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Liebe Sprachpolizist*innen

14. März 2019

[671] Gendergerechte Sprache Flyer Hannover 2019b

Frage vorweg: Ist das mit dem * so richtig geschrieben? Ich weiß es wirklich nicht.
Erklärung vorweg: Die folgenden Zeilen sind geschlechtsneutral und nicht diskriminierend gemeint. Ehrlich.

Es gibt Themen, die sind gesellschaftliche Dauerbrenner. Mal mehr, mal weniger, aber sie erledigen sich nicht. Ich neige dann manchmal dazu, mich auch in ein solches zu verbeißen, so wie ich in den letzten Beiträgen über unser Klima mäandert habe. Na ja, und wenn einem Themen erst einmal im Hinterkopf rumwabern, dann fallen einem vielleicht auch eher dazu passende Geschehnisse auf. Mir geht das jedenfalls so. Z. B. wie vor ein paar Tagen, als mir erklärt wurde, dass Hannover per bürgermeisterlicher Order die gendergerechte Sprache eingeführt hat. Ja, ich hatte davon gehört: Aus Lehrer sollten die Lehrenden werden, doch hatte ich das als Anregung aus dem niedersächsischem Kultusministerium verstanden. Als ich in meiner Alten Heimat zwei Lehrenden davon erzählte, kamen prompt die Fragen (sinngemäß):
“Ist das grammatisch überhaupt richtig? Wie passt das zum Partizip Präsens? Ich bin doch gerade kaffeetrinkend, also ein Kaffeetrinkender, oder bin ich ein jetzt ein kaffeetrinkender Lehrender, der zurzeit nicht lehrt, sondern erst morgen in der Schule wieder?”
Ok. Seit einigen Tagen weiß ich, dass das nicht aus dem Ministerium kam, sondern eine Regelung der Stadt Hannover ist (Flyer-Ausschnitt oben). Hannover? Hat dort nicht die Verbannung des Begriffs “Zigeunerschnitzel” von den Speisekarten ihren Ursprung?

[671] Studentenfutter-b

Nun gut. Jedenfalls habe ich in meinem Job Sinti und Roma kennengelernt, die sich als Zigeuner bezeichnen, zigeunisch sprechen und sich nicht diskriminiert fühlen, wenn sie auf einer Speisekarte von einem Zigeunerschnitzel lesen.

Und Jäger? Nein im Ernst: Neulich hatte ich eine Speisekarte in der Hand, wo der Begriff Jägerschnitzel ebenfalls vermieden wurde. Es gab Schnitzel mit einer Paprika- oder mit einer Pilz-Soße. Allerdings hieß das Wienerschnitzel Wienerschnitzel und der Hamburger Hamburger. Na ja, kann man so machen.

Gestern beim Einkaufen, Abteilung für Naschwerk & Leckereien, fragte mich ein jungen Frau, Typ Studentin, ob ich wisse, wo das Studentenfutter zu finden ist. Klar doch. Nur heißt das bei REWE-Eigenmarke ja! nicht mehr Studentenfutter, sondern Nuss-Frucht-Mischung. Äh, ja. Gut zu wissen.

Die sprachliche Gleichstellung aller Geschlechter und Vermeidung diskriminierender Begriffe ist sicher wichtig und ich weiß, dass Gender-Mainstreaming ein erklärtes Ziel der EU ist. Wenn das jedoch in Verbalakrobatik ausartet, quasi zu einer Versubstantivierung des Partizip Präsenz führt, nee, dann weiß ich nicht so recht, ob das so sein muss? Wird etwa die Grammatik für die Gleichberechtigung instrumentalisiert? Ich hoffe nicht, denn zwischen dem biologischen und dem grammatischen Geschlecht gibt es keine Zusammenhänge. Jedenfalls für mich nicht. Aber gut, Sprache war und ist immer im Wandel und vielleicht redet mein Enkelkind mal ganz anders als wir Älteren heute sprechen. Allerdings möchte ich keine Sprachpolizist*innen, die mir vorschreiben, wie ich meine letzten Jahre Deutsch zu sprechen und zu schreiben habe. Sonst fange ich mit Englisch an: Teachers, das sind Lehrer, Lehrerinnen, Lehrende in einem Wort.

