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Ruhestands-Geburtstag

7. Juni 2021

Schön, wenn der alte Laden noch an einen denkt. Nach zwölf Jahren. Der Chef ist zwar mittlerweile ein neuer, er kennt mich nicht und ich ihn nicht – und aus dem vertraulichen Dir ist ein formelles Ihnen geworden – aber trotzdem. Es freut einen! Normalerweise hätte ich die Karte simpel zur Kenntnis genommen und gut ist. Aber der Text lässt mich diesmal kurz innehalten:
Anlass, Rückschau auf das Erlebte zu halten.
Stimmt. Heute vor zwölf Jahren habe ich mich entschlossen, die Möglichkeit des vorzeitigen Ausstiegs zu nutzen. Über 20 Jahre hatte ich mich bis dahin mit mal mehr, mal weniger Medis versucht über Wasser zu halten. Jeder mit Rheuma/Bechterew versteht, was ich meine. Bis dann alles behördlich geregelt war, hat es zwar noch über ein Jahr gedauert – aber mit 0 statt 40 Stunden pro Woche im Büro. Seitdem komme ich mit wesentlich weniger Medis aus und nehme die nur noch bei unbedingtem Bedarf. Zwölf Jahre, in denen mein Körper die ganze Chemie nicht mehr irgendwie verarbeiten musste. Was das bedeutet, habe ich im Frühjahr erfahren: Ein alter Bechti-Gefährte, noch nicht lange in Rente gewesen, hat nun nichts mehr davon. Also bilde ich mir ein, damals alles richtig gemacht zu haben. Mal ganz davon abgesehen, dass ich ohne meinen Ausstieg nicht vor 10 Jahren hätte hier an die See umziehen können. ALLES GUT SO!

Das Alter ist für mich schon lange nicht mehr als eine Zahl im Perso. Schiet wat drup. Manchmal fühle ich mich wie 80, dann wieder wie 40. Na ja, jedenfalls so ungefähr 😉 Alles ist eben abhängig von den Besuchen meines Herrn Bechterew. Der ist wie ein ewiger Stalker, den man nicht loswird. Aber beim Nachrechnen fällt mir auf, dass dies jetzt mein erster Ruhestands-Geburtstag ohne Versorgungsabschlag wäre, wenn ich nicht vorzeitig die Segel gestrichen hätte. Den kurzen Gedanken, was das an Mehr in meinem Portemonnaie bedeuten würde, will ich gar nicht verhehlen. Aber ganz schnell siegt wieder die Vernunft: Geld allein nützt der Gesundheit rein garnix und frei nach Ustinov, hat Mann wirklich nix davon, als reicher Mann auf dem Friedhof zu enden 😉 Oder wie es hier an der See heißt:

Du kannst den Wind nicht ändern,
aber die Segel richtig setzen!


834 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Meiers Rückblick 21/05 in 100 Sekunden

1. Juni 2021

Mai 2021: Meteorologisch bleibt festzuhalten, dass das gestern (für Meteorologen) abgeschlossene Frühjahr … nicht so war wie sonst. Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen wir zuletzt 2013 und davor 1996 einen so kühlen und regnerischen Frühling gehabt haben. Sonst sei es gegenüber früheren Jahren immer überdurchschnittlich warm gewesen. Mit anderen Worten: Das Klima wandelt sich, es wird wärmer und damals hätten wir die letzten Wochen wahrscheinlich als normales Wetter empfunden. Schon die alten Bauern wussten: Trockener Mai – Wehgeschrei, feuchter Mai bringt Glück herbei.
Na denn, heute ist meteorologischer Sommeranfang. Schauen wir mal, was der uns so bringt.

In Zeiten der Pandemie: Gut und tragisch

Gut, dass die Corona-Zahlen runter und die Zahlen der Geimpften hoch gehen. Vielleicht, hoffentlich, kehrt langsam wieder so etwas wie Normalität ein und nach der dritten Welle heißt nicht vor der vierten. Wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen, habe ich Pfingsten in meiner Alten Heimat erfahren:
Dass ein Bekannter gestorben ist, hatte ich vorher schon am Telefon gehört. Aber Genaues wusste man nicht – es gab nur Gerüchte. Mittlerweile sind die mehr als das: Corona. Und das mit knapp 50. Wegen seiner Vorerkrankung gehörte er zur Prio-Gruppe 2, soll COVID-19 aber für so etwas wie eine heftige Grippe gehalten haben und hatte der Erzählung nach auch Vorbehalte gegen das Impfen. Ich will kein Versuchskaninchen für andere sein, soll er gesagt und das Impfangebot abgelehnt haben. Fest steht, dass er in Berlin auf eine Demo war und – wie erzählt wird – wegen beruflicher Betroffenheit mit gegen die Corona-Politik der Bundesregierung demonstriert hat. Ob er sich dort infiziert hat, oder nach seiner Rückkehr bei einem Nachbarn – oder er den angesteckt hat, weiß der Dorf-Funk nicht so genau. Jedenfalls ging danach alles sehr schnell – sicherlich beeinflusst durch seine Vorerkrankung. Nach kurzer schwerer Krankheit hieß es in der Traueranzeige.

