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Meiers Rückblick 20/06 in 100 Sekunden

1. Juli 2020

Juni 2020: Zurückblickend ist das der Monat, in dem wir statt Urlaub – aus Gründen – was anderes gemacht haben. Siehe Fotoblog Statt Urlaub I / II / III / IV. Nun ja, besser als nix 😉

Was ist sonst noch so bei mir haften geblieben?

Die Rassismus-Debatte. So traurig die auch ist, für mich ist das eine never ending Story. Und #BlackLivesMatter wurde auch nicht erst 2020 kreiert. Solange ich denken kann, solange gibt es Rassismus in seinen unterschiedlichsten Formen. Isso. Nur wird niemand als Rassist geboren. Nein, wer sich heute rassistisch – per Definition – verhält, der hat es aus seinem Umfeld so erfahren. Wenn die ältliche Oma ihre Enkelkinder auf dem Spielplatz ermahnt, „Lass mal die Negerkinder alleine spielen“, dann muss man sich nicht wundern.

Wasch mich, aber mach mich nicht nass! Ach ja. Der Waffenhersteller Sig Sauer hat in Eckernförde seinen Betrieb vorläufig eingestellt und will dem Vernehmen nach Deutschland verlassen. Grund sind in einem Verfahren wegen nicht genehmigter Waffenexporte sichergestellte Vermögenswerte in Millionenhöhe. Die nun drohenden Entlassungen rufen natürlich die Arbeitnehmervertreter auf den Plan. Ja, was denn nun? Arbeitsplätze und Waffenexporte oder die Firma macht hier dicht, produziert zukünftig in den USA und exportiert von dort aus. Diese Gretchenfrage gilt auch für andere Bereiche. Der Wegfall von Arbeitsplätzen ist ja immer so ein Totschlagargument. Unabhängig davon machen sich langsam die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise bemerkbar. Nur ein Beispiel, Karstadt: In Lübeck ist nach 136 Jahren Schluss. Was ich nicht wusste: Die 1884 eröffnete Filiale ist/war nach Wismar 1881 das zweite Karstadt-Haus überhaupt.

Last but not least: die Corona-Warn-App. Weil es ständig irgendwelche neuen Meldungen über Infizierte gibt, würde ich es gut finden, wenn jeder Smartphone-Besitzer die App auf seinem Gerät nutzen würde bzw. könnte. Doch das muss jeder selbst wissen. Zwei Meldungen haben mich allerdings ein wenig irritiert:
1.) Pi mal Daumen ist das Verhältnis von Google-Android zu Apple-iPhones 75 zu 25 Prozent, bei den Downloads der App aber 50 zu 50. Hm, was sagt uns das?
2.) Eine Zeitung hat ihre Leser abstimmen lassen, Corona-Warn-App ja oder nein. Rund 60 Prozent haben wegen Datenschutz dagegen gestimmt. Die Abstimmung lief über Facebook. Noch Fragen?

So, ich verabschiede mich nun für die nächsten Wochen, wie jedes Jahr, in mein Sommerloch. Bis Anfang August. Bleibt gesund & munter und lasst euch nicht verrückt machen. Es gibt schon genug Menschen, deren Verhaltensweisen bestenfalls psychoanalytisch zu erklären sind!

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Geister-Meister [FCB II – Ausbildungsverein]

28. Juni 2020

Fußball-Bundesliga. Zugegeben, ich war skeptisch. Wegen Corona und so. Fußballspiele in leeren Stadien, ok, das kriegt man noch hin. Aber wie würden sich die Fans vor den Stadien verhalten? Erkenntnis heute: Auf alle Fälle disziplinierter als Leute bei manch anderem Anlass, der nichts mit Fußball zu tun hat. Das Ende ist schnell erzählt, die Bayern sind 1. Geister-Meister:

Grundschulkinder kennen ebenso nur den FC Bayern als Deutschen Fußballmeister, wie junge Erwachsene nur Frau Dr. Merkel als Kanzlerin kennen, so wie deren Eltern lange nur Herrn Dr. Kohl als Kanzler kannten. Nun ja, zum Glück geht jede Serie einmal zu Ende 😉

