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Henssler kommt, Tesla kommt … vielleicht

14. November 2019

HENSSLER KOMMT! Nicht weit von der Scharbeutzer Seebrücke und dem Kurpark entfernt, prangt die Ankündigung in großen Lettern an dem Bastei-Gebäude. Aha. Der große Starkoch Steffen Henssler kommt nun auch nach Scharbeutz. Nach Travemünde auf den Priwall in den neuen Waterfront-Komplex kommt er schon seit Monaten, nur angekommen ist er noch nicht. Nach letzten Meldungen soll das nun am 28. Novemeber sein. Ob er – persönlich – häufiger als nur zur Eröffnung in seinen Restaurants erscheint, steht in den Koch-Sternen. Und wie (sub)optimal die gewählten Standorte sind, auch.

Hier an der Scharbeutzer Stelle haben sich in den letzten Jahren mehrere Betreiber nacheinander versucht. Der Ort scheint zwar optimal, aber zwischen Seebrücke und dem Laden hier liegen die Platzhirsche Gosch, Cafe Wichtig und Rosario, ein Italiener mit guter Küche. Gefühlt waren diese drei Restaurants, mit Außenterrasse am Strand, immer gut gefüllt, der zukünftige Henssler-Laden nie. Und gegen einen Besuch auf dem Priwall sprechen für viele die hohen Kosten der Fähre. Allein als Fußgänger ist man zu zweit, hin und zurück, schon mal 5,60 € los, mit Pkw gar 13,60 €. Dazu muss man hüben wie drüben einen (natürlich kostenpflichtigen) Parkplatz finden – ein Problem in Travemünde. Nun ja, wir werden sehen, in wie weit die wirtschaftlichen Interessen Einzelner von den Touristen bedient werden.

TESLA KOMMT! Berlin vor drei Tagen. Preisverleihung zum Goldenen Lenkrad. Auf der Bühne Tesla-Chef Elon Musk als Überraschungsgast. Noch überraschter war die versammelte Zuhörerschaft von diesen seinen Worten: „Ich habe übrigens eine kleine Ankündigung. Wir haben uns entschieden, die erste europäische Gigafactory in der Gegend von Berlin zu bauen.“ Au ha. Das schlug ein wie eine Bombe! Nun ja, viele halten Musk für einen überkandidelten Spinner, der von Wirtschaftlichkeit nicht viel versteht. Mag sein. Ich halte ihn für einen Visionär – und, immer ein guter Gradmesser, die Börse vertraut ihm und glaubt, dass sich alle Investitionen irgendwann mal amortisieren. Seit Monaten ist der E-Autohersteller Tesla in den USA mehr wert als General Motors. Zum Vergleich fünf aktuelle Auto-Xetra-Börsenwerte (Marktkapitalisierung) von heute: BMW ~48 Mrd. €, General Motors ~55 Mrd. €, Daimler (Mercedes) ~58 Mrd. €, Tesla ~63 Mrd. €, VW (neben Toyota der weltweit größte Autohersteller) ~91 Mrd. €. Die Zahlen sprechen für sich.

Während bei BMW und Daimler und in großen Teilen der Fachpresse noch lamentiert und debattiert wird, will Musk mit Tesla Fakten schaffen. Die Betonung liegt auf will! Denn wie beim Henssler gilt auch für Tesla: Erstmal da sein und machen. Und zwar erfolgreich. Auf alle Fälle, so ist zu lesen, habe die Ankündigung von Musk schon jetzt mehr erreicht als 100 Auto-Gipfel im Kanzleramt. Nur VW setzt bisher auf die E-Auto-Karte und VW-Chef Herbert Diess wird so zitiert: „Selbst im Volkswagen-Konzern gilt Tesla mittlerweile als Vorbild. Der US-Rivale hat sich längst von einem Nischenplayer zu einem Massenhersteller gewandelt.“ Warten wir ab, was passiert. Ich bin verhalten optimistisch 😉

Heute im Foto-Blog-Angebot: Herbst-Spaziergänge – unsortiert in 16:9 (2)

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Der Tag danach …

10. November 2019

+++ Bitte auch den letzten Absatz lesen – Depressionen / Robert Enke +++

Der 9. November 1989 ist einer dieser geschichtsträchtigen Tage …

Bei allen Feierlichkeiten zum 9. November 1989 bitte den von 1938 nicht vergessen!

… und manch einer mag überlegen, wo er an diesem Tag vor 30 Jahren war, was er gemacht hat. Ich weiß nicht mehr, wie mein 9. November 1989 aussah. Der Kalender sagt mir, dass es ein Donnerstag war. Der Donnerstag war bei uns seinerzeit Sitzungstag und danach ging’s in die Kneipe zum Stammtisch. Dort gab es zwei Tabuthemen: Fußball und Politik. Mit anderen Worten: Das war in der Regel ein langer Tag mit gemütlichem Abschluss und eine kurze Nacht. So wird es wohl auch 1989 gewesen sein. Ich weiß aber noch, dass ich am nächsten Morgen aus irgend einem Grund relativ früh auf meiner Dienststelle war. Erst dort, am Tag danach, habe ich beim ersten zwingend notwendigen Pott Kaffee erfahren, was sich in den Abendstunden des Vortages ereignet hatte. Der Rest ist Geschichte ….

Landesgrenze – ehemals Staatsgrenze – auf dem Priwall / Travemünde: NIE WIEDER GETEILT

Wenn ich heute diese 30 Jahre zurück blicke, dann hat sich im Grunde wenig von dem bewahrheitet, was damals so vorausgesagt wurde. Gut, die Wiedervereinigung 1990 ja, aber der Rest? Statt der von Kanzler Kohl versprochenen blühenden Landschaften gab’s in den neuen Bundesländern die Treuhand – die durch den Verkauf der rund 10.000 Staatsbetriebe ursprünglich min. 600 Milliarden DM erlösen wollte, aber weit über 200 Milliarden DM Verlust machte – damit einhergehend eine hohe Arbeitslosigkeit im Osten, den bundesweiten Soli zur Finanzierung all dessen, den Wegzug vieler junger Menschen in den Westen und eine ganze Menge Frust. Verständlicherweise. Schnell wurden mit dem „Jammer-Ossi“ und dem „Besser-Wessi“ zwei Klischees geboren, die es sogar zu medialen Ehren brachten.

Und heute, am Tag danach, am Tag nach den vielen großen Feiern und noch größeren Reden anlässlich des Mauerfalls vor 30 Jahren? Die Klischees werden weiter gerne bedient – auch weil fast jeder vierte Wähler in den neuen Bundesländern mittlerweile eine rechtspopulistische Partei wählt. Glaubt man den Demoskopen, dann weniger wegen derer Inhalte – sofern überhaupt vorhanden, sondern mehr aus purem Protest. Ich möchte an dieser Stelle nichts werten und erlaube mir stattdessen zum Schluss einen Kommentar des Lesers Korf von der SPON-Seite zu kopieren:

Als jemand, der 89 vom ersten Tag an mit auf der Straße war, überkommt mich ein großes Unwohlsein. Es ist sehr seltsam, wenn jene, die damals unbeteiligt waren, heute große Worte glauben daraus ableiten zu können – und dabei den Eindruck vermitteln, die folgenden Prozesse wären logisch und folgerichtig und zum Besten aller abgelaufen. Wir jedenfalls wollten raus aus diesem Sozialismus, aber wir wollten sicher keinen Neoliberalismus, der alles Soziale einer Gesellschaft dem Nimbus des Ichs opfert.

Nun ja, eins frage ich mich dann doch: Wenn die Menschen in der ehemaligen DDR ihren SED-Sozialismus nicht mehr wollten, aber auch keinen Neoliberalismus, wie er von der CDU/FDP-Bunderegierung unter Kohl/Genscher praktiziert wurde, wie erklärt sich dann das BTW-Ergebnis vom 2. Dezember 1990? Das habe ich damals am Tag danach schon nicht verstanden und die LTW-Ergebnisse von heute verstehe ich ebenso wenig ….

