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Der Konsens über das Anerkannte [Pandemie 2020/2021]

Vorwort

Die Soziologie ist ein spannendes Fach – besser gesagt, eine Wissenschaft, die sich mit der Erforschung des sozialen Verhaltens befasst, also das Zusammenleben der Menschen untersucht. Wo mehrere Menschen zusammenleben, bildet sich eine Gesellschaft. Im größeren Rahmen nennen wir das Staat – und zwar mit einer politischen Ordnung. Diese regelt das Zusammenleben und fußt auf dem Konsens der allgemeinen Anerkennung der Regeln. Diese Regeln sind die Basis für unsere  Streitkultur, auf dieser Basis werden Debatten geführt und Konflikte ausgetragen. Ohne Regeln hätten wir eine Anarchie.

Soweit die Theorie, einfach und simpel. Doch in der Praxis ist es komplizierter. Ich habe mir in Zeiten dieser Corona-Pandemie einmal vorgestellt, wie mein alter Soziologie-Dozent das zur Aufgabe einer Hausarbeit erheben würde:

Beurteilen sie die gesellschaftliche Entwicklung während der Corona-Pandemie aus soziologischer Sicht.

Oder so ähnlich. Na ja, Hausarbeit wäre vielleicht ein guter Rahmen, 20 Seiten Vorgabe Pi mal Daumen. Denn eins ist klar: Komplexe Sachverhalte in einen relativ kurzen Beitrag zu packen, ist schwierig bis unmöglich und grundsätzlich unvollkommen oder fehlerhaft. Von daher bitte ich diese Zeilen als ein Essay, als meine Auseinandersetzung mit diesem Thema zu betrachten.

Eine Entwicklung kommt von irgendwo her und führt irgendwo hin

Um bei der Aufgabe zu bleiben: Eine Gesellschaft muss sich grundsätzlich über vieles einig sein – es muss einen Konsens geben. Neben unserer Sprache als vereinendes Merkmal (im Nachsatz mehr dazu) besteht ein Konsens über die Einhaltung unserer Grundrechte, die uns als Gesellschaft durch die Verankerung im Grundgesetz gegenüber dem Staat bzw. dessen Organen und im Umgang miteinander als beständig und einklagbar garantiert werden. Näheres regeln unsere Gesetze. Und die gelten für alle und jeden. Niemand darf sich über ein Gesetz stellen.

Anmerkung: Ich weiß, oft kolportierte bis zu 10 Prozent unserer Gesellschaft sehen das anders. Rassisten haben es nicht so mit den Grundrechten der Menschenwürde und/oder der Glaubensfreiheit, Faschisten ist oft die garantierte Freiheit der Presse und der Kunst ein Dorn im Auge und für Verschwörungstheoretiker sind Wissenschaftler nicht per se frei in ihrer Arbeit, sondern sie werden als Erfüllungsgehilfen des Staates gesehen. Und so weiter, das sind nur Beispiele. Jedenfalls steht ein kleiner Teil unserer Gesellschaft nicht auf den Füßen unseres Grundgesetzes, sondern trampelt eher auf dem herum. Dieser Einschätzung liegen die Wahlergebnisse im Nachkriegsdeutschland zugrunde. Seit jeher, also seit 1945, haben die Rechtsaußen (Rechtsextremisten) unserer Gesellschaft entsprechende Wahlerfolge erzielt: NPD, DVU, Republikaner – die Älteren erinnern sich. Heute sind hauptsächlich der offiziell aufgelöste AfD-Der Flügel und die Identitäre Bewegung ein Auffangbecken für alle diejenigen, die einem rassistischen, völkischen, nationalistischen, antisemitischen und/oder chauvinistischen Weltbild hinterherlaufen und damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz stehen. Schlimmer noch: Dass man heute den Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden gerichtsfest „Faschist“ nennen darf spricht für sich. Andersrum: Ein Faschist ist ein Faschist, weil er sich faschistisch verhält, ein Rassist ist ….

Zurück zur Aufgabe: So bunt, divers und kontrovers unsere Gesellschaft auch sein mag, es gibt einen grundsätzlichen Konsens über das, was anerkannt und streitbar ist. Nehmen wir die Wissenschaft: Konsens ist, dass sich unser Klima wandelt. Über den anthropogenen Anteil und die Auswirkungen mögen wir streiten. Konsens ist, dass wir zurzeit eine Pandemie haben. Wie wir am besten mit dem Coronavirus umgehen und welche pandemisch bedingten Grundrechtseinschränkungen verhältnismäßig und das mildeste Mittel sind, darüber mögen wir streiten. Wir haben jedoch jeweils eine Grundlage für Diskussionen, wir erkennen den Klimawandel wie auch die Pandemie an. Es besteht unter den Wissenschaftlern der Konsens, sich auszutauschen, Fehler in seinen eigenen Studien haben zu dürfen und die durch Forschungen anderer Wissenschaftler beheben zu können. Von diesem Diskurs lebt die Wissenschaft und letztlich profitieren wir bestenfalls alle davon.

