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Gulasch wie von „Omma“

14. April 2019

Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Ein gutes Essen um so mehr. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Essen gehen und schnell für zwei Personen über 50 Euro ausgeben – oder selber kochen. Letzteres mache ich ab und zu gerne und das ist dazu viel günstiger als ersteres.

[678] Gulasch nach Oma -190402 (1b)

Neulich hatte ich Besuch und mir war mal wieder nach Gulasch – und zwar so, wie ich es von “Omma” kenne:
          OHNE ANBRATEN!
Mit dem Anbraten ist das ja so eine Sache: Es spritzt, um so mehr bei billigem Discounter-Fleisch, und nachher würde ich mehr Zeit zum Putzen als vorher zum Kochen benötigen. NEE, dazu habe ich null Lust! Bei größeren Mengen, bspw. in einem Ferienlager, hat man auch schlecht die Möglichkeit bzw. Zeit, kiloweise Fleisch vorher anzubraten. Also ohne und das klappt gut:

Rezept für vier gute Portionen, also inklusive vorher ordentlich probieren und nachher noch einen Rest für einen Snack zu haben:
Mann (oder Frau) würfele 4 große Zwiebeln (Tipp: Wer dabei Wasser im Mund hat, dem tränen nicht die Augen), 1 gutes Stück Knollensellerie und 2 bis 3 Möhren, erhitze 2 EL Butterschmalz und brate die Zutaten darin kräftig an. 2 EL Tomatenmark, bei mir plus ordentlich Paprika edelsüß und scharf (je etwa 1 TL), dazugeben und bis zu einer homogenen Masse scharf andünsten. Dann mit 1 Liter ablöschen: Ich nehme dazu eine Flasche Rotwein plus 300 ml Rinderbrühe. Natürlich funktioniert es auch ohne Wein, nur mit (Rinder)Brühe. (Tipp: Wer nur Brühe nimmt kann wegen der fehlenden Rotwein-Säure ein bisschen Balsamico hinzufügen). Das alles zum Kochen bringen.
Nun 1 kg gewürfeltes Rindfleisch dazugeben, wieder aufkochen und dann bei kleiner Hitze etwa 2 Stunden köcheln lassen. Vorzugsweise mit 2, 3 Lorbeerblättern drin, die später wieder rausgefischt werden, ggf. mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig!
Durch das Gemüse ist die Soße normalerweise gut sämig. Wem sie dennoch zu dünn ist, vielleicht weil das (billige) Fleisch zu viel Wasser enthalten hat und/oder Scheiben-Sellerie aus dem Glas genommen wurde, kann sie nach belieben anbinden (1 EL in Wasser aufgelöstes Stärkemehl – oder einfach fertigen Soßenbinder). Weiter sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: So eine halbe Stunde vor dem Ende der Köchelzeit können bspw. Paprikastücke, Knoblauch, und/oder Sahne hinzugefügt werden. Dazu geht alles: Kartoffeln, Knödel, Nudeln. So wie es jeder mag.

Das Rezept heißt bei mir “wie von Omma”, weil ich es a) von zuhause her so kenne und b) die Zutaten früher in jedem Hausgarten wuchsen, den Rest gab es beim Dorfschlachter. Das Gericht eignet sich zum Vorkochen und am nächsten Tag, wieder aufgewärmt, schmeckt es mir noch besser als gleich serviert.

So, nun wünsche ich allen meinen Lesern und Leserinnen eine schöne Osterzeit

– hier wird die Bude mit Besuch voll sein – und ich muss zu Ostern kochen. Was es gibt? Siehe oben, davon die doppelte Portion 😉