Robert_Enke_t_b500Noch etwas ganz anderes an diesem 10. November: Heute vor 10 Jahren beendete Robert Enke unweit seines Wohnortes Himmelreich (bei Neustadt a. Rbge., Nds.) durch einen Suizid sein Leben. Robert Enke war einer der besten Fußballtorhüter seiner Zeit. Er litt unter Depressionen. Bis heute ist er eines der prominentesten Opfer dieser tückischen Krankheit, die weitgehend noch tabuisiert und missverstanden wird. Der NDR hat sich im Zusammenhang mit Robert Enkes 10. Todestag dazu entschieden, über das Thema Suizid zu berichten, um für die Krankheit Depression zu sensibilisieren. Gut so. Durch Erfahrungen aus meinem nahen Umfeld weiß ich, dass eine Depression jeden treffen kann – und ich bitte unbedingt alle Betroffenen, sich professionelle Hilfe zu holen! Es muss und soll niemals für die Angehörigen einen traurigen Tag danach geben! NIEMALS!

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Jan Böhmermann wie der frühe Hannes Wader

8. November 2019

Beim einem zufälligen Blick auf meine Twitter-Seite werde ich heute auf dieses Video von Jan Böhmermann aufmerksam. Im ersten Moment, Gitarre, dunkel gekleidet, dunkler Hintergrund, erinnert mich das an Hannes Wader. Der Lied-Text beim Hören auch – an den frühen Wader. Nun ja, der Text hat seine Geschichte, ich sage nur Beckmann ….

Ich sag‘ mal: Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen. Aber Freunde und auf welche Party man geht, schon.

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Geiht nich, gifft nich – und der Schlexit

6. November 2019

Nirgends ist das Grau so schön wie hier an der Ostsee 😉

Gestern. Ich höre im Radio, dass der neue Glücksatlas vorgestellt wurde und hier in Schleswig-Holstein – every year the same procedure – die glücklichsten Menschen Deutschlands wohnen. In Anspielung auf das Wetter meint der Moderator, das liegt auch daran, weil das Grau nirgends so schön ist wie hier im Land zwischen den Meeren. Nun ja. Da es gerade nicht regnet, gehe ich runter zum Strand um mich davon zu überzeugen. Nee, quatsch, natürlich weil einmal am Tage frische Seeluft ganz gut tut und dem November-Blues vorbeugt!

Unten an der Hütte stehen zwei Rentner, ihre Hunde toben am Strand. Während ich daneben Fotos mache, höre ich ihr Gespräch mit:
„Haste gehört, de Thüringen-CDU will mit de AfD snacken, ob dat wat ward mit de Ministerpräsident?“ 
„Solln se maken im Osten, solang se uns hier to frieden laten. Shit wat druf.“ 
„Jau. Aver man kann garnich so dösig denken wie dat kommen kann. Wenns uns to bunt wird mit de Rechten, dann maken wir den Schlexit und gahn wedder to Dänmark (*).“ 
„Jau. [Sekunden später] Dat löppt sik schon allens torecht.“

November-Spaziergang gegen den November-Blues mit Blick über die Bucht bei Scharbeutz

Ich mag diesen unaufgeregten Pragmatismus der Menschen hier im Norden. Geiht nich, gifft nich! Dat geiht irgendwie! Und wer alltoveel Bedenken heegt, kriegt ok nich altoveel toweeg.
Später lese ich, dass zum Glück bzw. zur Zufriedenheit auch eine “solide Robustheit gegenüber medialen Schlechtwettermeldungen” gehört. Ja, mit Schlechtwetter kennen wir uns aus – ich muss sofort an die beiden Oldies vom Strand denken. Und dass ich vielleicht an dieser Robustheit noch arbeiten muss. Das hängt wohl mit meinem niedersächsischen Migrationshintergrund zusammen. I’ll do my very best 😉

(*) Dazu muss man wissen: Große Teile Schleswig-Holsteins waren früher dänisch und der dänische Einfluss ist bis heute, besonders im Norden, noch vielerorts vertreten.

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Meiers Rückblick 19/10 in 100 Sekunden