Wir? Nun ja, offensichtlich würde nur ein Großteil unserer Gesellschaft meiner Aussage zustimmen. Ich weiß nicht wieviel von zehn Menschen das anders sehen, für die das nicht konsensual ist. An dieser Stelle will ich das mit dem Klimawandel mal vernachlässigen, sondern konzentriere mich aufgabengemäß auf der Pandemie.

Betroffen machen mich Aussagen von Bekannten, Leute, die ich schon wer weiß wie lange kenne, die das Coronavirus mit einem einfachen Grippevirus auf eine Stufe stellen oder die einschränkenden Maßnahmen des Staates als unverhältnismäßig verurteilen und durch das Impfen mehr persönliche Nachteile als Vorteile sehen und deshalb ablehnen. Unlängst hatte ich zwei telefonische Erlebnisse dieser besonderen Art und ich frage mich, ob wir noch in derselben Wirklichkeit leben? Das Thema ist für mich existenziell. Das ist doch etwas anderes, als politisch unterschiedlicher Meinung zu sein oder im Fußball Sympathien für oder gegen einen Verein zu haben. In der Politik haben wir den Demokratie-Meinungsfreiheit-Konsens und beim Fußball immerhin, dass der Ball rund ist und das Runde ins Eckige muss. Aber bei der Pandemie? Lebt der Gesprächspartner / die Gesprächspartnerin in einer Parallelwelt und welche Quellen haben dorthin geführt? Wo ist der Konsens, auf dessen Basis man miteinander diskutieren kann? So wie man einen Rassisten schlecht von der Gleichheit aller Menschen überzeugen kann, kann man einem Corona-Leugner wohl ebenso schlecht die Wahrhaftigkeit der Pandemie nahebringen. Das führt zu einer gespaltenen Gesellschaft und ich bin froh, dass sich nur eine Minderheit von der mehrheitlich anerkannten Wirklichkeit entfernt hat.

Ursachen der geteilten Wirklichkeit

Im Grunde ist eine geteilte Wirklichkeit ein Widerspruch in sich, denn es gibt nur eine und die ist unteilbar. Aber schon der olle Goethe wusste: „Es hört doch jeder nur, was er versteht.“ Ein Satz mit viel Tiefgang. Oder anders ausgedrückt von Prof. Lesch: „Wenn die Ratio nicht mehr funktioniert, dann beginnt der Glaube.“ Mit anderen Worten: Diejenigen, die den gemeinsamen Konsens verlassen haben, die glauben. Sie glauben etwas zu wissen, weil sie sich etwas anderes nicht vorstellen können. Und daran glauben sie so fest, dass es für sie die Wirklichkeit ist. Nun ja, so etwas kennen wir aus der Religion und die tat sich früher auch mit der Wissenschaft schwer. Ganz früher galten Pandemien als eine Strafe Gottes und die noch junge medizinische Wissenschaft stand im Verdacht, diese göttliche Vergeltung zu vereiteln – was Gott wiederum erzürnen würde. So gibt es Impfgegner, solange es Impfstoffe gibt. Übertragen auf heute macht die Pandemie in erschütternder Weise klar, dass eine unbestimmte Zahl von Menschen die Vernunft der Wissenschaft wieder nicht teilt und stattdessen irrlichternd etwas glaubt, wofür es null Beweise gibt. Irgendwo habe ich neulich von „Spuren para-religiöser Erzählungen“ bei Corona-Leugnern gelesen. Ja, das trifft es wohl gut, denn religiöse Fundamentalisten leben zumeist auch in einer Parallelwelt und stehen der realen Wirklichkeit renitent gegenüber.

Ich will jedoch nicht alle Skeptiker über einen Kamm scheren. Neben den Überzeugungstätern sind viele Menschen vielleicht einfach auch nur verwirrt, wofür unsere Medien täglich sorgen. Die öffentlichen und die sogenannten sozialen. Was in letzteren so an Falschinformationen wissentlich oder unwissentlich verbreitet und geteilt wird, ist hinlänglich bekannt. Aber auch bei den öffentlichen: Journalisten stellen Fangfragen (was deren Job ist), und bums, ist man gefangen. Und zwar in einem Shitstorm. Die Medien sind dabei im Kampf um Auflagen & Klicks unerbittlich. Wie man damit umgehen sollte, hat mittlerweile unser Obervirologe Prof. Drosten gelernt:

Provozierend-feststellende Frage einer Spiegel-Journalistin:
Einen größeren Schaden als Corona-Leugner haben im vergangenen Jahr wohl Experten angerichtet, die immer wieder gegen wissenschaftlich begründete Maßnahmen argumentiert haben, zum Beispiel Jonas Schmidt-Chanasit und Hendrik Streeck. Priorität müsse es haben, die Risikogruppen zu schützen, hörte man oft aus diesem Lager. Dabei ist längst klar, dass das bei hohen Fallzahlen nicht funktioniert. Wann platzt Ihnen der Kragen?

Professionell-kollegiale Antwort von Prof. Drosten:
Wollen Sie, dass ich jetzt Kollegen namentlich kritisiere? Ich halte nichts davon, ad personam zu gehen.

Diskutabel ist, wer hier den „größeren Schaden“ anrichtet? Die solche Fragen stellenden Journalisten oder die sich im Diskurs befindlichen Wissenschaftler?

Ja, ja, die Medien, unsere Vierte Gewalt im Staate. Wenn dann noch durch Falschmeldungen Verwirrung gestiftet wird – wie im Bild links (ohne meinen Fake-Hinweis), dann müssen wir uns über Wissenschaftsskepsis nicht wundern. Die oben zitierte Frage wurde dem Virologen einfach so in den Mund gelegt. Auch wenn sich der Sender am nächsten Tag für seine Fehler entschuldigt hat, das Bild war draußen und ging besonders in bestimmten Kreisen viral. Ergo: „Im Zuge der extrem polarisierten Diskussion um die Corona-Maßnahmen nehmen Hass und Hetze gegen Wissenschaftler und Politiker zu“, stellt Andrej Reisin vom NDR fest.

Ein weiteres Beispiel ist die Bild-Kampagne gegen Drosten im Mai letzten Jahres, für die die Redaktion vom Deutschen Presserat gerügt wurde.

Der Gipfel der Falschinformationen war, als im April letzten Jahres ein altes Interview von Drosten missbraucht wurde: „Für Menschen in Deutschland ist Corona eigentlich nicht von Bedeutung, es besteht kein erhöhtes Risiko.“ Das sorgte natürlich für Wirbel. Gesagt hat das der Virologe tatsächlich so, das war aber 2013 und gemeint war das MERS-Coronavirus von 2012 und nicht das heute wütende SARS-Coronavirus-2 als Auslöser der Covid-19-Pandemie. War das Absicht oder schludrige Recherche?

So funktionieren die Medien und besonders der Boulevard: Heute eine Aussage des einen Experten veröffentlichen, morgen die Gegenmeinung eines anderen Experten – von denen finden sich immer welche, die gerne in jedes hingehaltene Mikrophon quatschen. Am dritten Tag gibt es noch einen Kommentar aus der eigenen Redaktion. Auflagen & Klicks sind so den Redaktionen gewiss. Das verwirrt die allgemeine Leserschaft und trägt nicht zur Versachlichung bei.

Nachwort

These 1:
Die Coronakrise hat unsere Gesellschaft in zwei Lager gespalten: Eine Mehrheit anerkennt und es ist konsensual, dass wir in Zeiten einer Pandemie leben und dass das Impfen die weitere Verbreitung verhindert. Eine Minderheit leugnet eine Pandemie, spricht von einer Grippe oder Erkältungen und Impfungen sind für sie Teufelszeug. Mit dem Abklingen der Pandemie wird sich das wieder legen und wir werden uns alle wieder liebhaben.

oder 

These 2:
Die Coronakrise hat nur offenbart, wie divers unsere Gesellschaft geworden ist und dass es schon lange keinen breiten Konsens mehr über das Anerkannte gibt. Das gilt jetzt nicht nur für die Corona-Pandemie, sondern Gleiches erleben wir seit Jahren besonders auch beim Thema Klimawandel. Vielleicht ist es wirklich so, wie der Ökonom Frank Knight vor genau 100 Jahren, 1921, in seinem Buch „Risk, Uncertainty and Profit“ schrieb:

Es dürfte die meisten Menschen überraschen, wenn ihnen erstmals ernsthaft klar wird, welch kleiner Teil ihres Tuns auf akkuratem und umfassendem Wissen beruht.

Um nicht missverstanden zu werden: Wir leben in einem freien Land und jeder darf seine Meinung äußern. Das ist auch so ein gesellschaftlicher Konsens. Konsens sollte aber auch sein, dass die Meinungsfreiheit ebenso eine Widerspruchsfreiheit beinhaltet. Ein Klassiker ist die antike Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe ist. Für fast alle ist heute Konsens, dass das nicht stimmt, sondern dass Aristoteles & Co. seinerzeit recht hatten, als sie die Erde für eine Kugel erklärten und die damals möglichen wissenschaftlichen Beweise dafür lieferten. Wenn heute aber Leute, wie der Sänger Xavier Naidoo und ein paar andere, weiter oder wieder die Flat-Earth-Theorie verbreiten – was sie dürfen, dann müssen sie mit Widerspruch rechnen. Wenn Leute wie die Dres. Wodarg, Bhakdi & Co. die Corona-Pandemie leugnen, was sie dürfen, dann darf ihnen widersprochen werden und man darf entsprechend der anerkannten Faktenlage ihre Ausführungen als irreführend und falsch bezeichnen.

Die Frage für mich ist, inwieweit wir noch eine Sprache sprechen? Sprich, inwieweit wir noch einen gemeinsamen Konsens über das Anerkannte haben, auf dessen Basis wir debattieren können.

  • Wenn wir nicht mehr eine Sprache sprechen, dann können wir bis zum jüngsten Tag reden und argumentieren, mein Gegenüber wird mich nie verstehen. Genauso wenig ich ihn.
  • Wenn wir nicht mehr eine Sprache sprechen, dann leben wir nicht mehr in derselben Gesellschaft, es gibt eine Parallelgesellschaft.
  • Wenn wir nicht mehr eine Sprache sprechen, dann ist fraglich, ob wir noch die gleichen Wertvorstellungen haben, ob wir noch alle die gleichen sozialen Normen anerkennen.

Kurzum: Ohne eine gemeinsame Sprache gibt es nur schwerlich eine Kommunikation, ohne einen Konsens bei dem gemeinhin Anerkannten keine fruchtbare Diskussion. Soll ich mich darüber nun aufregen oder mir sagen: „Es ergibt keinen Sinn, mit einer Taube Schach zu spielen!“?

***

Nachtrag vom 28. Februar 2021

Passt dazu, könnte von mir sein 😉 eine Leseempfehlung: Die Natur kennt keine Kompromisse, eine Kolumne von Christian Stöcker SPIEGEL vom 28.02.2021.

Nachtrag vom 26. März 2021

Kachelmann-Tweet 25032021

Ein typischer Kachelmann-Tweet … 😉

Nachtrag vom 28. März 2021

Dietrich Bonhoeffer - von der Dummheit

Aus dem Archiv von meinem Freund S.. Dietrich Bonhoeffer, † mit 39 am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg, war ein lutherischer Theologe und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.

24. Februar 2021 | zurück: Dit un Dat oder Start-Seite (Seite 1)
letzte Aktualisierung: 28. März 2021

8 Kommentare leave one →
  1. 26. Februar 2021 07:43

    Das dürfte dich interessieren und passt für mich zu deinem Essay:

    Interview mit Wolfgang Thierse gestern im Deutschlandfunk:
    Identitätspolitik von rechts führe zu Ausschließung, Hass und Gewalt, die aktuelle radikale Identitätspolitik von links zu Cancel Culture, sagte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) im Dlf. Eine pluralistische Gesellschaft könne nur funktionieren, wenn Unterschiedlichkeiten zu Wort kämen.
    https://www.deutschlandfunk.de/wolfgang-thierse-spd-ueber-identitaetspolitik-ziemlich.694.de.html?dram:article_id=493111

    Eine Erwiderung dazu, ein Kommentar von Anna Seibt, auch im Deutschlandfunk von gestern:
    Der frühere Bundestagspräsident Wolfang Thierse warnt vor einer Radikalisierung des Diskurses, auch durch identitätspolitische Debatten. Dabei erkenne er das strukturelle Problem nicht an, dass derzeit weiße, heterosexuelle und patriarchal geprägte Menschen den Ton angeben, kommentiert Anna Seibt.
    https://www.deutschlandfunk.de/erwiderung-auf-wolfgang-thierse-privilegien-und.720.de.html?dram:article_id=493179

    Das zum Thema „Konsens beim Rassismus“, wo fängt er an?
    Grüße von D. aus H.

