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ES REICHT! #Asylstreit

15. Juni 2018

Tweet-Augstein-Merkel-180614

Nein, ich bin kein Merkel-Fan. Und in den vergangenen zwölf Jahren gab es genügend Momente, wo ich sie mir sonst wo hin gewünscht habe, aber nicht ins Kanzleramt.

Doch wie sie aktuell von Seehofer, Söder & Co. in der Flüchtlingspolitik vorgeführt wird, ist es beschämend und erbärmlich zugleich: ES REICHT!

Das reiche Europa hat nun mal eine enorme Anziehungskraft auf Hilfesuchende. Das ist ganz natürlich und nicht einfach abstellbar. In dem Maße, wie sich unsere – europäische – Gesellschaft mit der Zuwanderung überfordert sieht, braucht es eine Lösung. Und zwar eine EUROPÄISCHE LÖSUNG!

Alle verantwortlichen Politiker wissen mittlerweile, dass das sog. Dublin-III-Abkommen diese Lösung nicht ist. Hauptsächlich deshalb, weil ein Solidaritätsmechanismus fehlt, den auch Merkel-Deutschland 2013 noch abgelehnt hat. Ein Fehler, wie unsere Kanzlerin seit 2015 weiß, der korrigiert werden muss, den sie korrigieren will. Stattdessen gibt es unter Missachtung der simpelsten humanitären Grundsätze Streit auf der offenen EU-Bühne.

Spricht in Folge dessen nicht alles für eine nationale Lösung, wie es uns die bayerische CSU aktuell wieder erklärt? NEIN! Abgesehen von verschiedenen Rechtsauffassungen verschieben sich dadurch die Probleme nur in die Nachbarstaaten und in einem Dominoeffekt auf die Mittelmeer-Staaten Spanien, Italien und Griechenland. Wo bleibt dann die sonst so viel zitierte „Europäische Werteordnung“? Auf der Müllhalde der Uneinigkeit? Was passiert dann? Ich bitte das nur einmal weiter zu denken ….

Tweet-Guido-Seehofer-180614„Germany first“ ist für mich der falsche Weg. Richtig wäre die – zugegebenermaßen mühsame – Suche nach einem europäischen Konsens. Gräben müssen zugeschüttet und nicht aufgerissen werden. Angesichts der sich abzeichnenden Stimmungslage in unserem Land warne ich – als überzeugter Europäer – vor einem populär erscheinenden einfachen Weg. Der kann sich ganz schnell als Sackgasse entpuppen.

Mit ihrer präzise kalkulierten konservative-Revolution-Rhetorik hat sich die CSU auf der Seite der Merkel-Gegenspieler positioniert, die die EU zur Vergangenheit und das Wiedererstarken der Nationalstaaten zur Zukunft erklären. Wollen wir das wirklich? Ich bitte das nur einmal weiter zu denken ….

Ich habe nie gedacht, dass ich mal zur Unterstützung für Kanzlerin Merkel aufrufe – heute ja! Unterstützt Merkel in der Flüchtlingspolitik auf dem europäischen Weg. Bitte!

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Wie „first“ ist Germany eigentlich?

13. Juni 2018

Teil I – Fußball

Wir sind Weltmeister. Also „first“. Bei den großen Turnieren war Deutschland a) immer dabei und hat b) meist auch recht gut abgeschnitten. Anders als Italien und Holland. Übrigens: Falls jemand eine WM-Karte für das Spiel Italien gegen Holland hat, Flug mit Air Berlin ab BER, dann ist das eine Fälschung! Ich wollte nur mal darauf hingewiesen haben 😉

Kicker-Arena

Nun reden alle von der WM in Russland und diskutieren, ob Deutschland wieder Weltmeister wird. Wir haben die Vorrundenspiele in der kicker-Arena Fehmarn vorgespielt. Wir, das sind G., ein junger Mann mit Down-Syndrom, und ich. Leider muss ich euch sagen, dass Deutschland mit drei Niederlagen nach der Vorrunde nachhause fahren muss. Aus Frust haben wir das Österreich-Spiel von letzter Woche nachgespielt. 10 : 3. Für Österreich! Nix mehr mit „first“ 😉

Teil II – Trump, die Wirtschaft usw.

