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He seegt so un se seggt so – oder „Verwirren mit Zahlen“

4. April 2020

Scharbeutz-Haffkrug. Nur ein paar Spaziergänger sind am Ostseestrand unterwegs. Alles sehr überschaubar. Keine Wunder: Kurz zuvor mussten wir sehen, wie ein HH-Wohnmobil, Mann & Frau, von der Polizei nach HH zurück geschickt wird. Wenn ich es richtig verstanden habe: „Sie erhalten dann zwei Bußgeldbescheide über je 150 Euro mit der Post“ spricht der Uniformierte, wünschte eine „gute Heimreise“ und steigt in seinen Dienst-Mercedes. Oh ha! Das wird jetzt teuer!

Dabei scheinen wir doch auf einem guten Weg zu sein. So hört und liest man. Allerdings meint meine Lieblings-Mathematikerin: „Journalisten sind keine Mathematiker.“ Auf meine Frage, ob ich sie so in meinem Blog zitieren darf, kam „NEIIIN! Du weißt doch, Pauschalurteile sind nur tendenziös richtig. Es gibt auch wirklich gute Artikel. Aber ….“

In der Tat. Wer das Thema aufmerksam verfolgt, dem ist sicher auch schon die ein oder andere Ungereimtheit aufgefallen. Es muss halt geschrieben, gesendet oder veröffentlicht werden. Immer wieder neu – und dann schreibt der eine so und die andere sagt so. Beim Umgang mit Zahlen werden oft Äpfel mit Birnen verglichen und manch selbst erstellte Berechnung ist nicht unbedingt nachvollziehbar. „Zahlen allein sind von sachlicher Klarheit. Werden die aber falsch interpretiert oder emotionalisiert, dann verunsichert das nur die Menschen!“ Ja, so ist das wohl.

Heute Vormittag sehe ich die Wettervorhersage …

… und denke mir, dass dieses Bild mit der Breite für die späteren Tage durchaus mit den möglichen Auswirkungen der Pandemie vergleichbar ist: In knapp zwei Wochen können wir 20 oder 12 Grad haben. Oder, oder, oder! Und unmittelbar danach spricht der Moderator sinngemäß, dass sich die Zahl der Infizierten nur noch alle 9,5 Tage verdoppelt und wir nächste Woche die erforderlichen 10 und mehr Tage erreicht haben würden, um ab dem 19. April die Einschränkungen wieder lockern zu können. Da ist so immer wieder von Politiker und Wissenschaftlern angedeutet worden und das weckt Hoffnungen.

„Meier, glaube nicht alles was du im Fernsehen oder Internet siehst“, ermahne ich mich und schaue nach, was SZ und Spiegel so schreiben:

Au ha. He seggt 11 und se seggt 9. Wat sall ik glöven? Ik bin verdattert! Na ja, Journalisten sind eben …, nein, nein, das will ich gar nicht sagen. Vielleicht hat jeder nur andere Daten für seinen Logarithmus genommen. Vielleicht. Wenn ich Pi mal Daumen die JHU-Steigerung der letzten 5 Tage nehme [5t*log(2)/log(912/621)], dann kommt mein Taschenrechner wie der Spiegel auf 9,0 Tage Verdoppelungszeit.

Ich wünsche mir nur mehr Sorgfalt und dass Zahlen nicht nur so in den Raum geworfen werden.
Aber Medienkritiken wie die des Journalisten Jakob Augstein: „Medienhysterie … anstatt zu mäßigen, wirkt der Journalismus noch als Brandbeschleuniger.“ (30. März via Twitter), oder die des Medienwissenschaftlers Otfried Jarren, der den ÖR eine „besondere Form der Hofberichterstattung“ vorwirft und von „Systemjournalismus“ spricht (DLF 2. April), teile ich nicht in den Ausmaßen.
Vielleicht ist es so, wie der omnipräsente Virologe Prof. Dr. Christian Drosten am 30. März in einem NDR-Interview sagte: „Mir und anderen Wissenschaftlern werden Aussagen angehängt, die so nicht stimmen. … Ich sehe in der Gesellschaft und den Medien die Neigung, zu dramatisieren und zu überzeichnen.“