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Reichsoberbedenkenträger

9. April 2019

Fridayforfuture-Forderungen

Es war Anfang der 90er Jahre – also vor über 25 Jahren. Irgend eine Sitzung und um was es ging, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich jedoch noch gut, wie ein junger Juso, zu der Zeit war er wohl der Braunschweiger Juso-Bezirksvorsitzende, in einem plakativen Redebeitrag Forderungen aufstellte und ich ihm widersprach. Gar nicht mal in der Sache, sondern im Stile wie es mein Großvater mir eingebläut hatte: “Bedenke, jede Medaille hat ihre zwei Seiten!” Worte sind das eine, die Umsetzung das andere. Nach ein paar Jahren in Amt und Würden wusste ich sehr wohl, dass wir für die Umsetzung noch so guter Forderungen nicht nur Mehrheiten benötigen, sondern bisweilen auch die erforderlichen Finanzmittel. Heute nennen wir das Realpolitik. Damals wurden meine Argumente von dem Juso mit einem Wort abgebügelt: “Reichsoberbedenkenträger!” Der damalige Jungsozialist heißt Hubertus Heil und ist heute unser Bundesminister für Arbeit und Soziales. Heute weiß er, was (u. a.) ich damals erklärt habe.

An diese Geschichte musste ich gestern denken, als in den Nachrichten über die Forderungen der #FridaysForFuture-Bewegung berichtet wurde. So sehr wie ich den jungen Leuten in der Sache recht gebe, so sehr bezweifele ich die rasche Umsetzbarkeit ihrer Forderungen. Da bin ich wieder der “Reichsoberbedenkenträger”. Warum? Nur um 2 Punkte zu nennen:

  • In dem Papier heißt es: “Die Verwirklichung dieser Forderungen muss sozial verträglich gestaltet werden …. Diesbezüglich müssen Regierungen entsprechende Konzepte vorlegen.” Genau das ist die Krux: Sozialverträgliche Konzepte. Wenn ich mir die Auswirkungen vorstelle, bin ich über jede konstruktive Hilfestellung der Klimaschützer dankbar, wie diese innerhalb des geforderten Zeitraums sozialverträglich gestaltet werden können. Momentan sehe ich eher eine Überforderung des Staates damit.
  • Weiter heißt es: “Der Staat muss seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt und nachfolgenden Generationen i. S. v. Art. 20a GG und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gerecht werden.” Ja, auch das klingt gut und ist zu unterschreiben. Aber: Ich erinnere mich gelernt zu haben, dass der Staat wir alle sind. Nicht nur die Politik bzw. Regierung. Wir alle sind in der Verantwortung und können/sollten auch etwas tun: Jeder von uns kann/sollte versuchen seinen eigenen persönlichen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Nur nach dem Staat, sprich nach der Politik zu rufen, hat so etwas wie wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich haben die jungen Klimaschützer recht, genau wie die der IPCC und allen anderen NGOs. Sinnbildlich gesprochen fährt die Menschheit sehenden Auges gegen die Wand. Noch wäre Zeit abzubremsen, aber wir tun es nicht. Warum nicht? Weil uns der persönliche Hedonismus, um im Bild zu bleiben, der Rausch der Geschwindigkeit, wichtiger ist als das, was kommen wird. Schlimmer noch: Die meisten Menschen hoffen mit ihrer Schwarmintelligenz, dass es nicht so schlimm werden wird. Die Schriftstellerin Leona Siebenschön schrieb 1970, vor fast 50 Jahren: “Es dämmert der Verdacht, daß der ‘point of no return’ auf dem ‘selbstmörderischen Kurs’ zur Selbstzerstörung und Umweltverheerung mit den Mitteln der Wissenschaft allein nicht mehr zu vermeiden ist.” Stimmt. Wir leben in Absurdistan. Und was damals als “point of no return” bezeichnet wurde, heißt heute “Kipppunkt des Klimas”. Aber beides gehören zu den Absurditäten des Lebens und ich sehe – leider – keine realpolitische Chance, in der nächsten Zeit daran etwas zu ändern. Ich irre mich gerne: Im nächsten Monat sind Europawahlen …!