Also Glückwunsch und so weiter, besonders an Trainer Hansi Flick, doch da will ich gar nicht drauf hinaus. Fast alle sprechen nur von der 1. Liga, aber wie sieht es im Unterhaus aus? Ich schaue gerne in die 3. Liga, das hat auch was mit Eintracht Braunschweig zu tun – und Erinnerungen an die Alte Heimat und längst vergangene Zeiten. Damals …! Na ja, Braunschweig, Meister 1967, und Bayern, erste Nachkriegsmeisterschaft 1969, stehen für mich exemplarisch für das, wie unterschiedlich sich Vereine entwickelt haben bzw. wurden. Aber zurück zu 2020: In diesem Jahr hat mich besonders eine Mannschaft fasziniert:

Die zweite Mannschaft des FC Bayern. Und nein, ich bin kein Hofberichterstatter der Bayern. Aber ich erkenne gerne gute Leistungen an. Und da sehe ich, dass die Nachwuchsarbeit der Münchener – mit Trainern wie bspw. den ehemaligen Bayern-Profis Miroslav Klose, Martin Demichelis und Tom Starke – auf dem neuen FC Bayern Campus (in Betrieb seit August 2017, gebaut für über 70 Mio Euro) prächtig funktioniert. Man bedenke: Zweitvertretungen von Erstligamannschaften – und der FCB II ist die einzige 2. Mannschaft eines Bundesligisten in der 3. Liga – müssen acht U23-Spieler auf dem Platz haben und in den Transferperioden herrscht ein Kommen und Gehen. Das macht die Arbeit für den Trainer, zurzeit Sebastian Hoeneß, nicht einfacher. Wenn ich richtig gezählt habe, wurden 36 Spieler in der zweiten Mannschaft eingesetzt, davon durften/mussten 5 auch in der Bundesliga ran. Nach der Hinrunde der 3. Liga waren die jungen Kicker dann auch nur 2 Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Dafür haben sie in der Rückrunde, als die Mannschaft besser eingespielt war, nur 1 von bisher 17 Spielen verloren, führen zurzeit die Tabelle an (zum Vergrößern anklicken) – und das, obwohl der ein oder andere Spieler für die Bundesliga-Mannschaft abgestellt werden musste. Selbst wenn die Mannschaft nicht aufsteigen darf und egal, wie die Tabelle nach den beiden letzten Spieltagen aussehen wird, diese Leistung finde ich wahrlich meisterlich – und das nenne ich eine mustergültige Ausbildung. Da sage noch mal einer, Bayern München ist kein Ausbildungsverein. Mal sehen, welcher Spieler demnächst wo spielt. Ein Ausbildungsnachweis vom Bayern-Campus ist sicher eines der besseren Empfehlungsschreiben 😉

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und bleibt negativ, das wäre nämlich absolut positiv!

Nichts gelernt – warum eine Kolumne eine Kolumne und ein Kommentar ein Kommentar ist

19. Juni 2020

zur Feldenkirchen-Kolumne

„Der Spiegel schreibt so eine Scheiße“ schimpfte die Lehrerin, wedelte mit ihrem XXL-Smartphone und las mit erhobenem Zeigefinger vor: „Kein anderer Bereich unserer Gesellschaft hat in der Coronakrise annähernd so versagt wie das Schulsystem. Nirgendwo fiel es Verantwortlichen schwerer, sich flexibel und kreativ auf eine neue Lage einzustellen. Die Schuld trifft dabei nur teilweise die Lehrer. Gut, manch einer aus dem Kollegium verfiel nach der Schulschließung Anfang März erst mal in einen ausgiebigen Frühjahrsschlaf, den er nur einmal die Woche kurz unterbrechen musste, als es eine E-Mail mit PDF-Anhang zu verschicken galt, in dem sich schlecht kopierte Aufgabenblätter befanden, deren Bearbeitung nie kontrolliert wurde.“

Möchtest du eine Blutdrucktablette?

„NEIN! Ich verstehe nicht, warum der Spiegel so eine Scheiße schreibt. Haben die irgendetwas recherchiert, haben die jemals mit Lehrern gesprochen, wie es denen gerade geht?“

Andere Frage: Was steht denn am Anfang des Artikels, unter der Überschrift?