Wie auch immer, noch mal zur Wettervorhersage: Die maßgeblichen Wissenschaftler weisen immer auf die unbekannten Größen in ihren Modellberechnungen hin. Sie müssen viele Annahmen schätzen. Auch wenn das bisweilen überhört wird. Dabei ist der Umstand immens wichtig. Niemand weiß z. B., wie viele Infizierte es wirklich gibt. Nirgends! Die Dunkelziffer kann man nur ahnen: Mal 5, mal 10? In den USA mal 20? Wie ehrlich sind die Meldungen bspw. aus China oder Russland? Irgendwann werden wir nachlesen können, dass Studien zufolge …. der Verlauf so oder so eingeschätzt wird. Wie bei der letzten großen Pandemie (Spanischen Grippe) Damals. Vor 100 Jahren. Denn die einzig bekannten Größen sind die Bevölkerungszahl und die der Toten (aus den Ländern, die die ehrlich der WHO melden). Der Rest wir er- und berechnet.

Die aktuellen Zahlen gibt es bei der Johns-Hopkins-Universität und dem Robert-Koch-Institut für Deutschland (mit den bekannten Gründen der Abweichungen durch den Meldeweg in Deutschland).

Habt eine schöne Osterwoche,
trotz alledem – lasst euch nicht verwirren
und fangt euch keinen Bußgeldbescheid ein!

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aktualisiert: 5. April 2020

WordPress: Beitrag erscheint nicht im Reader?

2. April 2020

WordPress; Reader; Beitrag erscheint nicht im Reader

Moin. WordPress, ein Artikel wird zwar veröffentlicht, erscheint aber nicht im Reader. Ich habe das neulich schon einmal irgendwo gelesen. Nun ist das mit meinem letzten Beitrag von gestern auch passiert. Ein Freund hat mir das mitgeteilt: Die Mailbenachrichtigung habe zwar geklappt, aber im Reader sei nur mein kurz danach veröffentlichter Fotoblog-Beitrag April 2020 zu sehen, aber nicht der aus meinem Themenblog. Und tatsächlich: Auch bei mir im Reader suche ich den Beitrag vergeblich.

Ich habe dazu heute mal recherchiert, aber keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Nur so eine Idee: Der Beitrag war auf Termin gesetzt, wurde also nicht direkt veröffentlicht. Kann das damit zusammen hängen, hat jemand gleiche Erfahrungen gesammelt? Oder sollte ich das unter Virus in der Leitung oder Troll im PC verbuchen? 😉

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Meiers Rückblick 20/03 in 100 Sekunden

1. April 2020

März 2020: Was für ein verrückter Monat – oder welches Adjektiv ihr diesem dritten Monat des Jahres 2020 auch immer zuweisen wollt. Es gibt zurzeit nur noch ein Thema, alle andere sind Randnotizen: CORONA! Hätte ich den März verschlafen und würde heute erwachen, würde ich entweder an einen bösen Albtraum oder einen sehr schlechten Aprilscherz glauben. Aber nee, nix von dem!

Meinen Februar-Rückblick hatte ich noch mit diesen Worten von Urban Priol beendet: „Der Rest des Jahres wird mit Sicherheit genau so bescheuert, wie der Anfang schon war ….“ Geht’s noch schlimmer als im Februar?

