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Meiers Rückblick 21/09 in 100 Sekunden

1. Oktober 2021

September 2021: Ein, ich sag‘ mal … denkwürdiger … Monat. 26., Bundestagswahl: Das Ergebnis ist bekannt und wer das in allen Einzelheiten nachlesen möchte, kann dies gerne beim Bundeswahlleiter tun. Mit dem lange feststehenden Abtritt von Kanzlerin Merkel hat die sechszehnjährige Sozialdemokratisierung der CDU ihr vorläufiges Ende gefunden und schwupps kommt es zum krachenstmöglichsten Scheitern der Union mit ihrem Möchtegernkanzler Laschet: Knapp 2 Mio. ehemalige CDU-Wählende haben ihr Kreuz bei der SPD gemacht. Drei Punkte bleiben bei mir haften:

Skandinavische Verhältnisse?

Bisweilen habe ich in Wahlnachlesen von skandinavischen Verhältnissen, vom Ende der Volksparteien und einer neuen Epoche gelesen. Nun ja, vielleicht ist das so. Allerdings gibt es einen großen Unterschied zu unseren nördlichen Nachbarn: Wir Deutschen gelten allgemein als weniger transformationsfreudig, sind weniger aufgeschlossen für Veränderungen. Das Bekannte steht bei uns im Vordergrund. Wir kennen Wahlen mit Mehrheitskoalitionen am Ende – und sei es mit drei Parteien. Minderheitsregierungen sind uns fremd. Anmerkung: In den skandinavischen Ländern funktionieren die (meistens). Vielleicht auch, weil dort die Frauen eine größere Rolle in der Politik spielen?

Weil alles so ist wie es ist, wollen zunächst die Grünen – Baerbock/Habeck – und die FDP – Lindner – eine Zusammenarbeit ausloten. Quasi als Königsmacher, denn weder der Wahlgewinner Olaf Scholz bzw. die SPD kann ohne Grün/Gelb, noch die CDU. Eine erneute GroKo (SPD/CDU) haben die beiden ehemaligen Volksparteien (O-Ton Laschet) ausgeschlossen. Ok, das hatten wir vor vier Jahren alles schon einmal ….

Demografischer Wandel

Eine Gesellschaft wandelt sich, die Jungen von heute sind die Alten von morgen. Ein ganz natürlicher Vorgang. Überrascht hat mich das Wahlverhalten der Erst- und Jungwähler. Au ha, mit Grün – Stichwort Klimapolitik – habe ich gerechnet, aber nicht in der Deutlichkeit mit Grün/Gelb.

Nun ja, ich bin eben ein Ü60 Alter Sack und die unterschiedlichen Perspektiven bei einem Großteil der jungen Leuten habe ich so nicht gesehen. Vereint sind die sicher darin, dass sie keine GroKo mehr wollen, dass sie weder der SPD noch der CDU die Gestaltung der Zukunft zutrauen. Wer mehr Ökologie will, hat die Grünen gewählt, wem die Ökonomie wichtig ist, die FDP. Wie auch immer, Grüne und FDP haben den Erst- und Jungwählern jedenfalls bestens vermittelt, dass sie für einen Aufbruch stehen. Dabei muss sich ökologisches und ökonomisches Handeln nicht gegenseitig ausschließen, kann hingegen auch sehr sozial – im Sinne von gesellschaftsfähig & nachhaltig – sein … und führt dann zu einer sog. Ampel. Es gibt schlimmere Regierungsformen. Falls allerdings eine grün-gelbe Zitruskoalition auf die Idee kommen sollte, den autosuggestiven & realitätsfernen Armin Laschet zum Kanzler küren zu wollen, würden sie m. E. a) das Wahlergebnis ad absurdum führen und b) würde es sicherlich zu Tumulten (nicht nur) an der Grünen Basis kommen. Verständlicherweise.

Ostdeutschland und die AfD

Diese Grafik vom Wahlabend hat mich doch erschüttert. In Ostdeutschland hat jede(r) fünfte Wählende seine Stimme einer rechtspopulistischen völkischen Partei gegeben, die Faschisten in ihren Reihen duldet und die offensichtliche Verbindung zur Extremen Rechten hat. Das verstehe wer will … -> ein Versuch der Ergründung dazu beim DLF. Ich meine, dass es genügend andere Alternativen zu Regierungsparteien gibt und nur aus Protest eine Dauer-Oppositionspartei zu wählen, ist für mich ziemlich sinnfrei.

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Bleibt munter & zuversichtlich 😉

848 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

8 Kommentare leave one →
  1. 1. Oktober 2021 12:31

    Ein Hallo von Sachsen in den Norden. 🙂 Ja, das Ergebnis der Wahl ist in Teilen erschreckend. Im blauen Sachsen gibt es aber noch immer den schwarzen Zipfel im Südwesten, das Vogtland :-))) Dabei hat man in Sachsen die Laschet-Plakate wirklich gut versteckt. :-))) Da tauchten vor allem die regionalen Kandidaten auf, auch schon mal im Zusammenhang mit Michael Kretschmer. Und unser MP stand ja gar nicht zur Wahl. Wenn das keine Realsatire ist. :-))) Die Niederlage ist trotzdem offensichtlich. Kretschmer hat das als Einziger in der CDU eingestanden. Seiner Meinung, dass sich aus dem Wahlergebnis kein Anspruch auf eine Regierungsbildung ergibt, ist nichts hinzuzufügen. Der Erfolg der AfD in Sachsen ist vor allem der Schwäche der CDU zu verdanken. Gegenüber der Wahl 2017 hat die AfD ja doch auch knapp zwei Prozent verloren. Es war hier vor allem auch eine Wahl gegen Laschet. Ich habe viele Stimmen gehört, aus denen man schließen konnte, dass mit Söder als Kanzlerkandidat das Ergebnis sicher ein anderes gewesen wäre. In welcher Höhe, lässt sich natürlich nicht sagen. Interessant fand ich eine Studie zur Wählerwanderung, da machten ca. 90.000 frühere Linke-Wähler ihr Kreuz bei der AfD. Die Linke, die ja auch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, scheint einen großen Teil ihrer Wählerschaft zu verlieren. Sie hat offenbar nicht mehr das Potential, Protestpartei und Stimme der Unzufriedenen zu sein.
    Die Koalitionsverhandlungen werden interessant. Mit Jamaika würden sich Grüne und FDP allerdings unglaubwürdig machen.