Man darf bestimmt sagen, dass es egal ist, ob er an oder mit Corona gestorben ist. Seine Frau trauert. Und hadert: Hätte er sich doch nur impfen lassen! Tragisch. Zum Glück hat sie sich nicht infiziert – wohl auch, weil sie wegen ihres Berufs die Erstimpfung bereits hinter sich hatte. Ein schwacher Trost.

Quod licet Jovi, non licet bovi

Übersetzt: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt. Oder sprichwörtlich: Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Vorweg: Ich will hier nicht meinen moralischen Finger erheben – mein Hemd ist mir auch näher als meine Hose. Ich habe selbst über meinen Job die Möglichkeit der Prio2-Impfung genutzt. Aber wenn wir mal wieder die Selbstherrlichkeit von America first beklagen, dürfen wir gelegentlich auch an Europe first denken. Denn nichts anderes geschieht zurzeit: Wir sichern uns Impfstoff, wo möglich. Die COVAX (Covid-19 Vaccines Global Access), die sich um einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen bemüht, kritisiert das. Erst wir Reichen, die armen Länder kriegen was übrig bleibt. Und dort entwickeln sich derweil die Mutationen ….

Belarus. Oder Weißrussland, wie es früher hieß. Zu Recht empört sich die westliche Welt, über die von den Weißrussen erzwungene Landung einer RAYNAIR-Maschine in Minsk. Ziel des Fliegers beim Überflug von Belarus war Vilnius in Litauen. An Bord der Maschine war der Belarus-Regimekritiker Roman Protasewitsch – und der wurde in Minsk verhaftet.
Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber wer erinnert sich noch an Edward Snowden? Für die US-Amerikaner ist er so was wie ein Terrorist und wird per Haftbefehl gesucht, für andere ist er ein Held.
Na ja, jedenfalls sorgte 2013 ein unfreiwilliger Zwischenstopp eines Flugzeugs in Wien, nebst einer Kontrolle durch österreichische Behörden, für internationale Irritationen. An Bord der Maschine war der bolivianischen Präsidenten Morales. Er kam von einer Konferenz aus Moskau und war auf dem Rückflug nach La Paz, als plötzlich auf Bitten der USA die Überfluggenehmigungen für Frankreich, Spanien, Portugal und Italien entzogen wurden. Offensichtlicher Grund war, dass man so die Landung des Fliegers erzwingen wollte, weil man an Bord der Präsidentenmaschine Edward Snowden vermutete.

Wie gesagt, wenn zwei das Gleiche tun ….

Mein Schmunzler des Monats

Last but not least, ich hatte es schon mal: 38 cm Bon für 3,80 € bzw. 2 Stücke Kuchen. Was haben die Bäckereien damals nicht über die vermeintliche Papierflut wegen der Bonpflicht gejammert. Warum wohl? Bestimmt nicht wegen der Ausdrucke, oder? Denn heute heißt es: Darf’s ein bisschen mehr sein? Ja, Kuchen, aber nicht Bon.

Kommt gut durch den Juni –
und wer noch zweifelt: Lasst euch besser impfen!


833 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Han Solo ist im Home-Office

23. Mai 2021

Pfingsten. Das Wetter in meiner Alten Heimat ist muckelig – nix um raus zu gehen. Also beame ich mich mal hier bei WP ein. Es gibt ja immer etwas zu erzählen.

Legorianer aus dem Legoversum haben natürlich sofort erkannt, dass das ein Millennium Falcon ist. Oder besser, einer werden soll. So viel hat sich seit meinem letzten Besuch aber nicht getan. Irgendwie scheint es einen Baustopp zu geben. Erklärung der Lüdden: „Der wird nicht weiter gebaut, weil Han Solo im Home-Office ist.“

Na ja, eigentlich ist ja Papa im Home-Office und die 466seitige Bauanleitung für die 7541 Teile wurde erstmal zur Seite gelegt. Im Home-Office hat man nicht unbedingt mehr Zeit, im Gegenteil. Und Home-Office und Kleinkind zuhause ist dazu keine günstige Kombination.

Die Lüdde bleibt aber dabei, Han Solo ist im Home-Office und deshalb geht es nicht weiter. Wie zum Beweis zeigt sie mir die Blume am Fuß des Millennium Falcon: „Der steht schon so lange, da wachsen schon Blumen am Fußständer!“

Ach ja. Während die Lüdde weiter ihre Geschichte erzählt, entdecke ich Han Solo mit der Eisprinzessin auf deren Balkon vom Eispalast. Damit konfrontiert die lakonische Antwort: „Opa, Home-Office geht doch von überall. Und Han Solo macht das im Eispalast. Und wenn er Zeit hat, spielt er mit Elsa.“ Legorianer wissen natürlich sofort: Elsa ist die Eisprinzessin … und warum soll der Universumsreisende nicht auch mal Spaß haben? 😉

So ist das und aus dem Legoversum könnte ich noch einige Geschichten erzählen. Von Harry Potter und der Mondlandung, und so weiter, und so weiter. Aber für heute ist Schluss 😉

Ich grüße vom Lunar Lander aus dem Legoversum 😉


832 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Lustige Pfingsten

21. Mai 2021

Ich bin nicht da. Also nicht hier. Nicht zuhause. Ich bin in Niedersachsen. In meiner Alten Heimat und drum herum. Ein paar Leute hier und da besuchen. Eigentlich wollten wir nächste Woche noch im Harz sein, aber wegen der niedersächsischen „Landeskinderregelung“ haben wir unsere Pläne beizeiten ad acta gelegt. Vor vier Tagen hat (erwartungsgemäß) das OVG Lüneburg diese Regelung wegen der Ungleichbehandlung zwar wieder gekippt, aber nö, jetzt wollen wir nicht mehr.

Wenn es für die Leidtragenden nicht so traurig wäre, wäre es schon wieder lustig. Irgendwie. Die niedersächsischen Hoteliers und FeWo-Vermieter mussten wegen des Beherbergungsverbots für Nicht-Niedersachsen ihren auswärtigen Pfingst-Gästen absagen. Nun dürften die zwar doch kommen, aber die meisten haben sich andernorts ein Quartier besorgt, z. B. bei uns in Schleswig-Holstein. Hier ist alles voll. Deshalb sind wir weg 😉

Die Weser: hinter Hann. Münden flussabwärts bildet der Fluss über lange Strecken die Grenze zwischen Niedersachsen und Hessen bzw. Nordrhein-Westfalen. Die Ausflugschiffe dürfen aber nur auf der östlichen niedersächsischen Seite anlegen, denn die beiden westlichen Bundesländer haben die touristische Schifffahrt noch nicht freigegeben. Das schränkt natürlich die Wirtschaftlichkeit erheblich ein. Klingt das nach „Schilda“?

Von der ostfriesischen Küste höre ich, dass man die Gäste bittet, mit negativen Testbescheinigungen anzureisen. Weil nach der Aufhebung des Beherbergungsverbots nun mehr Gäste kommen (dürfen) als ursprünglich angenommen, würden die örtlichen Testkapazitäten nicht ausreichen und ohne negativen Test dürfe man ja niemanden beköstigen und beherbergen, selbst wenn der Gast vor der Tür steht.

Wie gesagt: Mit der nötigen Portion Galgenhumor kann man selbst das Traurige schon wieder lustig finden. 😉

Apropos lustig: Dieser Tweet von einem gewissen Herrn Merz spricht für sich. Diese perfiden Versuche, die Grünen zur Verbots- oder Moralapostel-Partei zu erklären, lassen mich schmunzeln. Die Zielrichtung ist allerdings klar: Wer möchte schon von Leuten regiert werden, die sich ein moralisches Urteil über meine Lebensführung anmaßen? Das darf doch nur die Kirche und keine Partei 😉 Na ja, wer sich den Schuh anzieht …. Und „Westentaschen Demagogen“ finde ich gut 😉
Wie belustigend Zeitungsartikel sein können, zeigt dieses Beispiel. Ich sage nur: „Qualitätsjournalismus“! Aber vielleicht hatte der Schreiberling ja gerade etwas geraucht …, oder so 😉 Geschichten wolle neben geschrieben werden. Also wie war das mit dem Ende der DDR? Durften dort schon Zehnjährige auf Lehramt studieren?

Ich wünsche euch schöne Pfingsttage!
Bleibt humorvoll & munter! Und gesund negativ
😉


831 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

#UdoLindenberg – die Nachtigall wird 75

17. Mai 2021

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Udo Lindenberg, Deutsch-Rocker und selbst ernannte Nachtigall der Nation, wird heute 75. Geboren am 17. Mai 1946 im – nein, nicht „im Norden“, wie sein erster großer Hit „Hoch im Norden“ vermuten lässt – sondern im westfälischen Gronau. Dort begann seine langjährige Musikgeschichte. Seit 1968 lebt er in Hamburg.

Seine Songs sind ein zeitloses Phänomen. Wer heute ganze Stadien füllt, der begeistert nicht nur eine Generation. Seine Sprachschöpfungen sind heute deutsche Sprachgeschichte. Alles klar, auf der Andrea Doria? Oder in der Bunten Republik Deutschland?

Aber Lindenberg nur auf dieses Thema zu reduzieren, wäre m. E. falsch. Es gibt viele Bereiche, denen er auf seine Art eine Stimme verliehen hat. Ich meine, er ist so etwas wie ein sozialer Humanist, für den Toleranz, Gewalt- und Gewissensfreiheit sehr wichtige Prinzipien des Zusammenlebens sind. Nicht nur das: Vor 15 Jahren hat er eine kulturpolitische Stiftung ins Leben gerufen, die Menschen unterstützt, „die in keine Schublade passen“ und die den Schwächeren auf der Welt zur Seite stehen will.

Wie gesagt, Lindenberg ist nicht nur Musiker. Er ist auch Maler. Oder ein malerischer Künstler, der sein eigenes Genre erfand: Die (inzwischen patentierten) Likörelle, eine Verbindung aus Aquarelle und Likör. Neben den Originalen gibt es die auch deutlich preiswerter als limitierte Siebdrucke. Wer also ein Paar Tausender übrig hat und nicht weiß wohin damit … 😉

Eine Erfolgsgeschichte war ebenso sein Musical. Erst in Berlin, dann in Hamburg. Ich bin wahrlich kein Musical-Fan und habe mich Besuchen stets verweigert. Bis zum 26. Januar 2017. Ich war begeistert! Trotzdem, es wir wohl mein einziger Musical-Besuch bleiben. Ja, seine Hits, um nur die beiden zu nennen: „Horizont“ und „Stark wie Zwei“, haben viel Tiefgang und sind oft sehr emotional. Das eine Lied schrieb er 1986 nach dem Tod einer guten Freundin & Gefährtin. Das andere widmete er mit der Veröffentlichung 2008 seinem Bruder Erich, der ein bekannter Maler war und im September 2006 kurz vor seinem 69. Geburtstag viel zu früh gestorben ist. Es gibt Lieder, da kriegen selbst hartgesottene Männer schon mal Gänsehaut oder feuchte Augen. So in ganz bestimmten Momenten, wenn sie sich im Text wiederfinden. Isso.

Es gibt wenige Menschen, denen schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt wird. Das hier – nach Vorlage seiner Lebensgefährtin Tine Acke – steht seit 2012 in Timmendorfer Strand zwischen dem Maritim und dem Strand. Das Seehotel war das 1969 erste des Konzerns und seitdem ranken sich viele Geschichten um das Maritim und dem häufigen Gast Lindenberg. Apropos Geschichte: Zu der gehört auch, dass sich Lindenberg in der Zeit um 1990 rum fast tot gesoffen hat. Das ging über viele Jahre so und war der Grund, warum viele Musiker Lindenbergs Panikorchester verlassen haben. Allen voran sein Freund seit Jugendtagen und Quasi-Ex-Schwager Steffi Stephan, zugleich Vater von Lindenbergs Neffen Marvin. Erst Jahre später, 1996, heute vor 25 Jahren, an Lindenbergs 50. Geburtstag, kehrten sie als Geburtstagsgeschenk zurück, als Lindenberg seine Alkoholsucht überwunden hatte.

Kurzform: Ein Star gewesen, tief abgestürzt, aufgestanden, Hut gerichtet und heute besser denn je. „Es ist nie zu spät, noch einmal durchzustarten!“ Also Udo: Bleibe wie du bist, tolerant & munter – und vor allen Dingen gesund!


830 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Die zweitschönste Nebensache der Welt

9. Mai 2021

Fußball zwischen Kommerz und Religion

Vorweg, warum ist für mich Fußball nur die „zweitschönste Nebensache der Welt“? Na ja, ich sag‘s mal so mit Günter Grass: „Der Ball rund ist, meiner hat eine Delle“. Als Konfessionsloser bin ich auf alle Fälle ein Fußball-Atheist und mein Glaube an Gott oder Götter ist begrenzt. In den Religionen sowie im Fußball gibt es für mich Mysterien, die sich mir rational einfach nicht erschließen.
Nee, ich bin mehr der naturwissenschaftlichen Realität zugetan und im Weltlichen gibt es eben doch noch Schöneres. Aber manchmal bleibe ich am gesellschaftlichen Klebstoff namens Fußball haften. Zumindest solange, wie es nichts Wichtigeres gibt. Oder Schöneres. Doch mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports verliert der Klebstoff mehr und mehr seine Wirkung.

Fußball und Religion

Aus meinem Archiv. Die Kirche setzt sich immer wieder mal mit dem Thema auseinander.

Die Bayern, die vom FC, sind schon wieder Meister. Glückwunsch! Das neunte Mal in Folge. Das dreißigste Mal in der 58jährigen Geschichte der deutschen Fußball-Bundesliga. Für die Münchener hat die Bundesliga-Geschichte jedoch nur 56 Jahre, denn die beiden ersten waren sie noch nicht mit dabei. Dafür ist die Vereins-Geschichte länger, nun 121 Jahre seit 1900, und damit dürfen die Bayern durchaus als so etwas wie ein Traditionsverein gelten. Ein Fall für Fußball-Romantiker. Oder -Statistiker, wobei das eine das andere nicht ausschließen muss. Eines haben dieses Fans gemein: Ihre Huldigung für ihren Verein nimmt oft religiöse Formen an und bisweilen wird davon gesprochen, dass dem Fußball mit rund 4 Mrd. Fans global mehr Menschen zugetan sind, als den beiden großen Religionen auf der Welt, dem Christentum (~2,1 Mrd.) und dem Islam (~1,5 Mrd.), zugerechnet werden. Ist solch ein Vergleich Blasphemie, grenzt der an Gotteslästerung?
Na ja, selbst Theologen sind sich in dem Punkt uneins und seit je her wird beim Fußball vom „heiligen Rasen, Fußballgöttern und dem erlösenden Tor“ gesprochen. Der Fußball hat wie eine jede Religion seine Rituale und herausragende Fußballstars werden wie Heilige verehrt. Sogar „die Hand Gottes“ war schon mit im Spiel. Noch eine Parallele gibt es: Die Rivalität untereinander, den „heiligen Krieg“. Den kennen wir aus der Geschichte von den Christen und im Islam schlagen sich heute noch die Sunniten und Schiiten die Köpfe ab. Ähnlich beim Fußball, nur schlagen sich die Fanatiker verfeindeter Vereine nicht die Köpfe ab, sondern nur ein. Und das noch, Stichwort „Trennung zwischen Staat und religiösen Institutionen“: Der Fußball hat sein eigenes normatives Recht, genauso wie die Religionen ihre „heiligen Schriften“ haben. Was für die Christen die Bibel, für den Islam der Koran, ist für die Fußballer das FIFA-Regelbuch. Das alles gepaart mit einer eigenen Gerichtsbarkeit, die hin und wieder mit dem weltlichen Recht nicht so ganz kompatibel erscheint.

Fußball und Kommerz

Die Kehrseite der Fußball-Medaille ist, dass der Profifußball heute im Grunde nichts mehr für Fußball-Romantiker ist. Viele (ältere) Fans wünschen sich die alten Zeiten zurück, als der Sport noch nicht seine Identität verkauft hatte. „Damals“, als der Strafraum noch nicht „Box“ hieß, die Spieler gespielt und nicht „performed“ haben und die Fußballschuhe schwarz waren. Entweder mit den drei Adidas-Streifen drauf oder dem Puma-Formstrip. Und die Vereine gehörten noch ihren Mitgliedern. Die bezahlten ihre Beiträge und die Eintrittsgelder und daraus wurde in der Hauptsache alles finanziert. Und heute? Die großen Vereine sind zu mittleren Wirtschaftsunternehmen mutiert mit Jahresumsätzen, die Richtung eine Milliarde Euro gehen. Die meisten Profifußballabteilungen sind von den Vereinen ausgegliedert und fungieren heute als Aktiengesellschaften (oder so ähnlich). Ohne üppige Gelder aus der Wirtschaft, als Gegenleistung für Werbung, und einer ideenreichen Selbstvermarktung kommt kein Verein mehr über die Runden.

Kaum ist die Meisterschaft eingefahren, werden die speziellen Trikots ausgerollt = Geld verdienen!

Wer nicht optimal mit dieser Zeit geht, der geht mit der Zeit. Und zwar in die zweite Liga. Oder dritte. Da die Anzahl der Vereine in den jeweiligen Ligen festgeschrieben ist, muss zwangsläufig ein suboptimal geführter Verein nach unten, wenn sich ein anderer durch ein starkes Management nach oben arbeitet. Wobei die Methoden bzw. die Finanzflüsse hier und da als fragwürdig gelten dürfen und das statutengemäße Financel Fairplay nicht mehr als einen zahnlosen Tiger darstellt. Aber so ist das System: Die Reichen werden immer reicher und unter dem Strich schießt Geld halt Tore. Nicht immer, aber immer öfter. Der letzte Versuch, den Fußball zum endgültigen Wirtschafts-Produkt zu degradieren und selbiges auszuquetschen wie nur irgend geht, war vor Wochen die Gründung einer Fußball-Super-League. Noch konnten sich die Fans dagegen wehren und die Pläne wurden wieder ad acta gelegt. Vorerst. Na ja, wir werden sehen.
Eins darf jedoch beruhigen: Das Gesetz der Serie. Zu dem gehört nämlich auch, dass eine jede Serie einmal reißt. So wäre es ein Anachronismus der Fußball-Geschichte, wenn ausgerechnet der derzeit teuerste Fußball-Trainer der Welt, Julian Nagelsmann als zukünftiger Bayern-Trainer und somit Flick-Nachfolger, mit dem FCB nicht die zehnte Meisterschaft in Folge einfahren sollte. Der Fluch des ewigen Gewinnens. Wiedervorlage in einem Jahr 😉

Aber wie eingangs gesagt: Es gibt Schöneres und Wichtigeres als Fußball. Das gilt bis zur Europameisterschaft in ein paar Wochen. Dann sitzt wieder halb Deutschland vor der Glotze und ereifert sich. Wetten?


829 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Spielverderber Bundesverfassungsgericht

3. Mai 2021

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist der höchste unabhängige Gralshüter über unser verfassungsmäßig bestimmtes politisches Leben, das er unter Berücksichtigung unserer individuellen Grundrechte interpretiert. Insoweit wird dem Gericht die grundlegende Ordnungsbefugnis über unsere Verfassung im gesellschaftlichen Wandel zuteil.

In seiner 70jährigen Geschichte (gegründet 1951 mit Sitz in Karlsruhe, 2 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes) hat das BVerfG manch bedeutende Entscheidung getroffen und wurde in dem ein oder anderen Fall zum Spielverderber parteilicher, auch ideologischer Interessen. So bleibt es nicht aus, dass die Karlsruher Richter immer wieder (insbesondere) von Politikern kritisiert werden. Der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier (2002 – 2010), hat deshalb klargestellt: „Wer das Verfassungsgericht (dessen Entscheidungen) in Frage stellt, kann dieses gleich abschaffen. Wer ein Primat der Politik fordere, rüttle an den Grundstrukturen des Verfassungsstaats.“

Baumsterben im Harz: Für die Klimaneutralität reichen die Regelungen im Klimagesetz nicht aus. Foto: Sven Meier

Karlsruhe for Future

In seiner jüngsten Entscheidung hat das BVerfG ein „Grundrecht auf eine menschenwürdige Zukunft“ postulierte. Das deutsche Klimaschutzgesetz muss auch für die Jahre nach 2030 detaillierte Regelungen treffen, um im Interesse nachfolgender Generationen das Staatsziel des Umweltschutzes aus Art. 20a GG in effektiver Weise zu gewähren. Damit wurde mehreren Umweltverbänden und Fridays for Future (teilweise) recht gegeben, die gegen die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung Verfassungsbeschwerde eingereicht hatten. Die Regierung muss jetzt ihre Klimapolitik bis Ende nächsten Jahres nachbessern und den wissenschaftlichen sowie gesellschaftlichen Realitäten anpassen.

Mit dem Urteil ist höchstrichterlich bestätigt, dass wir nur noch ein begrenztes Klimabudget haben. Mit anderen Worten: Eine heute verfehlte Klimapolitik verursacht eine Klimaschuld für die Zukunft, weil die nötige Einsparung von Klimagasen dann in den Folgejahren umso drastischer erfolgen muss und das zu Lasten der späteren Generationen geht. Das Gericht beruft sich dabei auf den von Deutschland unterzeichneten Weltklimavertrag. Darin ist festgelegt, dass die Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll.

Okertalsperre im Harz: Am Wasserstand zeigt sich der Klimawandel, die Ursache mangelnder Niederschläge. Foto: Sven Meier

Lesenswert, Lesetipp:

Klima-Pressekonferenz 2021 des Deutschen Wetterdienstes – vom 9. März 2021

Umweltministerin Svenja Schulze im Interview im SPIEGEL vom 2. Mai 2021: „Peter Altmaier tut so, als sei er der große Klimaschützer. Das ist bigott!“ Unsere Umweltministerin erklärt sich und wie es jetzt weitergehen soll.

Ein Urteil steht noch aus

Der Bund hat mit der sog. Bundes-Notbremse nächtliche Ausgangssperren ab einer Inzidenz von 100 vorgeschrieben. Dagegen regt sich Widerstand und es sollen inzwischen über 100 Klagen beim BVerfG dagegen vorliegen. Dabei geht es um dreierlei: Einmal um die Ausgangssperre als solche, weil es, so die Kritiker, keinen zitierfähigen Nachweis über die Wirksamkeit derartiger Freiheitsbeschränkungen gäbe. Zweitens um die Inzidenz allgemein, weil die Zahl vollkommen unzuverlässig sei und umso mehr ihren Sinn verliert, desto mehr Menschen es gibt, von denen wegen ihres Impfschutzes oder als Genese grundsätzlich keine Gefahr mehr ausgeht – und drittens, eben für diese Menschen die Grundrechte nicht mehr eingeschränkt werden dürfen.

Das niedersächsische OVG Lüneburg (eine Ebene unter dem BVerfG) hat Anfang April für die Region Hannover die verhängte Ausgangssperre aufgehoben, weil „nicht nachprüfbare Behauptungen zur Rechtfertigung einer derart einschränkenden und weitreichenden Maßnahme nicht ausreichen“. Das Gericht weiter: „Nach mehr als einem Jahr Pandemiegeschehen besteht die begründete Erwartung nach weitergehender wissenschaftlicher Durchdringung der Infektionswege. Es sei verwunderlich, dass die – insbesondere im süddeutschen Raum – über einen längeren Zeitraum verhängten Ausgangsbeschränkungen keiner Evaluation unterzogen worden sind“. Anders das OVG Hamburg, das eine Klage gegen die dortige Ausgangssperre wegen mangelnder Begründung abwies und die Annahmen der hanseatischen Behörde zur Wirksamkeit nächtlicher Ausgangsbeschränkungen akzeptierte. Mit der Neufassung des Bundesgesetztes (IfSG) sind die Entscheidungen der beiden Oberverwaltungsgerichte sowieso obsolet geführt und mit der Ermächtigung des Bundes hat nun das BVerfG zu entscheiden. Ich bin gespannt.

Mein Fazit: Nein, für mich ist das BVerfG kein Spielverderber. Ich bin froh, dass wir in Deutschland so ein unabhängiges letztinstanzliches Korrektiv haben, das jedoch in seiner richterlichen Selbstbeschränkung politisch nicht in die Rollenverteilung der Verfassungsorgane eingreift, eingreifen darf. Selbst in den Demokratien der EU ist das nicht immer der Fall. 


828 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Meiers Rückblick 21/04 in 100 Sekunden

1. Mai 2021

April 2021: April, April, der macht was er will. Auf alle Fälle war er kälter als im Mittel der vergangenen Jahre. Aber nicht nur das Wetter nimmt allgemein keine Rücksicht, auch so ein paar Protagonisten: Ich sage nur Pérez, Laschet, Liefers.

Der eine versuchte eine europäische Fußball-Super-Liga zu etablieren und hat nicht mit der europaweiten Empörung der Fans gerechnet, der andere ließ sich zum Union-Kanzlerkandidaten küren und hat die Stimmung an der Basis ignoriert und der dritte versuchte es mit #allesdichtmachen. Was von einigen Schauspieler*innen als ironisch, satirische Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung und einer vermeintlichen Gleichschaltung der Medien gemeint war, wurde zumeist als empathielos und in der Sache nicht weiterhelfenden Polemik empfunden.

Klar, es ist völlig legitim, auf die gesellschaftlichen Gefahren der Corona-Politik aufmerksam machen wollen und insoweit kann ich Liefers verstehen: Nicht nur Corona-Erkrankte leiden und die Angehörigen von über 80.000 Corona-Toten trauern, auch viele Nicht-Erkrankte von Klein bis Groß leiden psychisch und wirtschaftlich unter den Lockdown-Maßnahmen. Aber der Ton macht die Musik: Diese Tonalität der Selbstgerechtigkeit ist verstörend und zynisch zugleich. Viele der Schauspieler*innen haben sich mittlerweile von der Aktion distanziert – auch weil es viel Beifall aus der AfD- und Querdenker-Szene gab. Und selbst Liefers räumt eine, „dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist“. Stimmt, in unserer polarisierten Gesellschaft – Konsens über das Anerkannte – ist dafür (zurzeit) kein Raum.