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Der THW Kiel, der FC Bayern München unter den Handballern

8. April 2019

THW-Pokalsieger-190407

Der “Echte Norden” hat es mehr mit dem Handball. Kein Wunder, denn unsere skandinavischen Nachbarn zählen zu den internationalen Handball-Größen. Fußball wird zwar auch gespielt, aber erfolgreicher sind die Handballer. In Skandinavien wie auch bei uns in Schleswig-Holstein. So gilt der THW Kiel als der FC Bayern München unter den Handballvereinen. Die letzte Meisterschaft der Kieler (die 20. 2015) liegt zwar schon 4 Jahre zurück, gestern wurde jedoch der 11. DHB-Pokal-Sieg gefeiert. GLÜCKWUNSCH THW!
Damit nicht genug: Vielleicht ist daneben die SG Flensburg-Handewitt im Handball so etwas wie der BVB Dortmund im Fußball. Immerhin stehen die Flensburger in diesem Jahr vor ihrer 3. Meisterschaft (2. in Folge) und die Kieler werden aller Voraussicht nach nur Vizemeister. Wie bei den Fußballern hat es zwischen diesen beiden Vereinen auch schon mal ein Champions-League-Finale gegeben, 2007, die Kieler gewannen knapp – so wie die Bayern 2013 gegen die Dortmunder. Trotz alledem findet der Handball in Deutschland nicht die mediale Beachtung wie der Fußball – vielleicht zum Glück – denn …

FCB-BVB-5-0-190406… Deutschland ist eine Fußball-Nation. Gefühlt ist mindestens jeder zweite Deutsche ein ach so kompetenter Fußball-Trainer, der nachher besser weiß, was die amtierenden Trainer vorher falsch gemacht haben. Samstag war wieder so ein Tag: Der FC Bayern München gewinnt zuhause gegen den Tabellenführer BVB Dortmund mit 5 : 0 und wer hat Schuld? Der Trainer! Das war sofort zu hören und zu lesen. Bei dieser medialen Einigkeit hat das sogar Borussia-Trainer Lucien Favre zugegeben, allerdings mit einem sarkastischen Unterton. Der unter Dauerdruck stehende Bayern-Trainer Nico Kovac machte sich bei der Pressekonferenz dann auch Luft: “Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht. Das ist bei uns Trainern so. Ob das so sein muss, stelle ich mal infrage.” Ob Kovac das so gemeint wie gesagt hat, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich, da gebe ich ihm absolut recht: “… wir müssen mal wieder klarkommen mit unserem Leben. Das ist nicht in Ordnung, was hier abgeht.” Nur gut, dass es im Handball solcher Sprüche nicht bedarf!

Meine Bauchgefühl-Prognose: Um bei den Gleichnissen THW – FCB und SGF – BVB zu bleiben, wird der BVB (trotz der Klatsche in München) wie die SGF Meister und dem FCB bleibt wie dem THW nur die Vizemeisterschaft. Dafür gewinnt der FCB wie der THW (vielleicht) den Pokal. Noch eins sagt mir mein Bauch: So wie THW-Trainer Gislason zum Saisonende (auf eigenen Wunsch) Kiel verlässt, wird Kovac München verlassen (müssen). FCB-Klubboss Rummenigge: “Es gibt keine Jobgarantie für niemanden bei Bayern München.” Das mag besonders für Trainer gelten, die “nichts richtig und alles falsch” machen 😉

Bilderquelle: Twitter 676

Aufgemerkt

7. April 2019

Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich  war eine Sendung mit Frank-Markus Barwasser in seiner Rolle als Erwin Pelzig, in der er mit Gästen überspitzt über Alltägliches sprach. Lang ist’s her. Aber wer mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht, für den gibt es viele Aufgemerkt-Momente:

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Ein Ausschnitt aus einem Testbericht über ein neues Auto. Das Fahrzeug gefällt mir, aber wer kann mir bitte erklären, was die mittlere von zwei Ausstattungslinien ist? Das erinnert mich an ein Schild in der Küche meiner Tochter:

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Das sind die wahren Fragen des Lebens! Was nützt ein abgeschlossenes Studium mit einem Master in Sonst wie was, wenn die wichtigen Antworten des einfachen Lebens so weit entfernt sind, wie der Mond von der Erde. Oder Deutschland von der Erreichung der selbstgesteckten Klimaziele.