    Gefällt 2 Personen

    • 2. Oktober 2021 09:13

      Moin Eberhard. Ja, bei Ansicht der Wahlkreis-Ergebnis-Grafik habe ich an euch denken müssen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, habt ihr wenigstens nicht das Direktmandat der AfD überlassen, aber bei den Zweitstimmen liegen die Rechtsaußen doch vorn?
      Euer Kretschmer hat sich m. E. richtig und deutlich ausgedrückt. Sein MP-ST-Kollege Haseloff hat noch einen drauf gesetzt: „Der Osten hat die Wahl entschieden. Hätte die CDU im Osten nicht 10 Prozentpunkte unter dem Westen abgeschnitten, wäre die Union als Siegerin aus den Bundestagswahlen hervorgegangen. … Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, wer im Osten besser ankommt.“ Gemeint war natürlich Söder, so Haseloff in einem Interview mit der Rheinischen Post.
      Na ja, es wird noch viel geschrieben werden und wollen wir mal hoffen, dass bei den jetzigen Sondierungen & Verhandlungen was Positives bei rum kommt. Als schon fast pathologischer Optimist glaube ich an die Lernfähigkeit des Systems 😉
      Grüße aus SH nach SN

      Gefällt 1 Person

      • 2. Oktober 2021 15:47

        Ja, bei den Zweitstimmen liegt die AfD vorn im Vogtlandkreis, hat im Gegensatz zu 2017 aber auch etwas mehr als ein Prozentchen verloren.. Bei den Zweitstimmen ist die CDU total abgestürzt auf 19,7 Prozent. Dafür hat die SPD (und das ist wirklich überraschend) 11 Prozent gegenüber 2017 zugelegt und kam als zweitstärkste Kraft auf 22,7 Prozent. Ich glaube, der Unterschied bei den Erst- und Zweitstimmen bei der CDU zeigt hier recht deutlich, dass man für oder gegen jemand gestimmt hat. Aus taktischen Erwägungen haben sicher bestimmt viele SPD- und Grüne-Wähler die Erststimme unserer CDU-Kandidatin gegeben, weil die die größten Chancen hatte, den AfD-Kandidaten zu verhindern. War zwar knapp, aber Mission possible. :-)))
        Viele Grüße in den Norden 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. 1. Oktober 2021 15:10

    Hallo, Sven, so lange keine Ampelkoalition auf dem Tisch liegt, bin ich beunruhigt – aber das non-plus-ultra ist auch diese Wahl nicht. Aber was mich immer wundert, woher oder besser womit diese Aussagen bekräftigt werden, so und soviel Prozent einer Altersgruppe hat das oder das gewählt. Letztendlich ist es ja eine geheime Wahl. Auch, wenn man eine (angeblich) repräsentative Gruppe befragt, erscheint mir eine Verallgemeinerung dennoch ein wenig fragwürdig.
    Ich denke nur an die Ü 65 Wähler – ICH WAR ES NICHT!
    Wahl-spät-Folge-Kater-Grüße von Clara

    Gefällt 1 Person

    • 2. Oktober 2021 09:23

      Moin Clara.
      Ja, ich verstehe dich. Was mich für eine Ampel und gegen Jamaika (#Nomaika 😉 hoffen lässt, sind die jüngsten Umfragen – ZDF-Politbarometer: Eine Mehrheit wünscht sich eine Ampel-Koalition:
      https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-ampel-koalition-scholz-kanzler-100.html
      Nun ja, Umfragen sind immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, aber ich glaube, es wäre mittlerweile den Wählenden kaum noch zu vermitteln, würde die „Zitruskoalition“ eine Regierung mit der Union bilden wollen.
      Schauen wir mal, was noch so kommt.
      Liebe Grüße von der Ostsee!

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      • 2. Oktober 2021 09:27

        Lieber Sven, das alles hoffe ich ja auch. Aber wenn es dann so ist, dass die Grünen wegen der Gelben unheimlich viel Zugeständnisse machen müssen, ob es dann noch als ideal zu bezeichnen ist?

        Gefällt 1 Person

  3. Albert permalink
    2. Oktober 2021 13:09

    Meine Gedanken:
    Es ist die Oberschicht, die Grüne und Gelbe gewählt hat und es ist jetzt die Oberschicht, die sich da aktuell zusammenfindet und darüber entscheidet, wer unter ihr Kanzler sein darf.
    Viel spricht dabei nicht für Armin Laschet, obwohl der in seinem Paralleluniversum offenbar überirdische Kräfte entwickelt hat und deshalb Dinge sieht, Schlüsse zieht, die anderen verborgen bleiben.
    Es ist an Zeit, das auch die Roten für die Mittel- und Unterschicht an den Gesprächen teilnehmen. Eine Ampel hat nämlich 3 Farben und fällt eine aus, fällt die Ampel aus. Dann herrscht Chaos.
    A.

    Gefällt 2 Personen

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  1. Meiers Rückblick 21/10 in 100 Sekunden | Sven Meier erzählt

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