Wenn das bisher Geschriebene nicht gewesen wäre, wäre mir auch bestimmt nicht dieser Artikel dazu, sinnigerweise in der schweizerischen NZZ, aufgefallen: ein Interview mit Prof. Krämer vom Verein Deutsche Sprache -> KLICK

So liebe Lesenden: Wer nun Kopfschmerzen hat, der befrage seinen Arzt oder seine Ärztin oder seinen Apotheker oder seine Apothekerin 😉

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Minister für Verkehrspolemik

13. März 2019

Es gibt Menschen, denen würde ein Vorgesetzter ins Zeugnis schreiben: „Dr. S. zeigt sich stets bemüht. Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen und durchzusetzen.“ Wer jemals eine Beurteilung geschrieben hat, weiß was das bedeutet. Übersetzt heißt es nichts anderes, als dass er nichts erreicht hat und ein rechthaberischer Wichtigtuer mit dem Hang zur Polemik ist.

Unsere Bundesregierung leistet sich einen Minister, auf den solch eine Beurteilung zutrifft. Bevor jemand fragt: „Einen?“ antworte ich gleich, dass ich darauf nicht antworte, sondern mich wegen der Aktualität nur auf einen beziehe: Unseren Minister für Verkehrspolemik.

[670] SZ-190313-Scheuer-EU

Zum Artikel. Ihr erinnert euch an die paar Lungenärzte, die meinten meinen zu müssen, dass das mit den Grenzwerten … alles Quatsch ist? Was tat unser dafür zuständige Minister? Nein, ich will das hier gar nicht vertiefen, lest einfach die Antwort der EU aus Brüssel dazu.

Es hat sich mir bis heute nicht erschlossen, was den amtierenden Minister für sein Amt qualifizieren soll. Außer vielleicht ein CSU-interner Parteiproporz. Proportio versus qualis facere: Proporz hat nichts mit Qualifikation zu tun. Das wird bspw. durch Äußerungen zu einem Tempolimit auf Autobahnen deutlich, welches für unseren Minister unter „gegen jeden Menschenverstand“ rangiert. Wer über so viel „Menschen-Sachverstand“ verfügt, muss sich über die Reaktionen nicht wundern: Ein Karikatur, die auf Twitter die Runde macht:

[670] 130-Scheuer-unverantwortlich

Nun ja. Anderseits ist unser Minister sehr beliebt. Doch, das ist er – und ich meine nicht bei den Autolobbyisten. Ich meine bei Kabarettisten. So wie gestern Abend in „Der Anstalt“, der beste Beitrag von Uthoff und Wagner für mich seit langem:

Das 12-Min-Video verbleibt bis zum 12.03.2020 in der ZDF-Mediathek -> zum Video.

Randnotiz: Schon mal von dem chinesischem Autokonzern Geely gehört? Dem gehört u. a. der schwedische Autohersteller Volvo und nebenbei ist er mit knapp 10% Daimler-Großaktionär. Geely/Volvo hat nun angekündigt, „alle Neuwagen ab 2020 auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit zu drosseln“. Auch so ein „Unverantwortlich gegen jeden Menschenverstand“? Dabei sind wir so weit von den selbst gesteckten Zielen bei der Energiewende entfernt, dass wir über jedes Prozent Einsparung froh sein sollten. Oder ist der persönliche Hedonismus wichtiger als alles andere? Anderseits hat sich jeder Minister mit seinem Amtseid verpflichtet, „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“. Mögen unsere Minister bitte mal die Kinder fragen, was die darunter verstehen!

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Energiewende-Fakten. Ein paar.

12. März 2019

„Du verhehlst in deinem Blog deine Sympathien für die schulstreikenden Klimaschützer zwar mit keiner Spur, aber kannst du denen auch mal erklären, was die ganze Energiewende kostet? Das sind alles andere als Peanuts!“ So eine alte Freundin gestern am Telefon. „So, habe ich die, soll ich das?“

Nun gut. Sympathie habe ich schon. Besser so, als wenn jeder sagen würde: „Was kann ich schon tun?“ Obwohl das auch eine Menge ist, würde man wollen. Dazu ein Link, Hannoversche Allgemeine, den sie mir geschickt hat -> KLICK.
Eine Randbemerkung dazu: Wir sind uns sicher alle einig, dass die „schulstreikenden Klimaschützer“ nicht die mediale Resonanz hätten, wenn sie außerhalb ihrer Schulzeit für den Klimaschutz demonstrieren würden. Nur durch diese mediale Präsenz machen sich manche Gedanken, auch Schulen, die sie sich sonst nicht machen würde. Ich nehme mich davon nicht aus.

