig von der Welt wussten. Um den Wissensstand aufzuzeigen, hat Rosling u. a. den „Gapminder-Test“ entwickelt, den er selbst in seinen Vorträgen als „Schimpansen-Test“ vorstellte. Er verglich das „Wissen“ von Affen mit jenem der Menschen. Bei drei möglichen Antworten „beantworten“ die Tiere nach dem Zufallsprinzip logischerweise ein Drittel der Fragen richtig. Damit schneiden sie laut Rosling in Summe durchweg besser ab als die menschlichen Testteilnehmer. Das bedeutet, dass wir Menschen, die meisten jedenfalls und national unterschiedlich, die Welt anders, oft pessimistischer wahrnehmen als sie wirklich ist: Wir ignorieren die Realität – weshalb auch vom „Ignoranz-Test“ gesprochen wird.

Unser vermeintliches Wissen erhalten wir täglich durch die Medien und das, was wir sehen und lesen, nehmen wir als Realität wahr. Aber es mangelt an der Objektivität: „Bad News are good News“ ist mehr als eine Phrase. Desto dramatischer die Überschriften, desto höher die Auflagen und Klicks. Davon leben zumindest die privaten Medien: „Money talks, Bullshit walks“. Und die große Anzahl von Kolumnen, Kommentare und Experten-Meinungen sind per se subjektiv. So entstehen oft realitätsferne Bilder, die sich bei uns manifestieren. Schlimmer noch: „Wenn Hasskommentare sich wie Lauffeuer im Netz verbreiteten und alternative Medien wie Spaltpilze in der Gesellschaft wirkten, dann stellt sich die Frage, wie freiheitliche Demokratien mit diesem Phänomen umgehen wollen. Verlässliche Informationen, auf deren Grundlage Meinungsbildung stattfindet, ist allerdings die Basis einer Demokratie“, so Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks, bei der Verleihung des Deutsch-Französischen Journalistenpreises 2019 in Paris.

Aber nicht nur die fremdbestimmten Nachrichten beeinflussen uns, auch unser täglicher Fernsehkonsum. Während die jungen (14 bis 29) Menschen in Deutschland durchschnittlich rund eine Stunde vor der Glotze verbringen, steigt die Verweildauer mit dem Alter bis auf die vierfache Zeit. So entstehen solche Meldungen wie diese vom 2. Juli: „Am Montag konnte sich VOX wieder einmal richtig glücklich schätzen, dass ‚Shopping Queen‘ eine treue Fanbase hat: 0,57 Millionen Neugierige schalteten dieses Mal ab 14.55 Uhr ein und bescherten dem Fashionwettbewerb sehr gute 5,5 Prozent Marktanteil insgesamt.“ Gleiche Meldungen ließen sich für weitere bildungsferne Formate finden, besonders die privaten Sender sind voll davon. Wenn Wissenschaftsreihen wie „Leschs Kosmos“ oder „Planet Wissen“ ebenso in der Gunst der Zuschauer lägen, wäre es um unser Wissen besser bestellt und wir würden vielleicht zu dem ein oder anderen Thema eine andere Meinung haben.

Ein Beispiel aus einem älteren Gapminder-Test: Flüchtlinge. Es wird immer wieder darüber berichtet, dass Menschen aus wirtschaftlichen Gründen fliehen. Das suggeriert, dass diese Menschen in absoluter Armut leben und ihnen nur die Flucht aus dem Elend eine bessere Zukunft bietet. Doch wie hat sich von 1990 bis 2010 der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung entwickelt?
a) ungefähr verdoppelt, b) gleichgeblieben, oder c) ungefähr halbiert.

Laut Rosling ist diese Frage überproportional falsch beantwortet worden, die Schimpansen waren weitaus besser. Falsch sind die Antworten a) und b), die extreme Armut hat sich in Bezug auf die Weltbevölkerung weder verdoppelt noch ist sie gleichgeblieben, sondern richtig ist Antwort c). Zwar lebten 2010 immer noch 1,2 Mrd. Menschen auf der Welt in extremer Armut, ihr Anteil an der Weltbevölkerung hat sich allerdings von 1990 bis 2010 ungefähr halbiert: 1990 Weltbevölkerung 5,4 Mrd. Menschen, extrem Arme 2,0 Mrd., gleich 36 Prozent, 2010 Weltbevölkerung 6,8 Mrd., davon 18 Prozent extrem Arme.
Wie gesagt, das ist eine Frage aus einem älteren Test. Wer diese Frage heute recherchieren würde, käme vielleicht auf die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung:
1981 waren (kaum eine Veränderung bis 1990) knapp 2,0 Mrd. Menschen von extremer Armut betroffen, das waren damals 44 Prozent der Weltbevölkerung (4,6 Mrd. Menschen). Ende 2015 waren weltweit weniger als 10 Prozent der Menschen von extremer Armut betroffen – rund 700 Millionen Menschen (von 7,3 Mrd.).
Dazu ist anzumerken, dass grundsätzlich nicht die ärmsten der Armen ihre Heimat für eine bessere Zukunft verlassen, sondern die, die mit etwas Vermögen meinen sich diesen Weg leisten zu können. Richtig ist jedoch auch, dass im subsaharischen Afrika der Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen sehr hoch ist und erst in den letzten Jahren eine leichte Verbesserung eingetreten ist: 1990: 57 Prozent, 2002: 57 Prozent, 2012: 43 Prozent.
Zu den Verbesserungen haben zweifelsohne die „Millenniums-Entwicklungsziele“ der UN beigetragen, abgelöst 2016 durch die UN-Agenda 2030. Allerdings ist die wirtschaftliche Not nur ein Fluchtgrund von mehreren und wenn wir von „Flüchtlingen“ reden gilt es dabei zu unterscheiden.

Test als Vorgeschmack …
Test mit Antworten
Hitze und geschlossene Fenster …

August 2019 | zurück: Dit un Dat oder Start-Seite (Seite 1)

 

Werbeanzeigen
%d Bloggern gefällt das: