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Wenn … ich eine dänische Brille aufhätte

26. Juni 2019

Ab und zu besuche ich unsere nördlichen Nachbarn. In diesem Juni habe ich nach langer Abstinenz sogar mal wieder den Urlaub dort verbracht. Mich fasziniert immer wieder, dass gefühlt jedes zweite Haus mit einer dänischen Flagge geschmückt ist. Das stelle man sich mal in Deutschland vor …. Nein, die Dänen sind nicht nur hyggelig, sie sind auch stolz. Stolz auf ihr Land,  auf ihre sozialen Errungenschaften und auf ihr Königshaus. Und das zu Recht! Ich erlaube mir nun mal eine Betrachtung durch die dänische Brille:

[689] 20190615-801-FähreWenn … ich auch so gut wie kein dänisch kann, dieses Bild – gefunden vor 2 Wochen in einer dänischen Zeitschrift – spricht für sich: Bildkommentar einer 14-jährigen an die Erwachsenenwelt. Dazu muss man wissen, dass in Dänemark nicht nur am 26. Mai die Europawahl stattfand, sondern 10 Tage später (5. Juni) auch ein neues Parlament gewählt wurde. Und das Klima-Thema spielt auch in Dänemark eine bedeutende Rolle – länger als bei uns in Deutschland! (Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

Wenn … ich vergleiche, was in deutschen Medien über diese beiden Wahlen und was in Dänemark selbst darüber zu lesen war, dann zeugt das bei vielen deutschen Journalisten von viel Unwissen über die dänische Gesellschaft im Allgemeinen und der Politiklandschaft im Besonderen.

Wenn … der deutsche Wähler ebenso pragmatisch seine Kreuze (*) machen würde wie der dänische und wenn die deutschen Parteien ebenso pragmatisch damit umgehen würden wie die dänischen, dann wäre uns wahrscheinlich wenigstens die aktuelle leidige GroKo erspart geblieben. (*) Bei der EU-Wahl wurde die konservativ-liberale Venske Parti und bei der Parlamentswahl 10 Tage später die Socialdemokraterne stärkste Partei. So what, na und? Die einen können vielleicht besser EU und die anderen sind vielleicht besser für Dänemark.

Wenn … auch der letzte CDU-Politiker kapieren würde, dass “die AfD eine Partei ist, die zumindest in Teilen oder mit Repräsentanten keine klare Linie zu Rechtsextremismus und Rechtsradikalen zieht” (Zitat AKK), dann wäre das gut und ein Sieg der Demokratie. Rechts vs. rechts: Bei der AfD sind die Grenzen zwischen dem neo-konservativen – und dem rechtsextremistischen Flügel fließend. Und solange das so ist, gilt der Worst Case …. Was das mit Dänemark zu tun hat? Weil die dänische rechtspopulistische Dansk Folkeparti nicht unbedingt mit der AfD in einem Satz genannt werden möchte, denn deren radikaler Umgang, bspw. mit dem Antisemitismus oder Rassismus, werden von den dänischen Rechtspopulisten offiziell nicht geteilt.

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Wenn … ich doch nur ein bisschen besser dänisch könnte, dann könnte ich das lesen 😉

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Sieben Tage vor dem Siebenschläfer

20. Juni 2019

Melde mich aus dem Urlaub zurück. Wie versprochen. Kurzzeitig. Bis zu meinem alljährlichen Sommerloch.

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Zwischendurch gab es ja ganz schön dunkle Wolken, nicht nur meteorologisch so wie gestern – Unwetterwarnung inklusive. Als Nachrichten-Junkie (sagt mein Freund S. immer zu mir) habe ich – mal wieder – festgestellt, dass es auch ohne geht. Ok ich gebe zu, meine DLF-App habe ich besonders im Ausland schon genutzt. So ganz ohne zu wissen, was passiert, nee, das geht bei mir doch nicht.

Zurück zum Siebenschläfer, dem 27. Juni: “Wie das Wetter am Siebenschläfertag, es weitere sieben Wochen bleiben mag.” Das ist natürlich Quatsch. Zumal diese uralte Bauernregel aus der Zeit vor dem Gregorianischen Kalender stammt und genau genommen der Siebenschläfertag heute auf den 7. Juli fallen würde. Aber: Beobachtungen zeigen, dass eine Wetterlage, die sich Ende Juni / Anfang Juli stabil gibt, eine große Erhaltungsneigung für den Juli / August hat. Aus meiner Alten Heimat (Nds) kenne ich von den Bauern, dass das in zwei von drei Fällen zutreffen soll. In meiner Neuen Heimat (SH) spricht man eher von fiftyfifty – kräht der Hahn oben auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist – und im Süden soll es eine Dreiviertel-Wahrscheinlichkeit geben. Nun denn, warten wir es ab. Für eine Prognose – extreme Hitzewelle möglich – Intensität und Dauer aber offen – sorgte gestern  kachelmannwetter.com:

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In einem Tweet von heute Morgen gab’s ein Update:

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“Höhepunkt am Donnerstag …” – oh ha, Donnerstag ist der 27. Juni … 😉 Aber bis dahin sind es noch sieben Tage – und sicher ist bisher nur, dass noch nichts sicher ist. Und bitte immer hübsch einen kühlen Kopf bewahren 😉

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Hyperventilierende Schnappatmung

1. Juni 2019

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– Satire an –

Hyperventilierende Schnappatmung, gibt es die überhaupt? Ich bin mir nicht sicher. Jedenfalls fällt mir das gerade beim Lesen einiger Reaktionen zum EU-Wahlausgang und zu dem Video des YouTubers Rezo – “die Zerstörung der CDU” – ein. Damit meine ich nicht die hilflos-dämliche Empörung der CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, ja auch, aber dazu habe ich mich bereits am Mittwoch ausgelassen. Nein, ich meine die CDU-Leute aus der zweiten und dritten Reihe und die AfD.

Gut, es ist natürlich ein Unding, neudeutsch No-Go, wenn besonders die jungen Leute via Internet den Klimaschutz – #FridaysForFuture – und ein freies Internet – #Article13 – einfach als Hauptthemen bestimmen, digital verbreiten und dann noch dazu aufrufen, NICHT die Parteien zu wählen, die für sie die falsche Politik dazu machen. Wie respektlos! Dabei steht doch im Grundgesetz:

„Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“
Artikel 21 Absatz 1 Satz 1 Grundgesetz

Aber ! Die jungen Leute habe ihren eigenen politischen Willen entwickelt, haben sich auf digitalen Pfaden von dem analogen Monopol der Alten entfernt! Welch Affront, eine Emanzipation ohne Mitwirkung der regierenden Volks-Parteien (CDU/CSU&sPD-GroKo) und der selbsternannten Alternativ-Partei (AfD). So geht das doch nicht! Und warum überhaupt? Bisher war auf die politische Verdrossenheit der jungen Leute stets Verlass und deshalb mussten sich die Regierenden nicht um sie kümmern. Nun ist es wie es ist, aber überlegt doch bitte mal:

“Was wären wir Bundesbürger in einer Gesellschaft von Faulpelzen, Kriminellen, Wirtschaftsflüchtlingen und Terroristen ohne die ordnenden Hände der regierenden Volks-Parteien oder der selbsternannten Alternativ-Partei, die das Volk zurückholen will – von woher und wohin auch immer? Wir wären nur noch lecke Boote im Ozean der Anarchie – dem Untergang geweiht wie viele Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Statt diese Parteien zu wählen, verwirrt ihr sie mit Fakten und beschimpft sie als analoge Schlafmützen, Wichtig-aber-Nichtstuer und arrogante Vollpfosten.” 

So liebe Leute, nun habt wir das Malheur: Ohne die Grünen und Liberalen geht im neuen EU-Parlament nichts mehr – die bisherige EU-GroKo aus Christ- und Sozialdemokraten hat im neuen EU-Parlament keine Mehrheit mehr. Wenn deshalb unser deutscher Spitzenpolitiker Manfred Weber (CSU/EVP) nicht neuer EU-Kommissionschef wird, dann haben die NICHT-CDU/CSU-sPD-Wähler das verbockt. Oder ist euch die Dänin Margrethe Vestager von den Liberalen lieber, nur weil sie als EU-Wettbewerbs-Kommissarin Apple, Google u. a. allein in den letzten Jahren über 20 Mrd. (20.000 Mio.) Euro wg. diverser Marktvergehen abgeknöpft hat? Dann fragt euch bitte: Selbst wenn ihr auf Apple verzichten könnt, aber auf Google? Gut, dieser US-Digital-Konzern entspricht einer Diktatur der Transparenz und es ist schon blöd, wenn er Algorithmen über unser Leben bestimmen lässt – aber das ist eben der Preis, um nicht selber denken zu müssen. Google sagt schon, wo es lang geht. Wer will das ändern? Darüber denkt mal nach! Und bitte nun keine überherzlichen Danksagungen, diese Zeilen gehören zu meinem Service 😉

– Satire aus –

blogpause-bIch bin dann mal weg. Urlaub. Insel. Gutgehen lassen 😉 Wir lesen uns in ein paar Wochen wieder. Spätestens zum Siebenschläfer – dann schauen wir mal, was uns nach der Bauernregel der Sommer bringen wird. Und der Zeitgeist, egal ob auf analogem oder digitalem Wege – und was dann zur „hyperventilierenden Schnappatmung“ taugt 😉

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AKK – eine schlechte Verliererin

29. Mai 2019

Ich lese diese Überschrift: Annegret Kramp-Karrenbauer ist empört, weil plötzlich jeder seine Meinung sagen darf, ohne die CDU zu fragen.

Erst denke ich an Satire, habe den Postillon im Verdacht. So wie “Parteienforscher warnt: Nächste Hitzewelle könnte Union nochmal 5% Wählerstimmen kosten”  (Dank an @giskoe für den Link). Das klingt zwar makaber, aber na ja, stimmt schon irgendwie, nur habe ich es moderater ausgedrückt. Aber Satire darf bekanntlich alles …

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  • … die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer (AKK) hingegen nicht, denn sie ist keine Satirikerin sondern eine Politikerin. Deshalb sollte sie sich schon genau überlegen, was sie sagt. Das scheint ihr bisweilen nicht so zu liegen, ich erinnere nur ihren Fauxpas zur Faschingszeit. Oder sie zeigt wiederholt ihre wahre Gesinnung:

Bei einer Pressekonferenz vorgestern nahm AKK Stellung zu dem Video des YouTubers Rezo: “Was wäre eigentlich in diesem Lande los, wenn eine Reihe von, sagen wir, 70 Zeitungsredaktionen zwei Tage vor der Wahl erklärt hätten, wir machen einen gemeinsamen Aufruf: Wählt bitte nicht CDU und SPD. Das wäre klare Meinungsmache vor der Wahl gewesen.” Usw., den Rest erspare ich mir hier. Ähm ja, hallo? Wir haben juste 70 Jahre Grundgesetz gefeiert, da steht etwas vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit drin! Logischerweise erntet AKK nun Kritik von allen Seiten. Sogar eine Online-Petition gegen eine Zensur der Meinungsfreiheit wurde gestartet – Stand aktuell gg. 11:30 Uhr mit knapp 60.000 Unterschriften. Jetzt wird AKK von ihren Leuten in Schutz genommen, dass doch alles nicht so gemeint war und natürlich jeder in der CDU die Meinungsfreiheit respektiert.

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Nein, so nicht! AKK ist eine schlechte Verliererin, die die Schuld für die Wahlniederlage überall in der digitalen Welt sucht, nur nicht in ihrem analogen Tiefschlaf selbst. Und ganz ehrlich: Glaubt etwa jemand, dass dieses Video den Wahlausgang maßgeblich beeinflusst hat? NÖ! Denn gerade die Jüngeren hätten so wie so nicht CDU oder SPD gewählt, weil sie nämlich mit deren Politik in der GroKo nicht einverstanden sind. Und das dürfen sie laut über alle Kanäle sagen – genau so laut wie sie sagen dürfen, nicht die AfD zu wählen. Punkt!

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3 Erkenntnisse

28. Mai 2019

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Erkenntnis Nr. 1 – oder “Murphys Gesetz”: Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Oder kaputt. Wie die Kupplung meines Autos. Und wenn schon, denn schon: Eine Woche vorm Urlaub. “Ist eine kurzfristige Reparatur noch möglich?” Eine rein rhetorische Frage meinerseits, die Antwort kam wie erwartet: “Herr Meier, sie wissen doch, Fachkräfte …! Nein, bestenfalls Ende nächster Woche, tut mir leid, vorher geht nix, alles voll. Können sie nicht mit einem anderen Auto fahren und ihr Auto während des Urlaubs hier lassen?” Ich kann. Zum Glück. Sonst hätte ich jetzt ein Problem. Aber über 1.000 € vorm Urlaub sind auch nicht ohne 😦

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Erkenntnis Nr. 2 – oder “Europa hat Europa gewählt”. Das Europawahlergebnis hat mich einigermaßen beruhigt. Die EU-Skeptiker und Rechtspopulisten sind auch nach dieser Wahl sehr weit von einer Mehrheit entfernt. Und das Parlament wird bunter – hoffentlich dadurch auch “besser”. Dazu gehört für mich, dass die EVP-Christ- mit den S&D-Sozialdemokraten nichts mehr allein in Hinterzimmern ausbaldowern können. Nach ihren herben Verlusten fehlt ihnen dafür die Mehrheit und ohne die ALDE-Liberalen und/oder die Grünen geht nix! Gut so!

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Erkenntnis Nr. 3 – oder “Deutschland ist zweierlei zweigeteilt”. Einerseits gibt es den Wahlerfolg der Grünen, allerdings hauptsächlich im Westen, bspw. so wie bei uns in Schleswig-Holstein, wo die Grünen stärkste Partei geworden sind. Anderseits hat im Osten rund jeder fünfte Wähler die rechtspopulistische und euroskeptische AfD gewählt. Mindestens. Sieht man sich die Wahlergebnisse in den einzelnen Bundesländer an, gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Und das, obwohl der Osten nach 1990 stark von der EU profitiert hat. Na ja, das will ich jetzt nicht vertiefen. Zweigeteilt ist Deutschland jedoch auch bei der Betrachtung nach Altersgruppen. Bei den jüngeren Generationen sind die Grünen die absolute Nr. 1 und die CDU, auch die SPD, um die einst stolze Partei überhaupt noch einmal zu erwähnen, haben bessere Ergebnisse als im eigenen Durchschnitt erst bei der Generation Ü60. Nur die sind irgendwann mal nicht mehr und Neuwähler kommen immer dazu. #NieMehrCDU in den sog. „Sozialen Medien“ hat vielleicht mehr Spuren hinterlassen als manch Parteivorstand gedacht hat – und nun ja, Deutschland wird immer bunter 😉

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Unser Betriebssystem wird 70: 70 Jahre GG

23. Mai 2019

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Heute vor 70 Jahren hat an mich noch niemand gedacht. Meine Mutter war noch 11 und meinem Vater war mit noch 19 nach der Flucht 1945 aus Pommern eine Schlafstätte bei meinen Großeltern in Niedersachsen bei Peine zugewiesen worden. Zwei Erwachsene, fünf Kinder und ein Flüchtling in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Der Rest ist Gesichte.

Heute blicken wir auf eine 70 Jahre alte Verfassung und eine dabei bewegte Geschichte unserer Republik zurück. Einer Republik, die sich aus dem schwarz-weißen Muff der Gründerjahre zu einem bunten Staat entwickelt hat. Und trotz des Mauerfalls vor 30 Jahren heißt unsere Verfassung immer noch Grundgesetz, obwohl das von den Verfassern vor 70 Jahren nur als provisorischer Begriff bis zur Wiedervereinigung beider deutschen Staaten gedacht war.

Das Grundgesetz ist so etwas wie ein OS, operating system, Betriebssystem für unsere Gesellschaft. Die Programmierer haben sich damals die nötige Zeit genommen um die Bugs, die Fehler vergangener Systeme zu vermeiden, die wir heute aus der digitalen Welt zuhauf kennen. Das ist ihnen ganz gut gelungen. Klar, seitdem hat es so manch nötiges Update gegeben, aber dank der Ewigkeitsklausel haben die verfassungspolitischen Grundsatzentscheidungen eine Bestandsgarantie und dürfen nicht geändert werden. Gut so!

Gut so aus deshalb, weil sonst der ein oder andere nicht nur dumme Ideen hätte, sondern die auch würde umsetzen wollen. Solche Ansinnen gibt es bisweilen, aber dann haben wir zum Glück noch unser Bundesverfassungsgericht als unabhängige Verfassungshüter. Auf Anruf überprüfen die Richter, ob getroffene Entscheidung mit dem Grundgesetz in Einklang stehen.

Alles gut also? Na ja, wer mäkeln oder gar kritisieren möchte, der findet immer etwas. Doch mit Blick über unseren Tellerrand können wir stolz und froh über unser Betriebssystem sein. Ganz im Gegensatz zu vielen Betriebssystemen in der digitalen Welt. Wenn die als “Diktatur der Transparenz” bezeichnet werden, wenn Algorithmen über unser Leben bestimmen, dann müssen wir aufpassen, dass unsere durch die Verfassung geschützten Freiheiten nicht von denen abgeschafft werden.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Das noch: Geht bitte Sonntag zur EU-Wahl.
Sicher ist in der EU nicht alles gut. Doch gibt es kluge Köpfe
und gute Parteien, die sie besser machen wollen.

Die EU ist zu wichtig um sie zu ignorieren oder gar abzuschaffen!
Aber wählt bitte richtig! 😉

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#LIVBAR – Gänsehaut und feuchte Augen

8. Mai 2019

In meinem Leben habe ich schon viele Fußballspiele gesehen. Das erste, an welches ich mich erinnere, war das im alten Londoner Wembley-Stadion, 1966, aber da war ich noch klein. Geschaut haben wir beim Nachbarn. Der hatte einen Fernseher, meine Eltern noch nicht. Obwohl heute jede Familie einen Fernseher besitzt, ist es mit dem Fußballsehen so ähnlich wie vor 50 Jahren. Im Free-TV werden interessante Spiele kaum übertragen. Wer sehen will, muss zahlen. Oder jemanden kennen, der Pay-TV zuhause hat. So kam ich gestern dazu, mir abends das Champions-League-Halbfinalspiel Liverpool gegen Barcelona anzusehen. Um das Finale zu erreichen, mussten die Liverpooler unter Trainer Jürgen Klopp mit vier Toren Unterschied gewinnen. Und sie gewannen 4:0!

Mythos Anfield
Kaum ein Fußball-Stadion erzeugt bei den Gegnern offensichtlich so viel Ehrfurcht wie das an der Anfield Road in Liverpool. Wenn die Spieler aus den Katakomben heraus den Rasen betreten und 50.000 Liverpool-Fans die Vereinshymne You’ll never walk alone singen, dann hat allein das schon viele Gegner aus der Fassung gebracht. Bspw. gelang es bis heute keinem deutschen Team, ein offizielles Europacupspiel an der Anfield Road zu gewinnen. Den Spaniern gelang das bekanntermaßen gestern auch nicht – im Gegenteil, Halbfinal-Aus und tschüss. Was danach abging, war – nicht nur für mich – Gänsehaut pur und selbst die Spieler hatten feuchte Augen. Ganz ehrlich, ich auch.

[683] Fußballfans-weltweit-2018-b1Was mich besonders beeindruckt hat: Die Fans beider Vereine haben sich gegenseitig für ein grandioses Halbfinale beglückwünscht, sich zugeprostet und Trikots und Schals ausgetauscht. Kein Hass, keine Brutalität war zu sehen. Es sind solche Spiele die im positivsten aller Sinne in die Fußballgeschichte eingehen und vielleicht erklären, warum Pi mal Daumen jeder zweite Erdenbürger ein Fußballfan ist. Das sind mehr, als das Christentum (~2,1 Mrd.) und der Islam (~1,5 Mrd.) zusammen Angehörige haben. Wen wundert es in solchen magischen Momenten, wenn von der “Religion Fußball” gesprochen wird, “Fußballgötter” inklusive?

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