„Moment … äh … eine Kolumne von Markus Feldkirchen“

Siehst du, eine Kolumne. Das ist kein Nachrichtenartikel, kein Kommentar, sondern eine Kolumne. Und Kolumnisten dürfen das, die dürfen mit ihrer Meinung zu einem Thema überspitzen, polemisieren und Klischees bedienen. Das ist auch der Unterschied zu einem Kommentar, der eher als sachlich-subjektive Äußerung zu einer Nachricht daherkommt.

„Wer unterscheidet denn das?“

Die Frage ist nicht nur berechtigt, ich stelle sie mir selbst hin und wieder. Und die Grenzen zwischen Kommentaren, Kolumnen und Glossen mögen fließend sein, aber eins sind sie nicht: objektive Nachrichten. Nun ja, es liegt an den Lesern selbst darauf zu achten, was sie lesen. Nicht immer ist die Art auf den ersten Blick erkennbar. In dem Zusammenhang finde ich sehr interessant, was im neuen Reuters Digital-Report über Deutschland zu lesen ist:

zum Reuters Institute Digital News Report 2020

Für 79 Prozent der deutschen Online-Leser ist ein unabhängiger Journalismus für das Funktionieren einer Gesellschaft wichtig. Doch es gibt einen großen Altersgruppen-Unterschied: Von uns Alten (Ü55) halten 88 Prozent einen unabhängigen Journalismus für wichtig, bei den Jungspunden (18 – 24) sind es nur 56 Prozent. Schlimmer noch: 11 Prozent dieser Altersgruppe betrachten unabhängigen Journalismus als unwichtig, 15 Prozent haben keine Meinung dazu. Dafür kennen sich die Jungen besser in den so genannten sozialen Medien besser aus als wir Alten. Ob das ausreicht? Neutrale Nachrichten sind dort Mangelware, im Gegenteil: Nirgends werden so viel Fake News, Unwahrheiten verbreitet, wie bei Facebook & Co..

Allerdings beruhigt mich ein bisschen, dass die gute alte öffentlich-rechtliche Tagesschau off- wie online nach wie vor einen Spitzenplatz einnimmt. Die sind wenigstens stets bemüht, Nachrichten objektiv zu vermitteln. Und ein Kommentar wird dort als Kommentar angekündigt und jeder weiß, dass es nur eine Meinung zu einer Nachricht ist – die man nicht teilen muss.

Tagesschau: Kommentarsammlung und Faktenfinder

Gut finde ich auch den Faktenfinder, der mit manch irriger Annahme aufräumt. Irrig mag bei jungen Menschen auch die Annahme sein, dass unabhängige Medien eine Selbstverständlichkeit sind. Nein, das sind sie nicht! Selbst in Europa nicht! Umso mehr werbe ich dafür, zwischen Nachrichten und Meinungen zu unterscheiden und nicht gleich zu schimpfen, wenn irgendwo etwas steht, was einem nicht passt.

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#Coronakrise, #Homeoffice und die Auswirkungen

8. Juni 2020

Moin. Ich weiß ja nicht, wie es euch bisher in der Krisenzeit ergangen ist, aber für mich stelle ich folgendes fest:

  • Mein Portemonnaie ist leichter,
  • dafür bin ich schwerer geworden.
  • Mein Blutdruck hat die Tendenz nach oben,
  • und mein Stromzähler dreht sich schneller.

Aber sonst ist alles im Lot. Trotz meiner Autoimmunerkrankung (Bechterew) geht es mir gut. Na ja, ich merke schon, dass ich vorher mehr Bewegung hatte, häufiger unterwegs war und nun stattdessen zuhause sitze. Das ist jedoch weniger meiner Faulheit geschuldet, zu der ich zugegebenermaßen neige, sondern eher reine Vorsicht.
Ich höre, dass es vielen Leuten aus der Risikogruppe hier so ergeht. Sie haben einfach Angst, sich zwischen den vielen Touristen anzustecken. Abstände sind oft nicht einzuhalten bzw. werden schlicht ignoriert und mit einem Snuutlappen läuft auch kaum einer rum.
Anderseits: Sind wir übervorsichtig? Machen wir uns – als Risikogruppe – zu viele Gedanken? Schließlich gib es die sogenannten Hygiene-Demos und Rassismus-Proteste mit tausenden Teilnehmern und scheinbar macht sich das in der Infizierten-Statistik nicht bemerkbar. Die sukzessiven Schul- und Kindergartenöffnungen ebenso wenig.
Ich weiß es nicht. Aber ich bin auch nicht bestrebt es herauszufinden 😉

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denkt an de Snuutlappen un blievt gesund!

Meiers Rückblick 20/05 in 100 Sekunden

1. Juni 2020

Mai 2020: Ich verbuche diesen Monat unter Corona-Normalität. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Genau vorhersagen kann das niemand, jedenfalls bemühen Wissenschaftler von Wert fachlich stets den Konjunktiv. Leider mutiert der in boulevardesken Medien gelegentlich auf klickschlampeske Weise zum Indikativ und solche Schreiberlinge diskreditieren den gesamten Journalismus. Dabei will ich es belassen.

Na ja, vielleicht das noch, also das hat mich schon etwas irritiert: Gestandene Leute, wie bspw. Prof. Homburg (Hannover, mittlerweile von den Studierenden auch „Prof. Humbug“ genannt), driften plötzlich ab, erzählen zu Corona einen Stuss, Humbug sondergleichen, sehen Verschwörungen wie in schlecht gemachten Science-Fiction-Filmen, das macht mich fast sprachlos. Und das soll was heißen! Gut, dass sich mittlerweile die Uni Hannover davon öffentlich distanziert hat. Wenn irgendwelche C-Promis so einen Quatsch labern, nun ja, wer weiß, was die nicht schon so alles geraucht oder in sich hinein geschüttet haben. Gepaart mit einer gewissen Bildungsferne, shit happens. Da wundere ich mich über nichts. Aber Leute wie Homburg und ein paar andere?

Ok, Verschwörungstheorien hat es schon immer gegeben, nicht erst seit JFK, der Mondlandung und nine-eleven. Wissenschaftler wie der Psychiater Manfred Spitzer sagen, dass große Teile der Bevölkerung an mindestens eine Verschwörungstheorie glaubt: „Sie alle als psychisch krank zu beschreiben, ist weder sinnvoll noch zielführend; vielmehr gehört der Glaube an Verschwörungen zum ganz normalen Arsenal menschlicher Weltverhältnisse.“ Prof. Harald Lesch hat das so ausgedrückt: „Wenn die Ratio nicht mehr funktioniert, dann beginnt der Glaube.“ Und mit dem Glauben ist das ja bekanntlich so eine Sache 😉

Nun denn, steigt man ein bisschen in fachliche Artikel ein, dann gibt es einige sozialpsychologische Ansätze, die besondere Verhaltensweise gerade in Krisen erklären. Es muss ja nicht gleich eine Paranoia sein. Ich für meinen Teil versuche jedenfalls lieber die Wissenschaft mit ihren Widersprüchen zu verstehen, als denen hinterher zu laufen, die sie nicht verstehen (wollen). Wer in populistischer Weise kundtut, dass wir alle zwangsgeimpft werden, damit Bill Gates uns instrumentalisieren kann, der glaubt sicher auch, dass Bill Gates eine als Mensch verkleidete Marionette ist und von Außerirdischen ferngesteuert wird. Hallo?

Übgrigens: Die Aussage „In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten suchen nach Schuldigen“ wird derzeit in den Medien gerne und oft Loriot zugeschrieben. So gut und richtig dieser Satz auch sein mag, er stammt nicht von Loriot, sondern hat seinen Ursprung im spanischen Sprachraum, Verfasser unbekannt. Das wollte ich nur mal so neben erwähnt haben 😉

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Was mit Himmel …

21. Mai 2020

Moin. Das Bild hat mir heute Morgen ein Freund aus meiner Alten Heimat geschickt. WhatsApp macht’s möglich. Ob man früher in solchen Fällen immer eine Mail verschickt hätte? Wohl nicht. Oder ganz früher einen Brief? Das schon gar nicht.

Also: habt einen schönen Himmelfahrtstag – ohne Kommando 😉

Ich hoffe nur, dass die Menschen in diesem Jahr vernünftiger sind und heute mehr Himmelfahrt als Vatertag angesagt ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber uns beschleicht – ich sag‘ mal: ein mulmiges Bauch-Gefühl. Am Montag konnten wir noch diese Meldung lesen:

Manch einer sagt, dem Himmel sei gedankt, dass wir so glimpflich davon gekommen sind! Vielleicht lag das aber weniger am Himmel, sondern mehr am bisherigen Einreiseverbot und dass wir in den letzten Wochen eine tourifreie Zone waren?
Wie gesagt, dass war Montag. Seitdem hat sich hier in Ostholstein längst der Ostseeküste einiges getan: Mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen wurden die Küstenregionen quasi gestürmt. Wer jetzt in der Himmelfahrts-Woche oder nächste Woche über Pfingsten noch eine Ferienwohnung mieten möchte oder auf einen freien Wohnmobilplatz hofft, der muss schon viel Glück haben. Gestern Nachmittag sah es so am Scharbeutzer Strand aus …

… und bei blauem Himmel wird die Tendenz eher steigend sein. Ja, ich kann wirklich alle verstehen, die nach Wochen der Kontaktsperren usw., usw., jetzt wieder raus wollen und weil Flugreisen mal fix ins Ausland noch nicht so trivial sind – das Klima bedankt sich – sind eben die deutschen Küsten angesagt.

Mein Nachbar sagte gestern: Ich bete zum Himmel, dass das alles gut geht. Das erinnert mich an den Spruch: In einem abstürzenden Flugzeug gibt es keine Atheisten mehr. Na ja, so schlimm wird es hoffentlich nicht, aber …. Natürlich merken wir, dass sich die Einwohnerzahl quasi von heute auf morgen verdoppelt hat, ohne Tagestouristen. Die Einkaufsmärkte sind voller, der Ton wird rauer und die Parkplatzsuche schwieriger. Auch das habe ich vom Nachbarn erfahren: Die Behörden sind angewiesen, jeden corona-auffällig gewordenen Urlauber sofort wieder in seine Heimat zurück zu schicken, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Das habe ich zwar so noch nirgends gelesen, aber wenn er es sagt …. Wir für unseren Teil, auch weil wir zur Risikogruppe gehören, versuchen jedenfalls die Touri-Hot-Spots zu meiden und fahren zum Einkaufen lieber ein paar Kilometer ins Landesinnere. Und ja, ich blicke auch gen Himmel und hoffe ….

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Conny darf Anna nicht besuchen

16. Mai 2020

Oppa beim Kindergardening. So hießt da jetzt. Oppa lernt dazu. Und die Lüdde lernt auch. Gut, wäre schlimm wenn nicht, aber wir müssen mitunter aufpassen, was wir in ihrer Gegenwart sagen. Schnell plappert sie was nach. Oder sie baut es in die Spielereien mit ihren Biegepuppen ein. Dabei werden dann ganze Geschichten nachgespielt:

„Nein Tonny, du darfst nich Anna besuchen!“ sagt Mama Annette, die „nette Anette“. Anna ist nämlich Connys beste Freundin und die haben sich schon lange nicht mehr gesehen. „Wir haben doch einen Lotdaun, weil wir uns sonst alle mit Toronas anstetten!“ Witzig, das k spricht die Lüdde immer noch als t aus. „Oppa, du bist jetzt Papa Jürgen. Wollen wir auf den Spielplatz gehen?“ Solch Rollenspiele machen zu zweit natürlich mehr Spaß als wenn sie alles selber spielen und sprechen muss. „Aber Conny, der Spielplatz ist wegen Corona doch noch geschlossen!“ sagt Papa Jürgen. „Ach Jürgen, du hast doch keine Ahnung, die Spielplätze sind wieder offen.“ ruft Mama, die richtige, aus dem Hintergrund, alias Mama Annette, dazwischen. „Oppa, äh … Papa, du hast doch teine Ahnung! Im Tindergarten gibts immer noch Toronas, aba aufm Spielplatz nich mehr. Lotdaun is nur noch im Tindergarten. Wir tönnen auf den Spielplatz gehen.“

So kann das stundenlang gehen. Wie soll ein kleines Kind verstehen, dass sie zwar wieder auf den Spielplatz darf und Mama wieder jeden Tag in die Schule fährt, für sie der Kindergarten jedoch noch geschlossen ist? Und warum darf sie mit „Oppa Ostsee“, alternativ „Oppa Glatze“ 😉 spielen, aber warum darf sie nicht zur Uroma? Und so weiter. Und meine Schulleitungs-Tochter muss in ihrer Lehranstalt die strikte Einhaltung aller mehr oder weniger sinnhaften Hygienevorschriften überwachen, manchmal nicht wissend wie, während gleiche Maßstäbe privat kaum durchhaltbar sind. Widersprüchlichkeiten in der Krise. Machen wir das Beste draus 😉