Aber zu den Kosten der Energiewende:
Ich erinnere mich an Aussagen vom heutigen Wirtschaftsminister Altmaier aus seiner Zeit als Umweltminister, dass sich die Kosten für die Energiewende bis zum Klimaziel 2050 auf etwa 1 Billionen Euro (kein Schreibfehler, 1.000 Milliarden) summieren könnten. Dass er bzw. sein Ministerium damit nicht so ganz falsch lag, zeigt eine DICE-Studie, die Kosten bis 2025 in Höhe von rund 520 Milliarden Euro prognostiziert hat (linke Grafik). Bezahlt werden die Kosten zum größten Teil aus der EEG-Umlage. Für die Privathaushalte sind das die rund 7 Cent pro Kilowattstunde, die wir (neben anderen Abgaben und Steuern) mit unserer Stromrechnung bezahlen. Das macht Pi mal Daumen ein Drittel der Umlage aus (rechte Grafik). Am Rande: Damit haben wir Privathaushalte so hohe Stromkosten wie kaum ein anderes Land -> Wiki.

[669] DICE-Energiezeitalter-2016  [669] Kosten_EEG_BMWi-2014

Zu den Grafiken: Zum Vergrößern bitte drauf klicken. Auch wenn die Grafiken schon ein paar Tage alt sind und es vielleicht aktuellere Daten gibt (wer hat, bitte mailen), so zeigen sie doch eine Tendenz die grob heute noch so passen wird.

Der Kostenfaktor ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass wir alle von der Energiewende profitieren: Die mit der Kernkraft verbundenen Risiken entfallen, der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen sinkt und wir werden unabhängiger von Energieimporten aus dem Ausland. Wenn wir schon mal dabei sind: Wie sieht es überhaupt aus, was hat die Energiewende bisher gebracht? Auch dazu sind meine Archivdaten vielleicht nicht ganz aktuell, dennoch: Nach dem letzten mir vorliegenden UBA-Bericht mit Daten aus 2016 haben wir in Deutschland seit dem Referenzjahr 1990 unsere Treibhausgas-Emissionen um 27,3 % verringert (Tabelle links), allerdings von einem hohen Niveau kommend und bei der Pro-Kopf-Emission liegen wir in immer noch deutlich über dem Durchschnitt (rechte Grafik).

[669] Treibhausgas-Emissionen-EU-Staaten-2016  [669] Treibhausgas-Emissionen-pro-Kopf-2016

Wer sich die Grafiken anschaut sieht schnell, dass es noch viel zu tun gibt um die Klimaziele zu erreichen. Allein aus dem Grunde habe ich Verständnis für die jungen Klimaschützer. Fridays for future. Die Auswirkungen liegen in der Zukunft und dann sind sie und ihre Kinder davon betroffen, wir Älteren aus biologischen Gründen nicht mehr. Doch wie setzt sich diese Unmenge an Treibhausgasen zusammen (Grafik links), wer verursacht wieviel? (Grafik rechts).

[669] Treibhausgase-welche  [669] Treibhausgase-wer-was-wieviel

Alles nicht so einfach. Dennoch sind wir in Deutschland m. E. auf dem richtigen Weg – selbst wenn die Energiewende hier und da ins Stocken gerät und der Politik mitunter Konzeptlosigkeit vorgeworfen wird. Nur darauf einzugehen würde hier nun wirklich den Rahmen sprengen! Ein Beispiel dazu, ein Artikel von heute aus den Kieler Nachrichten: Veraltete Heizungen: Wie die deutsche Wärmewende scheitert. Ja, alte Häuser energetisch zu sanieren kostet Geld. Bei Mietwohnungen werden Kosten auf die Miete umgelegt, dann beklagen sich die Mieter, und manch ältere Hausbesitzer können es sich von ihrer Rente schlichtweg nicht leisten.