In dem Zusammenhang erlaube ich mir Jürgen Klopp zu zitieren, gesagt am 3. März 2020 in Liverpool als Antwort auf die Frage eines Journalisten zu Corona:

„It’s not important what famous people say, people with knowledge should talk about it!“

Der Rest …, na ja, wir werden sehen:
> Werden die harten individuellen Freiheitsbeschränkungen für Geimpften aufgehoben? Rechtlich scheint es geboten, denn wir gelten zwar noch als das Land der Dichter und Denker, sind aber letztlich ein Rechtsstaat mit obersten Gerichten. Nicht nur der ARD-Rechtsexperte Bräutigam glaubt, „Gerichte könnten das vor der Politik lösen“.
> Was wird letztlich aus der Bundes-Notbremse? Mit zunehmender Impfquote wird kritisiert, dass die für alles herangezogenen Inzidenzwerte in Wirklichkeit Melderaten sind, bei denen viel vom Zufall abhängt und die absehbar kein Maßstab für Grundrechtseinschränkungen mehr sein dürfen. Erfreulich 😉 finde ich, dass Kanzlerin Merkel am Montag in der PK fast wortgleich auf das hingewiesen hat, was ich hier schon vor zwei Wochen erklärt habe: „Wenn im Sommer 50 Prozent einen vollen Impfschutz haben, bedeutet eine Inzidenz von 100 in Wirklichkeit eine Inzidenz von 200 für den nicht geimpften Teil der Bevölkerung.“ Im Grunde heißt das nichts anderes, als dass wir auch zukünftig aufpassen müssen und uns keiner trügerischen Sicherheit hingeben dürfen.

Also: Bleibt munter, negativ und lasst euch impfen. Besser is!

Vorankündigung – demnächst in diesem Kino:
Spielverderber Bundesverfassungsgericht: Karlsruhe for Future
Die zweitschönste Nebensache der Welt: Fußball zwischen Kommerz und Religion
Asoziale Medien: Nachrichtenkompetenz sieht anders aus


827 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Klookschieter un Meckerbüdel

22. April 2021

Der 22.04. ist einer der (zwei) Tage im Jahr, wo in mir der introvertierte Zwilling die Stimmung bestimmt. Der andere hat dann nichts zu sagen. Schön, wenn an solchen Tagen der inneren Einkehr wenigstens einer auch mal für Klarheit sorgt (via Twitter):

Was ist wann – so beschlossen und noch nicht vom BVerfG gekippt – Stand 22.04.2021 – Zum Vergrößern auf die Grafik klicken oder mit rechter Maustaste downloaden.

Ok, klar ist noch nichts. Aber wenigstens haben wir erst einmal eine bundeseinheitliche Regelung, was bei welcher Inzidenz zu passieren hat. Ich war seit jeher dafür, weil bisher jedes Bundesland sein eigenes Süpplein gekocht hat, was die so nötige Akzeptanz unterminiert hat, auch weil angerufene Gericht mal so, mal so geurteilt haben. Doch Deutschland wäre wohl nicht Deutschland, wenn nicht gleich die Meckerbüdel um die Ecke kämen. Die ersten Eilanträge gegen die sog. „Bundes-Notbremse“ liegen schon beim BVerfG. Ich bin gespannt, denn schließlich hat sich die Bundesregierung wie ein Klookschieter über alle rechtlichen Bedenken hinweggesetzt.

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken oder mit rechter Maustaste downloaden.

Es ist aber auch verrückt. Wenn ich mir meinen 22-April-Beitrag vom letzten Jahr heute ansehe, hat sich im Grunde nicht viel geändert. So einen richtigen Plan, wie mit der Pandemie umzugehen ist, sehe ich nicht. Zumal wenn Politiker immer wieder ihre Meinung ändern und man in einem zynischen Anfall meinen könnte, die würden das auswürfeln.

Überhaupt, der Armin. Also Herr Laschet. Er mag ja wirklich ein netter Typ sein. Ich kann das nicht beurteilen, ich kenne ihn nicht. Aber in meinem Kopf haben sich über die Jahre so ein paar Dinge manifestiert …

… die lassen mich an seiner Kanzlerfähigkeit zweifeln. Ich weiß, ich bin subjektiv. Aber irgendwie …

… wird mein Vorurteil immer wieder bestätigt. Dann auch noch die Art, wie es in der Nacht zum Dienstag zu seiner Kandidatur gekommen ist. Die Vorstandssitzung war digital und BILD war irgendwie live dabei. Der stellv. Chefredakteur Paul Ronzheimer hat quasi in Echtzeit alles getwittert, was wer da gesagt hat.