Oh ja. Es ging. Es geht. Und wie! Ende Februar war der Begriff Coronavirus zwar längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr, aber diese heimtückische infektiöse organische Struktur war noch weit weg. Ich schätze, den allermeisten Menschen ging es wie mir: Das wird schon nicht so schlimm.
Meine (naive) Begründung mir selbst gegenüber: Wir haben jährlich in Deutschland ein paar hunderttausend Influenza-Grippe-Infizierte und davon ein paar hundert Tote. Daran haben wir uns gewöhnt, also keine Panik. Dazu H1N1, die Schweingrippe, ihr erinnert euch? Diese Pandemie von vor 10 Jahren nahm längst nicht die für möglich gehaltenen Ausmaße an (*s.u.). Warum sollte das jetzt anders sein?

Zum bisherigen Jahresverlauf passt dieser Tweet von Marina Weisband:

Wie auch immer, eins steht (für mich) heute schon fest wie das Amen in der Kirche: Das Coronavirus verändert gerade unsere Welt. Wir wissen zwar noch nicht, wann das enden wird, aber wir können sicher sein, dass unsere Welt dann ganz anders aussehen wird!
Die allermeisten Menschen beachten dankenswerterweise die uns alle beschränkenden Regeln. Regeln in Form von Verordnungen und Erlassen, weil Appelle vorher nichts genutzt haben. Und plötzlich merken wir wieder, wie gut Solidarität untereinander funktioniert kann und der Begriff Systemrelevanz kriegt eine ganz neue Bedeutung. DANKE dafür!
Es ist aber auch eine Binsenweisheit, dass in extremen Situationen Menschen zu extremen Verhaltensweisen neigen. Das reicht von hysterischen Reaktionen über panische Hamsterkäufe, bis zu unvernünftigen Missachtungen der behördlichen Anordnungen und opponierenden Klagen gegen irgendwelche Beschränkungen. Passend dazu ein Filmchen, wie Giovanni Trapattoni seine berühmte Ansprache heute halten würde:

Tja, und in dieser Krisenzeit erkennt man bei manch einem seiner Mitmenschen Charakterzüge, die man nicht für möglich gehalten hätte. Auf alle Fälle werden einige Haushalte die nächsten Jahre kein Toilettenpapier mehr beschaffen müssen, verstehe das wer will:

Natürlich dreht sich die Welt weiter, mit oder ohne Toilettenpapier. Kaufen wir wieder Zeitungen. Doch Achtung bei der Qualität: Einige eignen sich für’s Klo besonders gut 😉 Das wussten schon unsere Vorfahren: Bei denen lagen nur geeignete Zeitungen auf dem Plumpsklo.
Und der Rest? Irgendwie steht zurzeit alles im Zusammenhang mit Corona: Die Fußball-EM und die Olympischen Spiele werden auf das nächste Jahr verschoben und die Bundesregierung hat letzte Woche ein historisch hohes Milliarden-Rettungspaket für die Wirtschaft und die Corona-Betroffenen beschlossen. Das kann auch deshalb so üppig ausfallen, weil die Bundesregierung in der Vergangenheit solide gewirtschaftet und die schwarze Null eingehalten hat – allen das Gegenteil fordernden Kritikern zum Trotz. Wie mag es den Staaten ergehen, Italien, Frankreich bspw., die wirtschaftlich nicht so gut dastehen wie Deutschland? Last but not least hat ein Blick nach Griechenland / Türkei: Jeder, der jetzt überhaupt noch an die Flüchtlinge dort denkt, wird hoffen, dass das Virus dort in den Lägern nicht anfängt zu wüten. Ich will mir gar nicht vorstellen, was wäre wenn.

(*) H1N1, an der Schweinegrippe verstarben 2009/2010 offiziellen Angaben nach weltweit 18.449 Menschen, davon in Deutschland 258. Im Vergleich zur Corona-Pandemie hatten wir diese Zahlen am 24. bzw. 26. März (in D) erreicht. Die aktuell bekannten Zahlen gibt es auf der Seite der Johns-Hopkins-Universität. Plus eine von Land zu Land unbekannte Dunkelziffer bei den infizierten Personen, die anhand der Verstorbenen nur geschätzt werden kann.