Ich hoffe niemanden mit meinen paar Energiewende-Fakten gelangweilt zu haben – aber schön dass wir mal drüber gesprochen haben 😉 Und zur Erinnerung: Gestern, 11. März vor 8 Jahren, ihr erinnert euch? Wenn nein -> Wiki Nee, lieber die Energiewende trotz aller Widrigkeiten.

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März-Rückblick

10. März 2019

[668] 190301-045-Husum-b

1. März. Freitag. Morgens um 7. Ich bin mal wieder auf dem Weg nach Husum und höre im Autoradio von der für heute angekündigten „Fridays for future“ Demo in Hamburg. Mit Greta Thunberg. Ein Dauerthema an diesem Tag. Ich denke an das Hirschhausen-Zitat, welches ich frühmorgens noch hier im Blog verewigt habe: „Wer von euch kackt regelmäßig in sein Wohnzimmer?“ Im übertragenen Sinne erklären uns die jungen Demonstrierenden, dass wir genau das tun.

2 Anmerkungen dazu:
[668] 20190303_090234_Fruestueck1. Letzten Sonntag ergab sich beim Frühstück ein Gespräch mit 2 Halbwüchsigen. Während der eine so gut wie nichts über das Thema wusste, war der andere gut informiert. In der Schule hatten sie kürzlich sogar ihren ökologischen Fußabdruck ermittelt. Besser noch: Zu den auf dem Tisch liegenden Lebensmitteln konnte er die CO2-Emissionen erklären. Chapeau!
2. Bundespräsident Steinmeier hat vorgestern (Freitag) seinen Besuch in Neumünster (SH) genutzt, um sich vor Schülern einer Klimaschutz-Mahnwache am Rathaus zu den „Fridays for future“ Demos zu äußern:
„Viele der Erwachsenen haben noch nicht gemerkt, dass es fünf vor Zwölf ist.“
mehr -> NDR. In Anbetracht manch abfälliger Äußerung gegenüber den jungen Klimaschützern klingt das richtig wohltuend – doch es sind nur Worte. Folgen auch Taten?

Was mir sonst noch in dieser Woche auffiel:

Bekanntlich nimmt das Interesse am Fasching um so mehr ab, desto mehr man sich dem Echten Norden nähert. Platter Humor, bei dem ein kräftiger Tusch gerne mal die Pointe ersetzt, ersetzt, ist nicht so unser. Wir haben es mehr mit dem trockenen Humor, oft mit einer guten Portion Sarkasmus. Leider wird der desto häufiger missverstanden, desto mehr man sich von der Küste entfernt.

[668] trockener Humor BeispielSarkastisch sind wir nur zu Menschen, die wir mögen – und zu denen, die es nicht anders verdienen (Beispiel links). Zu letzteren gehört die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, jedenfalls solange sie auf Kosten von Minderheiten lästert. Sicherlich darf man ihren als Witz gemeinten Spruch über Toiletten für Intersexuelle (-> KN) unter Narrenfreiheit in der Faschingszeit verbuchen – oder ihn einfach nur peinlich und doof finden – fest steht jedoch, frei nach Goethe: „Im Suff und im Fasching zeigt sich der wahre Geist eines Menschen“. Na denn, ich erinnere an Goethes Zauberlehrling …!

[668] Tweet190305-LöwoutFür noch so einen Aufreger sorgte Bundes-Fußballtrainer Löw: Die Bayern-Spieler Müller, Hummels, Boateng hat er kurzentschlossen aus der Nationalmannschaft aussortiert. Wie bei der WM im letzten Jahr in Russland ist er wieder voller Optimismus für die nächste WM und er weiß bestimmt wie eh und je, was er tut. Beim DFB gibt es ja so viel Sachverstand …! Persönlich würde ich mir allerdings einen anderen Neuanfang wünschen. Auch an der DFB-Spitze. Aber was weiß ich schon? Und ich bin sensibel 😉

Ein letzter Satz noch, gefallen diese Woche in einer NDR-Quiz-Sendung von dem Tagesschau-Sprecher Jens Riewa auf die Frage, ob er in seiner Freizeit die Tagesschau sehen würde:
„Ach nee, ich hab’s eher mit den guten Nachrichten, ich mach’ das nur für Geld.“
Als Nachrichten-Junkie (O-Ton meines Freundes S.) wäre ich froh, wenn ich das auch von mir behaupten könnte 😉

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Was haben diese 3 Herren gemeinsam?