1. November 2019

Oktober: Satire kann man mögen, muss man aber nicht. Besonders, wenn man sie als solche nicht erkennt. Oft ist das Empfinden jedoch davon abhängig, wer Adressat der Verspottung ist. Der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich für viele jüngst die falsche Adressatin ausgesucht: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg. „Ich bin gespannt, was Greta macht, wenn es kalt wird. Heizen kann es ja wohl nicht sein“. Und so weiter. Das hat einen Shitstorm ausgelöst und weil scheinbar das mediale Interesse von der Resonanz auf Twitter bestimmt wird, hat Rudolf Ogiermann vom Münchener Merkur Nuhr interviewt. Nun ja, auf der Bühne zu meinen, dass Satire alles darf, ist das eine. Aber in einem seriösen Interview so weiter zu machen, Fakten sehr fragwürdig auszulegen und sich wie ein bockiges Kind zu verhalten, ist etwas anderes. Damit erfüllt er nun wirklich das Klischee des „alten weißes Mannes“, versehen mit dem Hinweis: „Wahrheit ist, dass ich noch nie mehr positive Rückmeldungen und mehr Publikum als heute hatte, und das freut mich sehr.“ Beim Lesen dieses Satzes musste ich an seinen Kollegen Erwin Pelzig und dessen vor Jahren gehalten Vortrag über „Die Mitte der Gesellschaft“ denken: Hier auf YouTube

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Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, die Nuhr angeblich zustimmt und ihm den Rücken stärkt? Oder ist es der rechte Rand unserer Gesellschaft, der den anthropogenen Treibhauseffekt leugnet? Und wo ich schon mal dabei bin: Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, die das „Judenthema zurücknehmen“ will und davon nichts mehr hören möchte, weil das „Hass schürt“? Ist es schon die Mitte der Gesellschaft, wenn das in einer Sendung wie Hart aber fair vom Moderator nur mit den Worten kommentiert wird: „Wir lassen das einfach mal stehen, das ist eine Zuschauerdiskussion mitten aus Deutschland“? Oder trifft der Rechtspopulismus in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden?

Ich weiß es nicht. Aber die Nuhr-Kollegen Max Uthoff und Claus von Wagner scheinen es zu wissen, zumindest haben sie es für nötig gehalten, in ihrer letzten „Anstalt“-Sendung (1. Okt.) Dieter Nuhr per Einblendung auf die Klima-Fakten hinzuweisen. Nun ja, Satire darf ja alles 😉

Ein Satz noch von unserem scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Junker zu Journalisten, als es neulich wieder mal um den Brexit ging: I talk to you in English. Everyone understands English. Only the British understands nobody more.“ Ich füge hinzu: Neben Johnson & Co. fallen mir derzeit viele Menschen ein, die ich nicht mehr verstehe: Bspw. die AfD-Wähler, die bei der dritten Ost-LTW in Folge die „Rechtspopulisten“ nach Brandenburg und Sachsen nun auch in Thüringen zu deutlich über 20 % verholfen haben:

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Das Klagen der Wirte

27. Oktober 2019

Harz im Oktober 2019. Zunächst ein Blick ins Lexikon: Der Wirt, das heißt so viel wie der Erweisende, also jemand, der uns etwas zukommen lässt. Wenn damit unsere Bedürfnisse befriedigt werden, nennen wir das Wirtschaft. Zum Beispiel Gastwirtschaft. Nur blöd, wenn niemand mehr da ist um sich etwas erweisen zu lassen und seine Bedürfnisse woanders befriedigt. Das musste auch der Wirt dieser Gastwirtschaft in Altenau erkennen. Bezahlt wurde hier zuletzt noch in DM. Seitdem steht der Laden leer und verkommt zur Bruchbude. Und das ist im (West)Harz leider kein Einzelfall, das ist die Normalität.

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[Bild vergrößern] Aber nicht nur Harzer Gastwirte klagen, weil die Kunden (Touristen) ausbleiben. Klagen gibt es bundesweit aus der Land-, Fischerei- und Forstwirtschaft. Alle möchten uns etwas erweisen, natürlich gegen Bezahlung, aber immerhin zur Befriedigung unserer Bedürfnisse, doch entweder werden sie vom Staat oder der Natur in ihrem Handeln reglementiert. Oder von beiden.

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[Bild vergrößern] Es ist noch nicht lange her, da standen an diesem Ort hohe Fichten in Reih und Glied. Nicht, weil die Natur sie so erschaffen hatte, sondern aus wirtschaftlichen Gründen von Menschenhand angepflanzt. Holz für unsere Bedürfnisse. Nach zwei zu trockenen Jahren und dem ein oder anderen Sturm sind die monokulturigen Fichten ein gefundenes Fressen für die Borkenkäfer geworden. Ergebnis: Wald tot. Die Touristen werden sich daran gewöhnen müssen. Im Nationalpark will man nun Natur Natur sein lassen und baut auf den natürlichen Wandel vom Wirtschafts– hin zum Naturmischwald. Das beklagen die privaten  Forstwirte. Sie haben Angst, dass sich so die Borkenkäfer auf ihre Wirtschaftswaldflächen ausbreiten können. Um dem vorzubeugen, werden die befallenen Bäume am Rande des Nationalparks (wie hier) gefällt und abtransportiert. Ob’s was nutzt?