Bleibt gesund – oder werdet es wieder!

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CV-Tagebuch 03-26-2020 [SozPsych]

26. März 2020

Operation gelungen, Patient tot. Ihr kennt sicher diesen etwas zynisch klingen Spruch. Meist kommt der zur Anwendung, wenn jemand etwas kaputt repariert hat. Gestern habe ich den aber auch in Zusammenhang mit Corona gehört: Was nützt es, wenn die Alten unter uns zwar den Coronavirus überleben, aber nicht die fremdbestimmt auferlegte soziale Isolation? Sagen wir dann: Operation gelungen, Patient tot?

Nein, die Coronakrise hat nicht nur eine gesundheitswissenschaftliche Seite, wenngleich die medial sehr präsent ist. Auch die wirtschaftliche Seite wird noch beleuchtet, schließlich geht es um Arbeitsplätze und Dividenden. Aber die sozialpsychologische Seite? Die findet wenig Beachtung. Dabei sind es gerade die Alten, die doppelt gefährdet sind: a) durch das Virus, b) durch die Kontaktsperre.

Epidemiologen sagen, die Neuinfektionen müssten soweit sinken, dass wieder jedem neuen Fall nachgegangen werden kann. Dann wären nach und nach Aufhebungen der Beschränkungen möglich. Ja, ok, das ist verständlich.
Dem hat mir jedoch meine Sozial-Tante entgegengehalten, dass mit einer Fortdauer der Isolation insbesondere älteren Alleinstehenden die Vereinsamung droht. Und mit der Einsamkeit gibt es nicht nur die Gefahr einer funktionellen Degenerationen, sondern auch für das Leben: Einsamkeit kann depressiv machen und Depressionen können zum suizidalen Anwandlungen führen. Nur darüber spricht dann niemand.

Die sozialpsychologische Betrachtung der Krise beschränkt sich jedoch nicht nur auf die gefährdeten Alten, auch Familien geraten in den Fokus: Nachweislich, so wurde mir erklärt, gibt es nicht nur eine Zunahme der häuslichen Gewalt, sondern besonders in den Zeiten geschlossener Kindergärten und Schulen auch mehr Fälle von Kindesmissbrauch. Wir wissen, dass Enge Konflikte fördert – nur darüber spricht auch niemand.

Ich denke wir müssen allesamt aufpassen, dass wir nicht sprichwörtlich das Kind mit dem Bade ausschütten. Das wäre absolut blöd.

Was ich noch blöd finde: Auch diese Krise wird leider von einigen klickschlampesken Medien wieder dafür genutzt, um mit reißerischen Überschriften und unsachlichen oder gar falschen Berichten Geld zu verdienen. Nur zwei Beispiele von vielen:

Prof. Drosten wurde darauf via Twitter erklärt, er sei zu naiv gewesen und Medien würden eben so funktionieren. Natürlich ist auch die BILD beim Verdienenwollen vorn mit dabei:

Für mich sind die Journalisten, die so etwas verzapfen (müssen) um Geld zu verdienen, irgendwie arm & bedauernswert. Aber wahrscheinlich sehen die das ganz anders und fühlen sich super geil dabei. Nee, nee!

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CV-Tagebuch 03-24-2020

24. März 2020

Es ist ruhig geworden. Kontaktverbot im Norden. Schreibt der NDR. Aber das gilt ja wohl bundesweit. Und die meisten Leute scheinen sich auch daran zu halten. Das Bild ohne Menschen schickte mir gestern Vormittag meine Freundin aus Lübeck: Rathaus / Niederegger / Karstadt, sonst ein Hotspot im UNESCO-Weltkulturerbe. Nun nix los, null Leute auf dem Weg in ihre / die Geschäfte, null Touristen, NULL!