Alle regen sich über Trupms „America first“ auf – wenn sie dieser Tage nicht gerade über Fußball reden. Nebenbei: Erfunden hat den Slogan nicht Präsident Trump, sondern einer seiner Vorgänger, Präsident Wilson, vor über 100 Jahren. Egal, jedenfalls wettert Trump andauernd:
„Wir beschützen Europa (was gut ist) zu großen finanziellen Kosten, und dann werden wir beim Handel auf unfaire Weise geschröpft.“
Gelegentlich wird ihm Verständnis entgegengebracht. Sind das alles Trump-Sympathisanten? Nein! Beschäftigen wir uns näher mit Themen wie

  • dem europäischen und insbesondere deutschen Handelsüberschuss,
  • Zölle, Subventionen, Standards der EU zur Sicherung des EU-Binnenmarktes, und
  • die aus NATO-Sicht ungenügenden deutschen Verteidigungsausgaben,

dann darf man feststellen, dass wir gegenüber den USA bisher zumindest nicht benachteiligt waren. Selbst in der EU wird der der deutsche Handelsüberschuss gegenüber den anderen Mitgliedsstaaten immer wieder kritisiert. Auch das ist von Interesse: Flüchtlinge, beim sog. Dublin-III-Abkommen hat Deutschland 2013 die Einführung eines Solidaritätsmechanismus noch abgelehnt …. Die einen nennen das die „Leitlinien der Merkel-Politik“, die Rechten nennen das „Germany first“.

Wie 2011 bei den AKWs hat Kanzlerin Merkel heute ihre Fehler beim Dublin-III-Abkommen eingesehen und wirbt für einen „gemeinsamen Angang in der Migrationsfrage“ und eine EU-Asylbehörde. Gut so! Schade nur, dass ihre eigene CDU/CSU-Fraktion, voran CSU-Innenminister Seehofer, ihr dabei Steine in den Weg legen. Für mich „Germany first“. Unser CDU-SH-MP Günther (… der mit seinen Aufgaben wächst …) nennt das einen Überbietungswettbewerb mit der AfD. Wie auch immer: Bevor wir laut über Trumps „America first“ schimpfen, dürfen wir uns Antworten auf die Fragen geben: „How ‚first‘ is Germany, how ‚first‘ is the EU?“

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Was denn nun?

12. Juni 2018

„Jede Medaille hat seine zwei Seiten“. Manchmal ist es schwer sich für eine zu entscheiden-

Hier in SH bemängelt der Landesrechnungshof wieder die mangelnde Schuldentilgung – sprich: Das Land soll weniger ausgeben. Die Landesregierung entgegnet, dass für sie der Abbau des Sanierungsstaus Priorität hat – sprich die Jamaika-Koalition will die gute Haushaltssituation nutzen, um Schulen, Krankenhäusern und Straßen zu sanieren.
Was denn nun: Sollen wir unseren Kindern mehr Schulden oder mehr Kosten hinterlassen?

G7. Nein, ich will das nicht kommentieren! Ob nun mit oder ohne Putin, und warum fehlt China, aber Italien ist dabei – und überhaupt, sind die G7 wegen Trump nur noch G6? – all das soll jeder für sich beantworten.

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Meine Frage ist eine andere: Trump hat überraschend vorgeschlagen: Keine Zölle, keine Barrieren. Das ist die Weise, wie es sein sollte.“ – was Kanzlerin Merkel „interessant“ findet. Aber Zölle sind bekanntlich das eine, Subventionen, Standards usw. das andere. Geregelt wird so etwas durch Abkommen wie CETA und TTIP. Bei uns wurde vor zwei Jahren viel gegen CETA gezetert und die TTIP-Verhandlungen wurden von Trump selbst beendet.
Was denn nun? Doch wieder verhandeln? Sind die Gegner von gestern angesichts der aktuellen Entwicklung nicht mehr ihrer Meinung und gibt es heute eine breite Mehrheit für so etwas wie TTIP, um einen Handelskrieg zu vermeiden? Oder dann doch lieber Zölle, Zölle, Zölle?

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Bundeswehr. Von den in der NATO verabredeten 2 % des BIP sind wir in Deutschland rund 30 Mrd. Euro entfernt. Trump kritisiert das fortwährend: „Wir beschützen Europa (was gut ist) zu großen finanziellen Kosten, und dann werden wir beim Handel auf unfaire Weise geschröpft“ – und selbst Kanzlerin Merkel zeigt in diesem Punkt Verständnis.
Was denn nun? Wollen wir mehr Geld in den Verteidigungshalt geben und wenn ja, wo soll es herkommen? Dafür Schulden machen? Bei den Bildungs- und/oder Sozialausgaben sparen? Oder weiter hoffen, dass schon alles irgendwie gehen wird wie bisher – auch auf die Gefahr hin, dass sich die USA als Schutzmacht zurückziehen?

Eins noch, ohne „was denn nun?“: Flüchtlinge. Was sich Europa im Umgang mit denen leistet, oder was besser gesagt „nicht leistet“, ist nach meinem Verständnis bisweilen an Unmenschlichkeit nicht mehr zu überbieten. Das Mittelmeer als Burggraben der Festung Europa. Kanzlerin Merkel sieht sich weiter in der Rolle der Humanistin, spricht von einem „gemeinsamen Angang in der Migrationsfrage“ und von einer gemeinsamen europäischen Asylbehörde. Ja und? Leider gibt es EU-Staaten, die ganz offensichtlich daran kein Interesse haben und selbst in Deutschland steuern Innenminister Seehofer u. a. einen nationalen Kurs. Aber wo bleiben die Solidarität und die sonst so viel beschworenen „europäischen Werte“? Wir haben heute faktisch schon ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Warum nicht auch ein humanitäres und ein weniger humanitäres Europa (?) – selbst mit der Gefahr einer weiteren Entfremdung einzelner EU-Staaten vom europäischen Integrationsprojekt. Oder ist „Angela allein zu Haus?“ Ich hoffe nicht!

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Gestatten, meine Name ist Cillkröte, Sven Chillkröte

8. Juni 2018

CHILLKRÖTE

WhatsApp. Wieder so’n Bild wie vor ein paar Tagen. Meist wird man ja zugemüllt mit irgend welchen Filmchen und so, oft erhält man die auch doppelt und dreifach. Aber manchmal sind auch originelle Sachen dabei, die ich noch nicht kenne und die ich einfach klasse finde. Dieses Bild kam gestern rein. Zur Feier des Tages habe ich es gleich ausprobiert: Funktioniert SUPER !!

Grünstrand. Am Mövenstein in Travemünde -> KLICK (Fotoblog)

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Das Leben ist ein Fußballspiel

7. Juni 2018

Das Spiel dauert 90 Minuten. Sepp Herberger
Schluss ist, wenn der Schiri pfeift. Alte Fußballerweisheit

Alle die Fußball spielen – oder gespielt haben – kennen diese Frage: „Schiri, wie lange noch?“
Der schwarze Mann blickt auf seine Uhr: „Noch eine gute halbe Stunde. Plus Nachspielzeit. Oder der Trainer wechselt dich vorher aus. Dann geht’s früher in die Kabine.“

Es gibt Leute, die denken, Fußball sei eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist. Bill Shankly

Ich spiele gerne auf der linken Seite. Wie einst Paul Breitner. Den fand ich immer gut, weil sein Kopf nicht so hohl wie ein Fußball ist. In der ersten Halbzeit vorne mitmischen und es in der zweiten hinten ruhiger angehen lassen, das ist mein Spiel. Nur der gegnerische Rechtsaußen, so’n Brauner mit‘nem Dackelgesicht, macht mir Sorgen. Der soll nur aufpassen und mir nicht zu nahe kommen, sonst hole ich die Sense raus. Eigentlich bin ich gegen Fouls, aber ….

Grau is‘ alle Theorie, maßgebend is‘ auf‘n Platz. Adi Preißler

Na gut, die Restzeit spiele ich noch runter. Sieht ganz gut aus. Die Luft wird hoffentlich bis zum Ende reichen. Und wenn die vorne jetzt noch einen guten Job machen, dann ist alles gut. Bis dahin muss aber noch ein bisschen was passieren. Und der Schiri soll auf diesen blöden Rechtsaußen aufpassen Der foult in einer Tour!

The referee did a good blowjob. Lothar Matthäus

Im Grunde ist Fußball ein simples Spiel. Ein Mannschaftsspiel. Funktioniert das Team, weil jeder für jeden da ist, dann ist alles möglich. Jeder hat seinen Anteil am Gewinn und kann glücklich sein. Besteht eine Mannschaft hingegen aus Egoisten, die hauptsächlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, wird sie am Ende als Verlierer dastehen. So simpel sehe ich den Fußball, so simpel sehe ich das Leben – und nach meiner Philosophie funktioniert so simpel das mit dem Glück 😉

Der Ball ist rund. Sepp Herberger
Das Runde muss ins Eckige. Dragoslav Stepanovic
Der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel. Gyula Lorant

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Überlebt ^^ (WIR SIND HELDEN)

4. Juni 2018

Dieses Bild habe ich gestern per WhatsApp erhalten. NATÜRLICH SIND WIR HELDEN.

Überlebt ^.^

Jedenfalls wir, die heute nach und nach in Rente gehen. Verdientermaßen!

Und mal ganz ehrlich: War früher nicht alles besser? Also wirklich besser?

🙂 Wenn wir Kinder mal nicht einer Meinung waren, dann wurde das „ausdiskutiert“. Auf unsere Art. Danach war’s wieder gut und schnell vergessen. Heute gibt es Mobbing und Hetze und so weiter auf Facebook und Co.. Das verletzt mehr als … – und das Netz vergisst nichts.

🙂 Verabredet haben wir Kinder uns in der Schule. Eigentlich brauchten wir das nicht, denn was für die Kids heute die „sozialen Medien“ sind, war für uns der Bolzplatz. Oder im Sommer das Freibad. Dort traf man alle. Von den Alten gingen die einen ♂ in die Dorfkneipe, die anderen ♀ in den Tante- Emma-Laden zum Tratschen.

🙂 Stromausfälle wie neulich in Lübeck und gestern am Hamburger Flughafen gab es nicht. Wir lebten noch analog und vielleicht hat deshalb alles funktioniert. Kurzum, wir lebten gut in den wirtschaftswundersamen Zeiten ….

Wobei, zu den Stromausfällen: Heute ist ja alles digital. Uns wird doch immer wieder erzählt, wie relativ einfach die Systeme zu hacken wären …. Schon mein alter Kollege wusste: „Das wird alles vom Osten gesteuert!“ Er musste es wissen, denn er war vor seiner mittleren Beamtenkarriere Feldjäger bei der Bundeswehr. Weil wir heute Putin & Co. schon wieder genug geärgert haben, lässt er nun zurück ärgern! Kann doch sein, oder? Auf die Behörden sollten wir uns jedenfalls nicht verlassen. Die sagen bestimmt nur was sie müssen. Mich wundert, dass BILD noch nicht auf diese Idee gekommen ist. 😉

Das war früher auch nicht verboten! Überhaupt gab es früher weniger Verbote.

Schaue auch in meinen Foto-Blog:
Was kommt nach dem Mai? und
Der Juni macht weiter wo der Mai aufgehört hat:

Satire aus. 610

 

Wenn eine Minute zur halben Ewigkeit wird

3. Juni 2018

1Minute

Es ist kurz vor viertel nach. Ich habe versprochen in einer Stunde, beim nächsten viertel nach, in Neustadt zu sein. Bei meinem Autisten. Seine Eltern haben um halb einen Termin und möchten den jungen Mann in der Zeit betreut wissen.

Kein Problem. Schnell noch eine Ladung Wäsche waschen, Schnellwäsche, 30 Minuten. In der Zeit kann ich duschen, meinen 10-Tage-Bart wieder auf die 3-Tage-Länge bringen, Wäsche aufhängen und los. Fahrtzeit über die Haffkruger Strandallee 25 Minuten. Passt minutiös!