    Gefällt 1 Person

    • 28. Februar 2021 05:53

      Moin. Ach ja, der gute alte Thierse. Dazu fällt mir der Tucholsky-Satz ein: „Soziologie ist der Missbrauch einer zu diesem Zweck erfundenen Terminologie!“ Nun hat er sich also der Identitätspolitik gewidmet. Ohhh, dünnes Eis 😉
      Na ja, wenigstens besteht ein breiter Konsens, ist anerkannt, dass es eine Verschiedenheit in unserer Gesellschaft gibt und eben auch Rassismus von Leuten, die das nicht anerkennen wollen. Punkt. Wir streiten darüber, wie wo der anfängt, wie wir damit umgehen sollen.
      Ich denke mal, dass sich das Bewusstsein dazu im Laufe der Zeit gewandelt hat. Wenn sich die Sinti und Roma heute durch die Bezeichnung „Zigeuner“ beleidigt / diskriminiert fühlen, dann kann ich das achten und muss das nicht mehr sagen. Wenn sich Schwarze durch „Blackfacing“ beleidigt / diskriminiert fühlen, dann muss ich bspw. in der Faschingszeit mein Gesicht nicht schwarz schminken. „Cancel Culture“ verstehe ich so, dass man sich nicht mehr mit den Leuten auseinandersetzt, die das trotzdem machen, weil man das schon immer so gemacht hat. Und da wird es für mich heikel: Gibt es Sprechverbote? Wie sieht es mit der Kunstfreiheit aus? Muss Othello nun zwingend von einem Schwarzen gespielt werden? Oder geht doch noch ein Weißer mit geschwärztem Gesicht? Ich frage nur? 😉
      Grüße!

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  2. 26. Februar 2021 10:13

    Noch ein Zusatz, weil du von „Parallelgesellschaft“ geschrieben hast, auch Deutschlandfunk von gestern:

    Deutsche Bischofskonferenz: Ein Paralleluniversum der frohen Botschaften
    Eine ehrliche Aufarbeitung der Missbrauchsskandale würde die katholische Kirche als autoritäre, anti-emanzipatorische Institution zusammenkrachen lassen, kommentiert Christiane Florin. Deshalb blieben die deutschen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung rücksichtsvoll – und rücktrittsfrei.
    https://www.deutschlandfunk.de/deutsche-bischofskonferenz-ein-paralleluniversum-der-frohen.720.de.html?dram:article_id=493178

    Das ist mir noch eingefallen, zu „Das Thema ist für mich existenziell.“
    Oder essenziell? Jedenfalls können wir uns die Natur nicht untertan machen. Wir müssen mit ihr leben und können Abläufe nur im Rahmen unserer Möglichkeiten beeinflussen.
    Das sollte doch anerkannt und Konsens sein!
    Das Klima hat sich seit jeher gewandelt, aber nie war der menschliche Einfluss darauf so groß wie seit der Industrialisierung. Der Mensch hat den Wandel beschleunigt und es liegt jetzt an ihm, ihn wieder etwas zu verlangsamen. Was ist so schwierig daran das anzuerkennen?
    Viren gibt es seit immer und ewig und sicher länger als die Menschheit. Manchmal entwickeln sich Viren und sind für den Menschen unverträglich bis tödlich. Das war doch auch schon immer so, das ist doch so etwas wie der Lauf der Natur. Der Mensch kann doch nur durch die Entwicklung von Impfstoffen versuchen das Virus einzudämmen, er wird es nie ausschalten oder neue verhindern können. Ohne Impfstoffe würde auf der Erde nur ein Bruchteil der Menschen von heute leben. Was gibt es daran nicht anzuerkennen?
    Präsident Biden hat vor ein paar Tagen gesagt, angesichts von aktuell mehr als einer halben Million Corona-Toten ins den USA: Wir befinden uns im Krieg gegen das Virus. Durch Corona sind mehr Amerikaner gestorben, als durch die beiden Weltkriege und den Vietnamkrieg zusammen.
    Das wollte ich nur noch zwischen ☕ und 💻 erwähnt haben 🙋‍♀️

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    • 28. Februar 2021 06:00

      Nochmal Moin. Ja, zumindest die katholische Kirche lebt für mich schon seit jeher in einer Parallelwelt. Dazu gehört besonders das Kirchenrecht im Widerspruch zu unserem weltlichen Recht. Solange bspw. Kirchenobere meinen, das gesamte Thema Kindesmissbrauch nach eigenem kirchlichen Verständnis und Recht abhandeln zu können, solange wird sich daran auch nichts ändern, solange sprechen wir nicht eine gemeinsame (rechtliche) Sprache.
      Noch’n Gruß

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