Gestern, Mittagszeit. Ich musste nach Travemünde und habe das mit einem Gang in der Vorderreihe verbunden. Auch nix los. Ein paar Spaziergänger, aber alle auf Abstand bedacht. Sogar die Möwen auf dem Steg halten Corona-Abstand 😉 Hier und da ein paar Handwerker, das war’s.

Das gleiche Bild auf der anderen Traveseite, dem Priwall. Beach Bay heißt das neue Areal da jetzt. Das SlowDown-Hotel hatte gerade eröffnet und konnte gleich wieder schließen. Wurde mir erzählt. Ich denke nur, dass slow down für die Betreiber gerade eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Noch nie habe ich in der Travemünder Vorderreihe so wenig Menschen gesehen wie gestern – und so viele davon mit Toilettenpapier. Vielleicht haben die Geschäfte dort, Rossmann und Edeka, gerade Nachschub erhalten? Keine Ahnung. Aber irgendwie witzig-komisch fand ich das schon: Die beiden Frauen kommen aus dem Rossmann-Laden, die eine nix in der Hand, die andere nur ein Paket Toilettenpapier, setzen sich gegenüberliegend auf eine Bank, klönen und genießen die Sonne. Ist das heute so wie es den Erzählungen nach früher in der DDR mit den Bananen gewesen sein soll: Rossmann hat Toilettenpapier. Schnell hin! Wer weiß, wann wir wieder was bekommen.  

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CV-Tagebuch 03-21-2020 [Nachtrag]

21. März 2020

Ein Nachtrag zu heute Morgen:

Nein, viel los am Strand war heute nicht. Trotz des super Wetters. Hier und da ein paar Spaziergänger, Fahrradfahrer und auch das ein oder andere kleine Grüppchen junger Leute. Beim Einkaufen, na ja, ging so für einen Samstag am frühen Nachmittag.

Normalerweise ist mehr los. Aber was ist derzeit schon normal? Und es wären mindestens 2 Männer weniger im Laden gewesen, wären die Küstenorte wirklich anordnungsgemäß tourifrei. Nee, die beiden Mittelaltrigen, so vom Aussehen 50, machten auf 30, standen beisammen und waren am Schnacken. Laut noch dazu. Wir haben uns deswegen extra an der anderen geöffneten Kasse angestellt. Die beiden kamen kurz nach uns aus dem Laden, der eine ging zu seinem IZ-Japaner, der andere zu seinem HH-VW.

Noch Fragen? Nein, das waren offensichtlich keine Geschäftsleute oder so, auch ein berechtigtes privates Interesse war nicht auszumachen. Ich tippe auf Tages-Touris oder Ferienwohnungsbesitzer. Und auch die sollen zuhause bleiben, die Nutzung der FeWo/Zweitwohnung ist untersagt, weil die Bitten meist unbefolgt blieben.

Zum Vergrößern auf’s Bild klicken: Zettel hinter dem Scheibenwischers eines HH-Autos, neben dem „Knöllchen“.

Egal. Insgesamt haben wir jedoch heute in der kurzen Zeit, einmal von Scharbeutz nach Timmendorf und retour, sehr viele Autos, auch Motorräder, mit auswärtigen Kennzeichen gesehen. Nicht so viele wie sonst an einem Schönwetter-Samstag, nein, das nicht. Aber dafür, dass die Leute zuhause bleiben sollen, dafür waren das viel zu viele. Wenn die Leute so unvernünftig sind – und ich frage mich, warum die das sind – dann müssen wir uns über weitere Ausgangsbeschränkungen oder gar Ausgangssperren nicht wundern.

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CV-Tagebuch 03-21-2020 [DANKE!]

21. März 2020

Moin liebe Leute da draußen. Ich habe mich dieser Tage mit mir selbst arrangiert. Das ist für die nächste Zeit meine Verbindung zur Außenwelt: PC & Laptop. Allerdings würde ich mir ungern meine Spaziergänge am Strand verbieten lassen.