1. März 2019

In alphabetischer Reihenfolge: Dr. Eckart von Hirschhausen, Uli Hoeneß und Jörg Kachelmann: Was haben diese drei Herren gemeinsam? Sicher, sie sind alle Spezialisten auf ihrem Gebiet und auf dem macht ihnen so schnell keiner etwas vor. Aber das meine ich nicht. Ich will darauf hinaus, dass diese drei zu denen gehören, die ihre Position, ihren Bekanntheitsgrad nutzen, um dem Boulevard mitunter gehörig die Leviten zu lesen. Das aus gutem Grund. Politik & Wirtschaft interessieren nicht jeden, aber Geschichten über das Wohlbefinden, den Fußball und das Wetter gehen immer, darüber lässt sich ständig tratschen. Dazu gibt es unzählige Experten, die sich gerne und entgeltlich zu Worte melden oder sich interviewen lassen. ISSO! Kein Wunder also, wenn das den wahren Kennern ihres Fachs mitunter auf den Sack geht.

Ein Artikel, den niemand braucht: Das große Sven Meier Interview 😉

Dr. Eckart von Hirschhausen zum Beispiel, am 4. Feb. im NDR, in der Sendung “DAS!”:

Ich glaube, so wie wir unsere Großeltern gefragt haben, was habt ihr gegen die Nazis getan, wird unsere Generation gefragt werden, von den Kindern und Enkeln, was habt ihr gegen Klimawandel getan? … Aber wir machen unser Zuhause kaputt. … Wer von euch kackt regelmäßig in sein Wohnzimmer?

So impulsiv habe ich den “Doc der Medien” noch nie erlebt, aber in dem Moment …, oh ha! Seine Lebensmaxime gefällt mir besonders gut, nur wenn sich jeder dran halten würde, hätten viele Boulevard-Journalisten und –listinnen weniger, worüber sie schreiben könnten:

1. Nicht rauchen, 2. sich bewegen, 3. viel Gemüse essen, 4. erwachsen werden, 5. Kind bleiben. So viel Vernunft? Nein, denn Ratschlag Nr. 6 heißt: Pfeifen Sie regelmäßig auf eins bis vier!

Dieser Satz hat Tiefensinn. So ähnlich wie der von Erich Kästner: “Entweder man lebt, oder man ist konsequent.” Derartige Sinnigkeit mag man dem “Fußball-Guru” und FC Bayern Chef Uli Hoeneß nicht unbedingt zugestehen, dafür ist er mitunter zu impulsiv – ich erinnere an die “Abrechnungs-PK” vom Oktober. Mittlerweile hat er jedoch zugegeben, zuletzt am 24. Feb. im Sport1-“Dopa”, dass die Pressekonferenz so ein Fehler war. Dennoch verwahrt er sich vor einer unseriösen Berichterstattung, aber moderater:

Er (D. Hamann) wäre gut beraten, zwischendurch etwas zurückhaltender zu sein. Er fühlt sich wie der Messias der Fußballkommentatoren. Er meint, dass er es besser kann als Mourinho und Ancelotti zusammen. Er soll das kommentieren, was er sieht, und nichts anderes. … Jetzt waren wir mal fünf Monate nicht Tabellenführer – und was ist in diesem Land los? … Diesen Schmarrn kann ich nicht mehr hören! … Die Journalisten sollen aufhören, immer zu den unzufriedenen Spielern zu gehen. Je mehr wir holen, desto mehr Munition haben sie. Aber die wollen wir ihnen nicht geben.