Was mir aufgefallen ist: Kinder plappern nach. Logisch. Auch wenn sie den Sinn nicht verstehen. Kinder dürfen das. Aber sind wir Erwachsenen besser? Lockdown: Das aus dem Englischen übernommene Wort ist zurzeit täglich zu hören, zu lesen und trifft genau so wenig zu wie die Ausgangssperre. Bestenfalls hatten wir einen Lockdown super light und Ausgangssperren gab es in Italien, Spanien, Frankreich, nicht bei uns. Aber wahrscheinlich braucht jede Krise ihre emblematischen Begriffe, um auch in der Zukunft einen diskursiven Rahmen dafür zu haben. Egal wie falsch die Begriffe oder schief die Rahmen sind. So wie die Grenzöffnung zu Zeiten der Flüchtlingsströme 2015. Nein, die Grenzen wurden nicht geöffnet, sie waren seit dem Schengener-Abkommen 1985 offen und wurden seinerzeit nicht geschlossen. Ein großer Unterschied. Klimahysterie ist noch so ein Beispiel und nicht ohne Grund wurde daraus das Unwort des Jahres 2019. Ich weiß, ihr wisst das alle. Ich wollte das nurmalso auch erwähnt haben 😉

Schönes Wochenende!

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Hallo! #Reisegutschein statt Rückerstattung?

10. Mai 2020

Das Auswärtige Amt hat eine weltweite Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen ausgesprochen. Diese wurde zuletzt bis zum 14. Juni 2020 verlängert. Grundsätzlich können Kunden nach geltendem Recht Urlaube im Ausland mit Hinweis auf die Reisewarnung kostenfrei stornieren. Dazu gilt EU-Recht zum Schutz der Verbraucher, dass in solchen Fällen der bereits gezahlte Reisepreis rückerstattet werden muss. Soweit die Rechts-Theorie. Die Praxis ist oft eine andere:

Viele Reiseveranstalter können oder wollen die angezahlten Gelder für eine gebuchte Reise nicht zurückzahlen. Häufig berufen sie sich dabei auf die Bundesregierung und suggerieren eine Rechtslage, die es – nach Auskunft der Verbraucherzentrale – so nicht gibt. Derzeit wird zwar politisch eine Gutscheinlösung diskutiert, sie entspricht jedoch keinesfalls der aktuellen Rechtslage und die EU scheint nicht bereit zu sein, einem deutschen Begehren zum Nachteil der Verbraucher bzw. zum Vorteil der Reiseveranstalter stattzugeben:

Ich kann das Dilemma der Reiseveranstalter ja verstehen: Fordern alle Kunden ihr Geld zurück, dann wird es eng. Angeblich, so liest man, droht jedem zweiten Unternehmen die Insolvenz. Und gerade das ist die Crux bei der Geschichte: Wer einen Gutschein aus Solidarität akzeptiert läuft Gefahr, dass das Geld bei einer Insolvenz futsch ist. Solche Formulierungen wie von meinem Reiseveranstalter sind sicherlich unter alternative Fakten zu verbuchen:

Aber ok, vielleicht irren sich zu diesem Ausschnitt aus dem Schreiben meines Reiseveranstalters die Verbraucherzentrale, Juristen und somit auch der Meier. Mag sein. Man soll ja nicht alles glauben, nur weil es im Internet steht. Ich werde meinen Veranstalter zu der Quelle der Absicherung von Reisegutscheinen befragen. Sonst wollen wir unser Geld zurück. Auch wir gehören zu denen, die am Jahresende coronabedingt einige Euros weniger auf dem Konto haben werden. Für die Rettung der Reisebranche ist der Staat Ansprechpartner und nicht per se die Kundschaft. Die haben vielleicht durch Kurzarbeit, Wegfall eines Zuverdienstes usw. selber damit zu tun, über die Runden zu kommen. Von daher: Gut das wir die EU und den europaweiten Verbraucherschutz haben …! Außerdem habe ich zurzeit nicht so recht Zeit für Urlaub, denn ich bin in meiner Alten Heimat ein gefragter Supporter, jedenfalls solange die Kindergärten dicht haben.