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[Bild vergrößern] Ein Blick von Torfhaus (~ 800 m) auf den Brocken (1141,2 m). Deutlich sind die halbtoten und bereits abgestorbenen Fichtenkulturen in den unteren Regionen zu erkennen. Uns wurde erklärt, dass im Harz die natürliche Mischwaldgrenze bei ~ 800 m liegt und nur darüber, bis zur klimatisch bedingten Waldgrenze bei ~ 1000 m, die Fichten als heimisches Gehölz gelten. Diese Höhen soll der Borkenkäfer nicht so mögen. Und deshalb ist die von gesunden Fichten umgebene Brockenkuppe auch kahl. Ah ha!

Das noch zur Land- und Fischereiwirtschaft: Viele Landwirte klagen und protestieren aktuell gegen das Agrarpaket des Bundesregierung: Weniger düngen, mehr Insektenschutz. Die Landwirte wollen das – platt gesagt – genau anders rum. Und die Fischwirte klagen über die neuen Fangquoten, bspw. werden die erlaubten Fangmengen für Hering und Dorsch in der Ostsee deutlich gesenkt. Und warum das alles? Weil es dem Staat Spaß macht? Bestimmt nicht! Vielleicht liegt es an der Erkenntnis, dass nur ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen auch unsere zukünftigen Bedürfnisse befriedigen kann. Und über die mag sich jeder so seine Gedanken machen. Weniger ist manchmal – auf Dauer – mehr. Tote Wälder, durch Überdüngung verunreinigtes Grundwasser, Insektensterben und ein Rückgang der Fischbestände zeugen davon, dass unsere Natur nicht unendlich auszuquetschen ist. Wie an den Waldanblick im Harz sollten wir uns auch daran gewöhnen – sonst wird aus dem Klagen ein Aussterben der Wirte. Siehe Altenau.

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Alternative Fotoblog – ich bin dann mal weg

4. Oktober 2019

Das schöne an WordPress ist, dass Beiträge vorgeschrieben und die Veröffentlichungen geplant werden können. Ich saß nämlich heute um das hier zu schreiben gar nicht am PC, sondern bin schon seit zwei Tagen weg. Erstmal i. S. Job, danach zur Erholung davon im Harz. Und dann ist der Oktober schon bald vorbei. Ich weiß, dass das erstens wohl nicht besonders interessiert und zweitens kaum jemand bemerken würde. 😉
Darum schlage ich als Alternative einen Besuch auf den Seiten meines Fotoblogs -> KLICK vor. Da wird ausdrücklich nicht politisiert, das interessiert ja auch nicht jeden, dafür gibt es viel zu sehen. Tatsächlich habe ich es nämlich geschafft, meine Fotokiste aufzuräumen und die letzten Fehmarnbilder in drei Beiträge zu packen:

Fehmarn 2019 I/III | II/III | III/III | Fotoblog: Inhaltsverzeichnis

bis in drei, vier Wochen – und immer hübsch munter bleiben 705

 

Meiers Rückblick 19/09 in 100 Sekunden

1. Oktober 2019

September: 3 Ereignisse sind mir in Erinnerung geblieben und ich denke, sie werden uns medial noch lange verfolgen:

1. natürlich die Klimadebatte. Ich weiß, manch einer kann das nicht mehr hören, das geht auf den Keks. Nützt aber nix. Die Natur hat noch nie Rücksicht auf Einzelschicksale genommen. Und die Medien schon gar nicht. Das werden sie auch zukünftig nicht. Wenn sich nix tut, steigt der Meeresspiegel und vielleicht weicht bei den Klimaaktivisten der Idealismus von heute dem heiligen Zorn von morgen? Auch wenn es immer noch Leugner gibt, die den anthropogenen Treibhauseffekt nicht sehen wollen und alles für Hysterie halten, es gibt ihn und deshalb will unsere Regierung nun wirklich die selbst gesteckten Klimaziele erreichen. Sagt sie. Erfolg: fraglich. Wiedervorlage: monatlich.