Man muss Uli Hoeneß nicht mögen um zu verstehen, dass er sich a) vor seine Mannschaft stellt und b) mit dem Gesagten nicht so ganz Unrecht hat. Letztlich geht es doch um Klicks und verkaufte Zeitungen. “Wettermann” Jörg Kachelmann hat das am 12. Feb. über Twitter auf den Punkt gebracht, als er sich – mal wieder – über unseriöse (Wetter)Berichterstattungen geärgert hat:

Warum der Journalismus, wie wir ihn heute kennen, sterben wird: Weil viele Medien ein Grad an Verkommenheit erreicht haben, indem man schon fast blindwütig lügt, um noch ein paar billige Klicks zu bekommen ….
Die Medien aus der Welt des klickschlampesken #Vollpfostenjournalismus täuschen sich wenn sie denken, es würde nur die eigene Glaubwürdigkeit ruiniert werden. Die täglichen Wetter-Lügengeschichten wie auch bei @focusonline ruinieren am Ende die gesamte Branche, themenübergreifend.
Die Antwort, nicht nur für @express24 @focusonline @merkur_de und viele andere: Weil absichtliches Lügenschreiben nichts ist, was Sie retten wird. Bitte machen Sie Ihren Laden doch freiwillig dicht damit die, die nicht obsessiv Schwachsinn schreiben müssen, besser überleben.

Apropos “Laden dicht machen”: Vor drei Tage ist bekannt geworden, dass die DuMont-Mediengruppe überlegt, ihr gesamtes Tageszeitungsportfolio zu verkaufen. In einer Erklärung der Verleger heißt es: “DuMont ist ein über Jahrhunderte hinweg erfolgreiches Unternehmen, weil es sich zu jeder Zeit der Wirklichkeit der Märkte gestellt hat.” Ah ha, die Wirklichkeit der Märkte. Und die ist offensichtlich, dass die Printmedien keine Zukunft mehr haben. Aber egal ob Papier oder Digital, solange es den Boulevardjournalismus gibt, so lange werden sich Leute über den aufregen. Verständlicherweise. Leider trifft dieser Stil, die Jagd nach Klicks und Auflagen, immer mehr für die Nachrichten aus Politik und Wirtschaft zu. Bis dahin, dass Geschichten oder Protagonisten erfunden werden …, siehe SPIEGEL und SZ. In diesen Nachrichtenblättern ist das aufgefallen – in wie vielen nicht?

Nach Tagen mit viel Sonne – dem vorweggenommenem Frühlingsanfang im Februar? – und einer Menge Fotos (-> KLICK zum Fotoblog) muss ich nun mal wieder was tun. „Entweder man lebt …“, ja, aber nicht nur von Luft & Sonne 😉

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Disse Klookschieters

17. Februar 2019

kl-KlookschieterWas regelmäßige Leser meines Blogs wohl ahnen: Ich genieße den Ruf des Klookschieters und bin stets bemüht, diesen auch zu wahren. Das meine ich durchaus so, wie ich es schreibe. 😉 Na ja, jeder von uns hat halt seine Rolle und Mann tut eben das, was Mann kann. 😉

Mittlerweile wird mir diese Rolle allerdings streitig gemacht: Von einem zweieinhalbjährigen Mädchen, das zudem nur kindisch spricht und der hochdeutschen Aussprache noch nicht so richtig mächtig ist. Wenn dieses kleine Kind mit erhobenem Zeigefinger doziert, uns / mir die Welt erklärt, dann klingt das bisweilen zwar lustig, aber manchmal braucht man einen Übersetzer. Beispiel: Kalimpana heißt Kaliumpermanganat und ich schwör’, das hat sie nicht von mir!

kl-Puzzle-Kind

Von mir hat sie auch nicht die Geduld beim Puzzeln. “Dat pat nich Opa! Dat mut noch waten!” Ein s, z oder ch geht ihr noch nicht so über die Lippen. Oder Stimmbänder. Als ich ihr erklären will, dass das Puzzleteil nicht passt: “Dotz Opa, dat pat dahin!” Ich denke mir: “Disse lüdde Klookschieterin, de jümmer allens beter weet un verbetert.”

Und wenn sie etwas will, was wir nicht wollen: “Dotz. DOTZ!” Über dotz amüsiere ich mich am meisten und langsam keimt bei mir ein Gefühl: Das Kind neigt zum Widerspruch. Oder will Opa ärgern. Oder beides 😉

Ihre Mutter, was meine Tochter ist, hält sich in diesen Momenten grundsätzlich raus und meint gelegentlich nur: “Ihr beiden Klookschieters!” Dabei ist das das einzige Wort, was sie unfallfrei auf Plattdeutsch aussprechen kann. Mal ehrlich, es ist doch so: Op Plattdüütsch klingt Klookschieter manierlicher als de hochdüütsche Übersetzung. Un is ook manierlicher gemeint. Isso!