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un alltiet an snuutlappen denken! Ik bin dann mol wedder wech 😉

Corona-Tagebuch – letzter Eintrag

8. Mai 2020

[751] 100jährige-übersteht-CoronaVor Tagen: Ich muss zu einer Beerdigung. In meiner Alten Heimat, Landkreis Peine. Ich empfinde es als surreal, gefühlt wie fernab jeglicher Zivilisation: 10 Leute mit Abstand im Halbkreis draußen vor der geöffneten Kapellentür mit dem Sarg, zwei Lieder von einer CD und ein Pastor, der versucht das Beste aus der Situation zu machen.

Der alte Mann ist mit 90 im Krankenhaus verstorben. Er war vier Wochen zuvor gestürzt und musste sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Dann lag er da einsam in seinem Krankenbett und niemand durfte ihn wegen Corona besuchen. Eigenständig telefonieren konnte er auch nicht. Soziale Isolation wie sie schlimmer kaum geht. Dann – vielleicht auch deswegen – hat er abgebaut. So wurde mir erzählt.

Später lese ich in der PAZ, dass in einem Seniorenheim im Peiner Südkreis eine 100-jährige ihre Corona-Erkrankung überstanden hat. Das Leben kann ja so widersprüchlich sein. Jedenfalls darf es so empfunden werden. Ich freue mich für die Genesene.

Nun sitze ich wieder in meiner Neuen Heimat und schaue mir an, was wie wann wegen oder trotz Corona wieder erlaubt sein wird. Ich habe mir erklären lassen, man nenne das jetzt Corona-Normalität. Ich lese, dass das RKI nun bis auf weiteres keine Pressekonferenzen mehr abhält und die Verantwortung ab jetzt bei den Ländern liegt. Lag sie dort nicht schon immer, weil die nach dem föderalen Prinzip zuständig sind? War Kanzlerin Merkel nicht so wie so eine Königin ohne Königreich, wie es ein Journalist einmal ausdrückte? Egal. Jetzt gilt 50 neue Infizierte pro 100.000 in 7 Tagen. Gibt es in einem Landkreis mehr als 50 pro, dann müssen die Landkreise was tun. Oder Städte. Hauptsache, die wissen dann was zu tun ist und trauen sich das auch.

Wir in Ostholstein haben 66. INGESAMT! Nr. 66 ist am 29. und Nr. 65 am 24. April gemeldet worden. Davon Tote: 0, null. Wir in Ostholstein mit 200.000 Einwohner sind also so gut wie coronafrei. Aber jetzt kommen die Lockerungen, d. h. auch die Touristen kommen wieder und bald werden die Strände hier wohl voll sein. Dieses Bild ist von heute Nachmittag. Jeder kann sich sicher vorstellen, was in der Himmelfahrtswoche und über Pfingsten hier los sein wird, vom Sommer ganz zu schweigen.

Ich kann es aber auch verstehen. Nach Wochen des Lockdowns sind die Einschränkungen diverser Grundrechte wegen der positiven Pandemie-Entwicklung kaum noch begründbar. Präventions-Paradoxon hin oder her, die Menschen wollen wieder raus und sie gehen raus. Wenn ich allerdings sehe, was bspw. heute an der Scharbeutzer Skateranlage los war und welche Vorsichtsmaßnahmen an / in den Schulen gelten, dann fällt mir nur wieder ein: Das Leben kann ja so widersprüchlich sein.

Wir werden sehen was passiert – in der Corona-Normalität. Ich hoffe nur, dass die nicht Recht bekommen, die heute vor einer zweiten Welle warnen. Leute wie Prof. Drosten & Co. hoffen übrigens auch, dass sich ihre Warnungen nicht bewahrheiten. Nun denn. Es wird ein Drahtseilakt mit den epidemiologischen Notwendigkeiten auf der einen und den sozial-psychologischen Bedürfnissen auf der anderen Seite. Hoffen wir nur, dass uns dieser Balanceakt gelingt. Damit schließe ich mein Corona-Tagebuch. Im Grunde genommen habe ich es ja nur geschrieben, um zu verstehen. Ich hoffe, das habe ich nun: Das Leben ist widersprüchlich – auch in dieser Krise 😉

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un an snuutlappen denken, dat is nu bannig wichtig!