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Die Ereignisse 2 und 3 sind unsere beiden mad boys. Der Donald und der Boris. Die beiden verhaltensoriginellen Jungs und Brüder im Geiste haben in den letzten Wochen für viel Furore gesorgt. Impeachment. Brexit. Nun ja, wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber lachen. Doch leider sind sie im Hauptberuf jeweils Chef eines sehr wichtigen Staates und viele Wirtschaftsbosse bewegen sich deswegen zwischen Hoffen und Bangen. Wiedervorlage: Solange sie (noch) im Amt sind.

Interessant finde ich dabei immer wieder, wie unterschiedlich Medien bzw. Journalisten ein und die selbe Realität interpretieren. Dieser Screen vom 14. September bezieht sich auf Nachrichten verschiedener Redaktionen zum selben Thema. Ist das noch die Freiheit der einzelnen Journalisten oder schon Framing der Verlage?

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Das Eis, die Meere und der Wald

27. September 2019

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11. September im Deutschen Bundestag, Zitat: “Sie ruinieren unser Land mit der absurden Idee, gleichzeitig aus Atomenergie und Kohleverstromung aussteigen zu können und zu einem fiktiven Datum in nicht allzu ferner Zukunft, typisch Planwirtschaft, das Land CO2-neutral zu machen. Muss man sich mal vorstellen. Das ist absolut grotesk und das ist ein ökonomischer und naturwissenschaftlicher Nonsens. Vorgeblicher Klimaschutz ist nichts anderes als ein monströses De-Industrialisierungsprogramm verbunden mit veritabler Arbeitsplatzvernichtung. Sie verschwenden Abermilliarden, um imaginierte Weltuntergänge in ferner Zukunft abzuwenden. Sie lassen sich von fragwürdigen Lobbyisten wie die Deutsche Umwelthilfe, aus meiner Sicht gehört diese Lobbyorganisation verboten, am Gängelband führen.”

Beides habe ich “zu 702” von einer Bekannten erhalten: Die Karikatur stammt aus der Feder von Gerhard Mester, gezeichnet 2013, sie soll auf Twitter die Runde machen (weshalb ich mir erlaube sie hier zu zeigen), und das Zitat stammt aus dem Mund der AfD-Fraktionsvorsitzenden Weidel, gerichtet an Kanzlerin Merkel, so nachzulesen im Stern.

Wenn die Ignoranz des anthropogenen Anteils am Klimawandel in der AfD bzw. bei den Rechtspopulisten nicht so traurig wäre, könnte ich einfach nur den Kopf schütteln und gut wär. Aber nee. Vorgestern hat der Weltklimarat – erneut – vor der Eisschmelze gewarnt. Ja, das tut er schon länger. Deshalb werden hier seit 10 Jahren alle Hochwasserschutz-Maßnahmen mit einem Klimazuschlag von 50 cm an der Nord- und 30 cm an der Ostsee versehen. Das macht das Land Schleswig-Holstein bestimmt nicht, weil es zu viel Geld hat. Im Gegenteil. Seit vorgestern wächst in der Kieler Landesregierung die Erkenntnis, dass das nicht ausreichen könnte. Grund ist die sich beschleunigende Eisschmelze. Die Eismassen an den Polen und der Gletscher schmelzen schneller als bisher angenommen und in Folge dessen steigt der Meeresspiegel immer schneller. Aktuell 1 cm in knapp 3 Jahren. Das klingt nicht nach viel, aber die Tendenz ist deutlich steigend. So wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts ein Anstieg von 60 bis 110 cm prognostiziert, sollte der Erderwärmung nicht schleunigst Einhalt geboten werden. Ich werde das nicht mehr erleben. “Nach mir die Sintflut?” Nee! Ich denke auch an die Kinder von heute.