Apropos Klimaziele: Bei der jüngst vom UBA veröffentlichten Klimabilanz hat es einen Rechenfehler gegeben: Tatsächlich ist die Bilanz besser. Bezogen auf das Referenzjahr 1990 liegt Deutschland nun bei einem Rückgang von 30,8 und nicht bei 30,6 Prozent. Allerdings bleibt das Ziel für 2020, minus 40 Prozent, illusorisch. Maßgeblich deshalb, weil sich die Emissionen im Verkehrssektor seit 1990 auf hohem Niveau so gut wie nicht verändert haben. Warum wohl nicht?

Halleluja könnten wir bei solchen Meldungen täglich ausrufen. Entweder vor Freude und Erleichterung – oder in einem Anfall von Sarkasmus.

[675] Hallojulia-190316-01bAlternativ: Halleluja von Leonard Cohen aus dem Lautsprecher. So wie neulich. Mein Enkelkind spielt auf meiner Gitarre dazu und singt “Hallo Julia, hallo Julia!” und erklärt mir danach: “Ich heite aba nich Julia, ich heite Le…!” Köstlich 😉

Na ja, neben all dem was uns täglich vermeintlich ach so wichtig präsentiert wird, sind es doch manchmal die Kleinigkeiten, die einen schmunzeln lassen:

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Gesehen vor Tagen in einem Warteraum einer großen Lübecker Klinik an einem Briefkasten für Patientenfragebögen. Nun gut, Fehler passieren. Peinlich empfinde ich allerdings den Hinweis auf einem Bildschirm daneben: Windows ist kein Originalprodukt.

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Hoffentlich sind die Ärzte frei von Fehlern und verwenden nur Originalprodukte. Den Rest verbuche ich unter Pillepalle 😉

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#1APRIL: Scheuer verkündet #Tempolimit

1. April 2019

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: Ein Tweet vor einer Woche von dem @AndiScheuer, unserem Minister für Verkehrspolemik.

Seine Ministerialbeamten haben ihm danach eine Analogie zum Tempolimit erklärt. “In ganz Europa gibt es Tempolimits. Klar ist, nicht alle Autofahrer sind Raser. Klar ist auch: Tempolimits schützen vor schweren Unfällen und retten Leben!” Aus gut informierten Kreisen war zu erfahren, dass der Minister heute ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen verkünden wird: #TempolimitRettetLeben:

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Noch Fragen? 😉

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Das ist doch alles gesteuert …

27. März 2019

Als ich gestern Abend die Berichterstattung über die EU-Urheberrechtsreform im Fernsehen sah, musste ich an einen alten Kollegen denken. Wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen passierte, dann war “alles vom Osten gesteuert”. Ich muss dazu erklären, dass der Kollege in seinem ersten Berufsleben bei der Bundeswehr war und wir in den 80ern, also in Zeiten des Kalten Krieges, miteinander zu tun hatten. “Das ist doch alles vom Osten gesteuert” war natürlich nur eine humoristische Metapher und die bequemste Art, einen Schuldigen zu benennen. Allerdings war ich für ihn in dem Moment auch “vom Osten gesteuert”, als er von meiner ersten Teilnahme an einer Friedensdemo erfuhr. Humorvoll war das nicht gemeint.

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Und heute? Fast 40 Jahre später? Wieder gehen europaweit hunderttausende junge Menschen auf die Straßen und demonstrieren. Sie opponieren gegen den von Menschen verursachten Klimawandel und gegen eine vermeintliche Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet. Und wieder gibt es diffamierende Stimmen die behaupten, die jungen Leute seien gesteuert oder gekauft – von radikalen Umweltaktivisten aus dem Dunstkreis von Greenpeace & Co., aus dem Silicon Valley von Google & Co., vielleicht auch aus dem Osten, allein um hier für Unruhe zu sorgen. HALLO?