Wie bin ich überhaupt darauf gekommen? In meinem letzten Fotoblog-Beitrag hat eine Leserin einen, ich zitiere sie selbst und sie ist mir deshalb hoffentlich nicht böse, “nörgeligen Kommentar” hinterlassen: “Viel zu warm kann ich nicht finden ….” Das ist natürlich eine Steilvorlage für jeden Klookschieter 😉 Der Deutsche Wetterdienst dazu:

kvo_de_3835_11_01_01_02

Alles was rot ist, sind höhere Temperaturen als im mittleren Tagesmittel. Ganz schön rot … nicht nur jetzt im Februar. Aktuell von gestern und heute habe ich noch ein paar Bilder: Zu warm ist, wenn …

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Große und kleine Klima-Öko-Füße

12. Februar 2019

Fuesse-190209-01b

Die letzten Tage. Tour in die Alte Heimat, Besuche hier und da, u. a. bei einer alten Freundin. Wir sitzen gemütlich am Holzofen, das Feuer knistert so vor sich. Bei dem Shitwetter draußen ein heimeliges Gefühl. Es klingelt. Eine Freundin der Familie. Mit ihrer pubertierenden Tochter im Schlepptau will sie nur mal Guten Tag sagen.

Wir kommen ins Gespräch und das Mädel erzählt stolz von ihrer ersten Teilnahme an einer Demo: Fridays for future. Gemeinsam gegen die Klimakrise: Der Kohleausstieg käme zu spät, er entspräche nicht dem Paris-Abkommen, die Rechnung ginge an die junge Menschen, usw.. So sprudelt es aus ihr heraus und irgendwie kommt es mir vor wie eine auswendig gelernte und zu schnell vorgetragene Geschichte. Die Mutter findet es jedenfalls gut, dass die ganze Klasse mit dem Lehrer zur Demo gefahren ist und man das Thema in der Schule vor- und nachbereitet habe: “Die Kinder können ja nicht früh genug lernen verantwortungsvoll mit dem Klima umzugehen.”

Der Holzofen gibt eine wohlige Wärme ab und das Mädchen findet das viel toller als die Heizung zuhause. Die Mutter erzählt noch vom nächsten Urlaub: Mit dem Flieger geht’s nach Barcelona, von dort auf eine Kreuzfahrt durch das Mittelmeer. Als sie sich verabschieden und in einen dicken Diesel-SUV einsteigen, denke ich: “Meier, finde den Widerspruch!”

Twitter-extra3-Klima-GT-b

Die Demos der Kids wegen des Klimas, Greta Thunberg usw., ja, ich finde das alles gut! Noch besser, wenn die Demos in den Unterricht implementiert werden. Und doch frage ich mich, ob gleichermaßen über den persönlichen Klima-Öko-Fußabdruck gesprochen wird? Wie groß ist der und wie könnte der verkleinert werden? Vielleicht findet man dann Holzöfen wegen der hohen Feinstaub-Emissionen nicht mehr so toll, macht sich Gedanken über die CO2-Umweltbelastungen einer Flug- und Schiffsreise und hinterfragt, ob das nächste Auto wegen der Stickoxide nicht eine Nummer kleiner ausfallen könnte. Und so weiter. Das Wissen um all das ist Macht – und Umweltschutz findet nur statt, wenn sich Konsumenten ihrer Macht bewusst werden und diese einsetzen!

Fußabdruck-öko-190211-b

Wer seinen Fußabdruck abschätzen lassen möchte folge dem Link –> KLICK oder drucke sich ein pdf aus. Meiner liegt Pi mal Daumen bei 4,7 gha (global Hektar). Das überrascht mich. Aber der Wert ist ja nur eine grobe Schätzung und als Vielfahrer habe ich ein kleines, sparsames Auto mit Euro 6. Von daher dürfte der Wert niedriger sein. Trotzdem: Nachhaltig ginge auch bei mir anders – aber so klein wie der meines Enkelkindes wird er nie mehr sein – Bild oben: „Opa hat gant grote Füße, ich gant kleine“ 😉

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