Auch unsere Lebenshilfe hat ihre Betreuung eingestellt und damit bin ich arbeitslos. Also im übertragenen Sinne. Als Rentner hat Mann ja sein Auskommen mit dem Einkommen und so lange das Land Niedersachsen mir mein Ruhegehalt zahlt, will ich nicht jammern. Viele Menschen hingegen haben wirklich Grund zur Sorge, die wissen im Moment noch nicht, wie und ob sie bspw. im nächsten Monat ihre Miete bezahlen können. Und so weiter.

Dieses Bild hat mir eine Bekannte geschickt. Sie ist Intensivfachpflegekraft und sie hat Angst vor dem was noch kommt! Das glaube ich sofort. Und es ist an der Zeit jetzt schon allen

DANKE!

zu sagen. Danke allen, die jetzt für uns da sind. In den Krankenhäusern, in den Einkaufsmärkten, bei Polizei & Feuerwehr, im Bäckerladen um die Ecke, den Lkw-Fahrern, und so weiter, und so weiter. Bitte macht es all denen nicht noch schwerer als sie es ohnehin schon haben! 

Das sagte gestern ein Marktmitarbeiter angesichts der leeren Regale. Er versicherte, es sei genügend Ware da. Aber eben nicht hier im Markt, weil a) viele Kunden unverhältnismäßig viel einkaufen würden und b) dadurch ein Logistik-Problem entstanden sei: Die Speditionen kommen schlicht nicht mit den Belieferungen hinterher.

Tja, Snoopy und Charly Brown haben vielleicht recht. Anderseits bin ich wohl zu naiv um zu kapieren, warum das so ist, warum Menschen immer noch so unvernünftig sind und sich nicht an die vorgegebenen Regeln halten. Aber zweierlei habe ich gestern gelernt: Eine Ausgangssperre ist nicht gleich eine Ausgangssperre und eine Ausgangsbeschränkung schon gar nicht. Was in welchem Bundesland gilt, der Föderalismus macht es möglich, weiß ich nicht. Bei dem Regel-Flickenteppich habe ich den Überblick verloren. Dazu kommt, dass das, was gestern galt, heute schon überholt sein kann. Und ich habe gelernt, dass alle Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind:

Halbwegs aktuell-realistisch sollen die Angaben der Johns-Hopkins-Universität sein, das Bild ist von heute Morgen. Allerdings ist die Grundlage in jedem Land anders und wie ehrlich Daten dort veröffentlicht werden, ist so ein Punkt. Wissenschaftler gehen deshalb von entsprechenden Dunkelziffern aus. Wie auch immer, zumindest die Tendenz stimmt. Für die, die das interessiert 😉
So, ich werde nun mein Tagebuch schließen und ich wünschen allen – trotz alledem – ein schönes Wochenende. Bleibt gesund, oder werdet es. Seid bitte vorsichtig und haltet euch vor allen Dingen an die Regeln!

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CV-Tagebuch 03-19-2020

19. März 2020

Liebes Tagebuch …

Moin. Nee, ich lass mal den Quatsch, aber mir fällt gerade auf, dass ich a) seit über einer Woche fast täglich etwas zu dieser krisenhaften CV-Geschichte schreibe und b) das gar nicht wollte. Zumindest ist es mir gestern gelungen, das böse CV-Wort nicht in die Tastatur zu tackern, obwohl der ganze Beitrag davon handelt.

Warum ich das mache? Vielleicht weil ich gerade viieel Zeit habe? Ja, nee, das auch. Aber irgendwie sind diese Beiträge für mich auch so etwas wie ein Tagebuch. Also für mich persönlich – und wer möchte, der kann daran teilhaben.

Es ist leer geworden, hier bei uns in Scharbeutz (Bild von gestern), insgesamt an der Küste. Einreiseverbot für Touris nach SH! Wenn ich noch an das letzte Wochenende denke, oh ha, wer hätte das gedacht? Nein, anders rum wird ein Schuh draus: Wegen des letzten WE ist es hier nun so ruhig.