Die Waschmaschine läuft, meine Funkuhr springt um auf :15. … 30 Minuten später. Ich bin fertig. Die Waschmaschine nicht. Meine Funkuhr zeigt :45, das Waschmaschinen-Display noch eine Minute. Also warten …, meine Gedanken nehmen ihren Lauf:

Freitag. Als Schulbegleiter war ich mit in der Ahrensböker Gedenkstätte – ein frühes (wildes) KZ, nur ein paar Kilometer von hier entfernt. Gedacht wird dort auch der Opfer des Todesmarsches im April 1945 über Ahrensbök nach Neustadt.

Ahrensbök_20180601_Gedenkstätte_Stele

Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken.

Mit diesen Bildern im Kopf empöre ich mich über den AfD-Abgeordneten Gauland und seine jüngste „Vogelschiss“-Provokation!

„Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“

So hat er das gesagt, berichten die Medien.

Die Funkuhr springt auf :46, die Waschmaschine rumpelt weiter so vor sich hin, das Display zeigt weiter noch eine Minute.

Was soll das? Warum sagen solche Leute so etwas? Das ist ja nicht nur Gauland, das sind auch die Höckes und Weidels dieser Nation!

Ist das alles nur Berechnung, um mit diesen provokativen Tritten unter die Gürtellinie in die Medien zu kommen, was ihnen leider auch gelingt und schlimm genug ist – oder sind sie von dem überzeugt, was sie sagen (?), was noch schlimmer wäre. Für mich jedenfalls! Anschließend relativieren sie das Gesagte, fühlen sich missverstanden und genießen erneut ihre mediale Präsenz. Der Populismus hat System!

Ahrensbök_20180601_Gedenkstätte (7)b

Haben wir denn aus der Geschichte nichts gelernt? Beim Anblick dieses Plakats habe nicht nur ich das Wort „Erbkranker“ gedanklich durch „Flüchtling“ ersetzt.

Die AfD wird nicht müde uns zu erklären, was dem Staat angeblich die Flüchtlinge kosten. Natürlich interpretieren sie die Zahlen nur in ihrem fremdenfeindlichen Sinne.

Die Waschmaschine ist jetzt still, die Funkuhr springt auf :47, das Display zeigt immer noch eine Minute an. Jetzt muss bis die Maschine nur noch den Verschluss entriegelt.

Langsam wird’s enge. Mein Autist ist ein Pünktlichkeitsfanatiker. Viertel nach heißt 15 Minuten nach und nicht 14 oder 16. Bin ich mal ein paar Minuten eher dort, begrüßt er mich erst um Punkt um. Als ich mal eine Minute später erschien, sagte er mir das. Zar emotionslos feststellend, aber bestimmt. Ein Autist halt …. Damals wären er und seinesgleichen „Erkranke“ gewesen. Was die im Nazi-Deutschland zu erwarten hatten, ist bekannt. Sollte es wenigstens. Bei meinem Autisten kommt noch hinzu, dass er das Kind von Flüchtlingen und Muslim ist. Was wäre aus ihm in der Zeit geworden, die Gauland als „Vogelschiss“ in der deutschen Gesichte bezeichnet?

Klack. Das Display zeigt 0:00 an und ich kann die Waschmaschine öffnen. Die Funkuhr springt auf :48. Noch 27 Minuten Zeit. Plan B muss her. Über die Autobahn fahre ich nur 18 Minuten. Also genug Zeit um die Wäsche aufzuhängen und dann los.
Eine Minute, die drei dauert, kann gefühlt zur halben Ewigkeit werden. Aber in jeder Minute sollten wir uns bewusst sein, dass weder die Nazi-Herrschaft noch die AfD ein „Vogelschiss“ ist, den man einfach wegwischen kann: Der Dreck ist unauswaschbar und bleibt für ewig im Tuch der deutschen Gesichte verwoben.
„Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch, Herr Abgeordneter!“ würde Joschka Fischer heute vielleicht zwischenrufen. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, 1984 …? Ich würde wieder Beifall klatschen.

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