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Aber es ist nicht nur der steigende Meeresspiegel. Unser gesamtes Öko-System verändert sich. Wer offenen Auges durch die Natur geht, der sieht das. Jeder Landwirt und Waldbesitzer merkt das, weil es an das eigene Portemonnaie geht. Nach dem Dürrejahr 2018 haben die deutschen Landwirte hohe Finanzhilfen erhalten, vorgestern wurde für die Waldbesitzer ein großes Hilfepaket geschnürt: Alles zusammen über 1 Milliarde Euro. Plus Hochwasserschutz, plus Schäden durch vermehrt vorkommende Naturereignisse, plus, plus:  Es sind Milliarden Euro, die allein uns Deutschen die Klimaveränderung in den letzten Jahren gekostet hat. Es werden nicht Abermilliarden verschwendet, sondern damit wird auf die Umstände reagiert. Und jeder heute nachhaltig investierte Euro ist eine kluge, sinnvolle Investition. Absolut grotesk ist, was die Klimawandel-Leugner, die Rechtspopulisten, dazu verbal absondern.

Wir alle können etwas dafür tun, dass unsere Deiche nicht nach und nach noch weiter erhöht werden müssen. Aber jetzt, nicht vielleicht morgen.

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Die mächtigste Frau der Welt …

25. September 2019

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Start spreading the news, I’m leaving today. I want to be a part of it – New York, New York. Bekannt wurde der Song durch Frank Sinatra. Lang, lang ist’s her. Und New York heute? Welche News gilt es heute aus der Stadt an der amerikanischen Ostküste zu verbreiten?

UN oder UNO. Die Vereinten Nationen. Die haben ihren Sitz in New York und ab und zu treffen sich dort die Mächtigen der Welt. Also hauptsächlich Politiker. Und aktuell haben sie sich dort getroffen, um einen Klimagipfel abzuhalten. Geredet haben sie viel – und versprochen. Reden durfte auch die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. 16 Jahre ist sie alt. Und man kann es drehen wie man will, aber in Sachen Klimaschutz hat sie in einem Jahr mehr erreicht als alle warnenden Wissenschaftler und halbherzigen Politiker in den letzten Jahrzehnten zusammen: Der Klimaschutz ist weltweit im Bewusstsein so vieler Menschen angekommen und dadurch wird der Druck auf die Politik immer größer. So wird von der diesjährigen UN-Vollversammlung besonders eines in Erinnerung bleiben: Die sehr emotionale und anklagende Rede der jungen Klimaschützerin – die Bild-Zeitung nennt es eine “seltsame Wutrede” – ebenfalls verbunden mit einem Versprechen:
“Der Wandel kommt, ob es euch gefällt oder nicht!”

CO2-Entwicklung-Deutschland-2019bJa, ein Wandel wird kommen. So oder so. Wie ich das behaupten kann? Weil es unverhandelbare Naturgesetzmäßigkeiten gibt. Ich glaube den 99 Prozent der Wissenschaftler, die von einem anthropogenen Treibhauseffekt sprechen. Wie groß der auch immer sein mag. Ich glaube daran, dass das Pariser Klimaabkommen Schlimmeres verhindern könnte – so sich denn alle daran halten würden. Mit Blick auf die Grafik links und das jüngst halbherzig beschlossene Klimapäckchen unserer Regierung habe ich allerdings Zweifel, ob Deutschland den nötige Beitrag dazu leisten wird. Ich sag’ mal: “Das Vorhaben ist sehr ambitioniert.” Salopp ausgedrückt: „Entweder wir wandeln uns in unserem Verhalten oder die Natur wandelt sich mehr als uns jemals lieb sein kann!“ 

Eins noch: Jetzt bitte nicht reflexartig auf die Chinesen zeigen. Der Chinese verursacht Pi mal Daumen so viel CO2 wie der Europäer. Aber in Europa sind wir Deutschen die größten Emittenten (siehe „Schimpansen-Test“ Frage 3) und nach allem was zu lesen ist, wird China seine Zusagen gemäß des Pariser Abkommens einhalten – die USA / Trump hingegen haben es aufgekündigt. Und so wie so: Das Fehlverhalten anderer darf nicht das eigene Handeln rechtfertigen! Besser ist, mit gutem Beispiel voran zu gehen.
Bundeskanzlerin Merkel galt einmal als die mächtigste Frau der Welt – weil sie Entscheidungen mit Tragweite getroffen und durchgesetzt hat. Heute sagt man ihr „politische Mutlosigkeit“ nach. Mächtig sieht anders aus.

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