Nun hat hier wirklich (fast) alles dicht. Gestern kam die Absage aus dem Filou (Bild vom letzten Sonntag), dass sie uns zwar am Sonntag gerne bewirten würden, aber nicht dürfen. Allerdings hatten unsere zur Ü70-Risikogruppe gehörenden Bekannten da bereits signalisiert, unser geplantes Essen lieber zu verschieben. Ja, besser ist wohl. Und ich hatte mich schon so auf ein Steak vom heißen Stein gefreut 😉

Doch nun im Ernst: Auf mein Steak kann ich gerne verzichten, schlimm wird das für viele Leute hier. Sicherlich anderswo auch, aber das habe ich quasi vor meiner Haustür: Die Region lebt hier vom Tourismus und nach den einnahmeschwächeren Wintermonaten sind bei vielen Geschäftsleuten usw. die Kassen nicht mehr so gut gefüllt. Statt dass jetzt wieder Geld rein kommt, entfällt das gesamte Ostergeschäft, null Urlauber, null Einnahmen. So gerechtfertigt die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung auch sind, genau so gerechtfertigt sind die Existenzängste vieler Menschen. Das sind nicht nur von einer Insolvenz bedrohte Geschäftsleute, dass sind auch viele Arbeitnehmer, die eh kein üppiges Gehalt haben und nun mit dem erheblich geringeren Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld kaum über die Runden kommen. Und so weiter, und so weiter. Wir können jeden Tag beten, dass das Ende bald absehbar ist.

Also: versucht gesund & munter zu bleiben –

und immer schön die Hände waschen!

Mit Waschlotion! 30 Sekunden lang!

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Die Quittung – oder „du hast Hausarrest“

18. März 2020

Die Älteren unter uns kennen das vielleicht noch: Hausarrest. Wenn ich als Kind nicht artig war, was bei mir gelegentlich vorkam, durfte ich nicht raus. Dann war nix mit Bolzplatz und so. Gibt’s das heute auch noch? Für Kinder bin ich mir nicht so sicher, aber sinngemäß für uns alle bestimmt: Auch wenn es aus aktuellem Anlass bei uns, anders als bei unseren Nachbarn, noch keine Ausgangssperren gibt – mit der Betonung auf noch – übt Deutschland den #ShutDownGermany.

vdLeyen-Virus-unterschätzt-SZ200318Aber sind wir mal ehrlich: Wer hat diese Dynamik der letzten Tage erwartet? Vor einer Woche wurde der US-Präsident seitens europäischer, auch deutscher Politiker noch für das Einreiseverbot in die USA gescholten. Und besonders für seine Begründung, die EU würde zu wenig gegen die Pandemie tun. Aber heute haben wir, die EU, Deutschland, selbst ein Einreiseverbot. Bild links: Ist es vielleicht so, wie die EU-Kommissionspräsidenten von der Leyen in der SZ von heute sagt? Ja, ja, die Sache mit dem exponentiellen Wachstum – schwer vorstellbar.

Natürlich gibt es welche, die haben schon immer alles besser gewusst – aber jetzt sollte kein Zeitpunkt für Streitereien & Schuldzuweisungen sein. Und es gibt welche, die haben bisher alle Warnungen & Empfehlungen außer Acht gelassen und weiter unbedarft zur Virenverbreitung beigetragen – so wie bspw. am vergangenen Wochenende die vielen Tages-Touris bei uns an der Küste.

Seit gestern haben wir dafür die Quittung: Schleswig-Holstein ist für Touristen gesperrt, alle Touris wurde nachhause geschickt, Hotels müssen schließen, FeWo dürfen nicht vermietet werden und auch alle Restaurants sind ab heute dicht.