Tweet-Snowden-190326Ich will mich an dieser Stelle gar nicht mit den Argumenten Für und Wider auseinandersetzen. Let it be! Ich schaue einfach mal knapp 40 Jahre zurück:

Aus den Reihen der Friedens-Aktivisten hat sich damals eine politische Bewegung entwickelt, ohne die heute in der BUNTEN REPUBLIK DEUTSCHLAND nichts mehr geht: Die Grünen. Bisweilen wird der damalige Kanzler Schmidt wegen seiner Atomkraft-Politik und dem Nato-Doppelbeschluss auch als Gründungsvater der Grünen bezeichnet – genau so wie Kanzler Schröder wegen seiner umstrittenen Agenda 2010 als Gründungsvater der Linken gilt und Kanzlerin Merkel wegen ihrer humanistischen Flüchtlingspolitik als Gründungsvatermutter der AfD. Diese aus dem Protest entstandenen Parteien haben heute zusammen ein Wählerpotenzial von Pi mal Daumen 40 Prozent. Tendenz? Keine Ahnung.

#Article13-EU-190326 (2)Aber Klimaschutz und Netzpolitik haben Gemeinsamkeiten: Die verantwortlichen (alten) GroKo-Politiker tun nicht das, was sie aus der Sicht vieler (jungen) Wähler tun sollten. Um zu sehen, wie deutsche EU-Parlamentarier gestern abgestimmt haben, bitte auf das Bild klicken. Ob und wer von wem in welchem Ausmaß gesteuert wird, ist beinahe egal. Lobbyisten gibt es überall und die Interessen sind vielfältig. Wichtig ist die Europawahl am 26. Mai. Dann werden wir erfahren, ob Klimaschutz, Netzpolitik und der Aufruf #NieMehrCDU das Wahlergebnis erheblich beeinflusst haben – oder ob die Social-Media-Aufreger nur so etwas wie ein (gesteuerter) Sturm im Wasserglas ist.
Wiedervorlage 27. Mai 2019 😉

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Let it be

26. März 2019

Letitbe_single

Ich bin mal wieder unterwegs. Irgendwo auf der A7 auf dem Weg nachhause. Bei der Suche nach einem Radiosender mit gefälliger Mucke bleibe ich bei Let it be hängen. Aber zu früh gefreut: Nach den ersten Akkorden ertönt eine pastorale Stimme und erzählt, dass Paul McCartney das Lied in einer schwierigen Zeit Ende der 60er geschrieben habe. Eines Nachts sei ihm seine Mutter im Traum erschienen [mother mary comes to me] und habe ihm geraten, sich nicht unnötige Gedanken zu machen [let it be], dann würde alles gut werden. Der Sprecher hat das sehr euphemistisch ausgedrückt. McCartney hat später selbst erklärt, dass er in der Zeit wegen der vielen Drogen ziemlich paranoid war.

Egal, ohne diese mccartneyische Bewusstseinserweiterung wäre das Lied sicher nie geschrieben worden und der pastorale Radiosprecher hätte sich etwas anderes überlegen müssen. Aber hat er nicht recht? Wenn ich mir allein dieser Tage die Nachrichtenseiten so anschaue, dann sind die Informationen als solche sicher das eine, aber die vielen Kommentare dazu häufig flüssiger als Wasser, nämlich überflüssig. Gefühlt ist die halbe Nation mal wieder Fußball-Bundestrainer und die andere Hälfte teilt sich auf in Polit- bzw. Wirtschaftsexperten und Gesellschaftskritikern. Das ist natürlich übertrieben, trotzdem:

Statt wörtlich „Lass es sein“ übersetzt Google so: „Kümmer dich nicht drum“. Toll 😉

Anderseits: Wenn sich niemand mehr um nichts kümmern würde, wäre das auch fatal. Nein, es gibt absolut Wichtiges, für das es sich einzusetzen lohnt: Für das Klima, gegen Extremisten, usw.. Aber Kaffeesatzlesereien über den Brexit, Empörungen über die Trennung der Goldschalks, oder wie die heißen, und Aufstellungen bei den Fußballern, gehören – für mich – nicht so unbedingt dazu. Dann möchte ich manchmal laut rufen: “Let it be!”

Das sog. „Gelassenheitsgebet“ (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

In seinem letzten Fernseh-Interview hat Altkanzler Helmut Schmidt das sog. „Gelassenheitsgebet“ als seine Maxime zitiert. Ja, wenn wir doch alle so weise wären, das Wichtige und Nötige vom Unwichtigen und Unnötigen unterscheiden zu können …?!

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