Klookschieter Laschet hat seine Wahl durchgeboxt. Das war vielleicht seine einzige Chance, denn noch fühlten sich mehr Vorstandsmitglieder loyal ihm als neuen Vorsitzenden verbunden und haben daher eher die Pro-Söder-Stimmung in ihren Wahlkreisen hintenangestellt. Wie klug das war, wird sich zeigen:

Warten wir es ab. Meckerbüdel gibt es überall. Scheinbar nur nicht bei den Grünen 😉 Am 26. September haben wir die Wahl und abends wissen wir mehr. Laschet oder Baerbock, darauf scheint es hinauszulaufen. Bis dahin wird es noch recht unterhaltsam zu gehen und den wöchentlichen Talksendungen werden die Gäste nicht ausgehen. Alternativ ist das ein zweites Thema, das man neben den täglichen Corona-Meldungen getrost auch ausblenden kann. Nicht oft, aber immer öfter 😉

Fall ich in meinen Beiträgen gelegentlich mal den Eindruck eines Meckerbüdels erwecken sollte, so antworte ich vorsorglich mit den Worten meiner Freundin: „Ich meckere nicht, ich stellte nur fest!“ In dem Sinne:

Bleibt negativ. Und ansonsten positiv! Alles wird gut. Irgendwann.


826 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Liebes @ntv: Meinen täglichen #Flick gib mir heute

18. April 2021

gZsZ. Wenn Sportler ähnlich omnipräsent in den Medien sind wie unsere Spitzenpolitiker, dann entweder wegen ihres irren Erfolges -> gutes Zeichen – oder weil sich etwas zusammenbraut -> schlechtes Zeichen. Beim Noch-Bayern-Trainer Hansi Flick ist der Übergang nahezu nahtlos.

Als vor vier Wochen der große Fußball-Philosoph – „I hope we have a little bit lucky“ – und Sky-Fußball-Experte Lothar Matthäus den Bayern-Trainer als Löw-Nachfolger beim DFB ins Gespräch brachte und weissagte, dass Hansi Flick zum Ende der Saison den FC Bayern verlassen wird, dachte ich zunächst an den üblichen journalistischen Boulevard: Typisch ntv. Der RTL-Ableger ist zwar meine Lieblings-Nachrichtenseite außerhalb des öffentlich-rechtlichen Imperiums, aber weil nicht-gebührenfinanziert bringen eben nur interessant klingende Meldungen Klicks und die wiederum Geld.

Mein Gedanke: Matthäus hört das Gras der Allianz-Arena wachsen. „Wäre, wäre, Fahrradkette“. Auch so ein sprachliches Bonbon unseres Rekord-Nationalspielers – „I’m a german record-player“. Na ja, dann verdichteten sich Anzeichen und spaßeshalber habe ich vor zwei Wochen angefangen, ntv-Flick-Überschriften zu sammeln und die kamen verlässlich täglich und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

04.04.2021 – Flick vermeidet Bayern-Treueschwur vehement | 05.04.2021 – DFB-Doppel-Lösung Rangnick-Kuntz statt Flick | 06.04.2021 – Wie der FC Bayern Flick zum DFB treibt | 07.04.2021 – Ein immer eigenartigeres Schauspiel | 08.04.2021 – Ein Satz, der alles vernichtet | 09.04.2021 – Rummenigge wütet wegen wildem Bayern-Zoff | 09.04.2021 – Flick pfeift auf Rummenigges Mahnung | 10.04.2021 – Bei Flick wird die Zündschnur kürzer | 11.04.2021 – Präsident stilisiert FC Bayern zum „Opfer“ | 12.04.2021 – Die pfiffige Idee mit Thomas Müller | 13.04.2021 – Entscheidet Kahn über Flick und Salihamidzic? | 14.04.2021 – „Wissen wie es abläuft“: Kovac wundert sich über den FC Bayern | 14.04.2021 – Flick moderiert erstmals seinen Abgang an | 14.04.2021 – Alle gegen Salihamidžić | 15.04.2021 – Flick hat mehr als nur eine Exit-Option | 15.04.2021 – Flick ist offenbar „hin- und hergerissen“ | 16.04.2021 – Rummenigges sind sicher, dass Flick bleibt | 16.04.2021 – Flicks verzweifelte Suche nach Harmonie | 17.04.2021 – Hansi Flick verkündet Abschied vom FC Bayern | 17.04.2021 – Flicks Sätze, die Bayern ins Wanken bringen | 18.04.2021 – Völlig außer Kontrolle

Mittlerweile leiste ich Abbitte und egal ob es von Matthäus vor vier Wochen ein Schuss ins Grüne war oder doch sein elitäres Fachwissen – „Eine Ehe ist wie ein Fußballspiel, man weiß vorher nie, wie es ausgeht“ – er hat recht. Zumindest was Flicks Abgang bei den Bayern betrifft. Servus. Was bleibt ist ein Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher im Allgemeinen und die des FC Bayern im Besonderen als einer der erfolgreichsten Trainer. Aber wenn die Chemie nicht mehr stimmt, dann ist es sicher besser zu gehen, wenn der Erfolg am schönsten ist. Damit geht den Nachrichtensendern ein Dauerthema verloren und den täglichen Flick wird es bald nicht mehr geben. Doch auch hier gilt die Matthäus-Philosophie: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken“. Das wird auch niemand tun, denn selbst die Fußballwelt dreht sich weiter und liefert verlässlich neue Themen, die auf dem Boulevard des Sports auseinandergepflückt werden können. Neueste Weissagung von Matthäus: Julian Nagelsmann wird neuer Bayern-Trainer, Vertrag mit RB Leipzig hin oder her. Warten wir ab was kommt.

Wie auch immer, eins bleibt: Der Ball ist rund😉


825 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

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