Im Grunde, meine Sicht, ist das schon wie ein Hausarrest. Der würde – und viele, mit denen ich gesprochen/telefoniert habe, gehen davon aus – in Form einer verhängten Ausgangssperre kommen, wenn es weiter so unvernünftige Menschen gibt.

Bitte Leute, denkt auch an eure Mitmenschen …! Danke!

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Mir ist langweilig ;)

17. März 2020

Vorhin sage ich zu meinen Hausmitbewohnern: „Ich mutiere gerade vom Rentner mit nie Zeit zum Rentner mit nur noch Zeit!“ Nun ja, lieber coronafrei und viel Zeit als umgekehrt. Zum Glück gibt es noch Telefone und so kann Mann mal Leute nerven, die Mann schon lange nicht mehr angerufen hat. Oder ich rufe bei meiner Tochter an. Von denen weiß ich, dass die gezwungenermaßen im Homeoffice sitzen. „Mir ist langweilig!“ Lakonische Antwort: „Du klingst wie dein Enkelkind!“ Und nach einem kurzen Gespräch über das exponentielles Wachstum gab sie mir mit einem leicht genervt klingenden Unterton den Tipp: „Du kennst doch die Geschichte mit dem Schachbrett und dem Getreide. Bastele ein Bild und erkläre so die Verbreitung des Coronavirus!“ Typisch Paukerin. „Jawohl Frau Studiendingsbums.“

ALSO: Exponentielles Wachstum ist Mathematik und beschreibt, wie sich eine Größe in gleichen Schritten immer um denselben Faktor erhöht. Nehmen wir ein Schachbrett: Auf dem ersten Feld A8 liegt 1 Gramm Getreide. Auf dem zweiten Feld B8 liegen 2 Gramm, dann 4, 8, 16 usw.. Nach der Hälfte der 64 Felder sind wir, H5, bei ~2.147 Tonnen angelangt. Das sind über 70 große Sattelzüge oder rund 1,2 Kilometer dicht hintereinander geparkte Lkw. Und das alles aus 1 Gramm!

GENAU SO funktioniert eine ungebremste Virenverbreitung. In Deutschland sind wir vielleicht jetzt so bei E8, die Italiener können bei D7 eingeordnet werden. Vielleicht macht dieses Bild deutlich, wie wichtig eine Unterbrechung der – um im Bild zu bleiben – Getreidezufuhr ist. Sonst hört das Wachstum erst dann auf, wenn es kein Getreide mehr gibt. Und das wäre fatal: H5 wäre so in etwa wie die Spanische Grippe 1918.

ERGO, GANZ WICHTIG: Haltet euch bitte an die Empfehlungen bzw. Maßnahmen des RKI und der Bundesregierung. Nicht nur um euch selbst zu schützen, sondern auch zum Schutz eurer Mitmenschen!

Langeweile? Nee, gibt’s bei mir nicht!

Auch wenn ich es gesagt habe, aber Langeweile gibt es bei mir nicht. Ich gebe jedoch zu, dass mir der Wechsel vom vollen zum leeren Kalender am Anfang etwas schwer gefallen ist. Aber ich kann mich schon beschäftigen. Seht ihr ja. Normalerweise säße ich jetzt bei einer Dienstversammlung der Lebenshilfe, tatsächlich tackere ich hier was in die Tastatur 😉

Nun ja, ich könnte die Blogwelt jeden Tag mit einem Beitrag nerven, ein zwei Bücher lesen oder an meiner Modelleisenbahn weiter basteln. Ja, nach zig Jahren haben ich die im letzten Herbst wieder hervorgeholt. Für draußen kalte & ungemütliche Winterabende. Da der Winter aber mehr oder weniger ausgefallen ist, bin ich so ganz weit noch nicht gekommen 😉 Aber darum geht es ja auch nicht, sondern die Bastelei steht im Vordergrund!

Bleibt gesund & munter & steck euch nicht an! 

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