Meiers Rückblick 20/04 in 100 Sekunden

1. Mai 2020

April 2020: Monat 2 seit oder mit Corona. Vor knapp sieben Wochen herrschte hier an der Küste noch Jubel, Trubel, Heiterkeit. Der Rest ist Krise. Bisher hat eine große Mehrheit den Regierenden vertraut und die beschlossenen Maßnahmen akzeptiert. Allerdings mehren sich die Klagen, auch vor Gerichten, weil die Verhältnismäßigkeit oder Sinnhaftigkeit von Einschränkungen nicht immer bzw. immer weniger geteilt wird. Das hängt zum Teil mit unserem föderalen System zusammen, es hat aber auch eine ethische Komponente und jedes Bundesland entscheidet in eigener Zuständigkeit über Verbote, Beschränkungen und deren Lockerungen.

Ein Blick nach Schweden, weil das Land zurzeit oft als Beispiel für einen lockeren Umgang mit der Viruskrise genannt wird: Der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos sagte vor Tagen in einem Interview mit Verweis auf das Lenin-Zitat „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“:
„Die ganze Welt ist im Moment leninistischer als Schweden.“
Und Napoleon sagte einst: „Am Ende einer Schlacht werden die Toten gezählt.“ Aktuell sieht das nicht gut aus für die Schweden.
Jedenfalls wird aus unserem geplanten Urlaub im Norden nix, die Bundesregierung hat die aktuelle Reisewarnung bis zum 14. Juni verlängert. Am 13. wollten wir zurück sein. So bleibt nur ein Foto vom Haus unserer Bekannten 😉 Aber ist sicher besser so!

Rückblickend kann man natürlich immer sagen: Hinterher ist man schlauer. Das klingt trivial, ist es aber in dieser Krise nicht. Wer heute zu entscheiden hat, muss sich auf Daten stützen, die teilweise auf Annahmen basieren. Etwas Besseres haben wir nicht, um Entwicklungen abzuschätzen. Vieles bleibt im Ungenauen, es gibt keine Blaupausen für das alles hier. Damit müssen wir leben, ebenso mit der Einsicht, dass sämtliche Gedankenspiele spekulativ sind. Deshalb ist es keine Schande zuzugeben, schon gar nicht für Wissenschaftler, wenn man heute aufgrund neuer Erkenntnisse nicht mehr seiner Meinung von gestern ist. Das gilt insbesondere für eine zweite Infektionswelle, vor der dieser Tage häufig gewarnt wird.

Präventionsparadoxon

Der RKI-Vizepräsident Prof. Schaade findet es paradox, dass zunehmend die bisherigen Maßnahmen infrage gestellt werden:
Bei uns war doch bisher alles nicht so schlimm, Kliniken waren nicht überlastet, ergo hätte es des Shutdowns in dem Ausmaße gar nicht bedurft.
Hallo? Ja genau das war doch das Ziel und das haben wir erst einmal erreicht. In der Soziologie nennt man das ein Präventionsparadoxon: Wir sehen die Schäden nicht, die ausgeblieben sind, weil wir sie verhindert haben. Die legendäre Ruth Bader Ginsburg hat ein Paradoxon sinngemäß einmal so erklärt: „Überzeugungen aufzugeben, die funktioniert haben, ist, als würde man seinen Regenschirm in einem Gewitter wegwerfen, weil man bisher nicht nass wird geworden ist.“

2019: Heißer denn je

Wenn wir alledem etwas Positives abgewinnen wollen, dann dass der Corona-Shutdown unserer Erde eine Atempause gönnt: Weniger Autos auf den Straßen, kaum Flugzeuge am Himmel, viele Fabriken stehen still. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird in 2020 deutlich zurückgehen. Die Pandemie ist effektiver als alle Umweltmaßnahmen zuvor. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite ist, dass sich die Staaten zurzeit hoch verschulden und am Ende Geld für den Green Deal fehlen wird. In Anbetracht der Klimaentwicklung wäre das fatal: 2019 war das heißeste Jahr in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – verbunden mit viel zu wenig Niederschlägen. Das ist keine Ausnahme, sondern längst ein Trend: Elf der zwölf wärmsten Jahre fallen in die letzten zwei Jahrzehnte. Und in diesem Jahr geht es auch schon wieder los:

Jubiläumsbeitrag Nr. 750
bliev gesund un alltiet an snuutlappen denken!

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