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Alternative Fotoblog – ich bin dann mal weg

4. Oktober 2019

Das schöne an WordPress ist, dass Beiträge vorgeschrieben und die Veröffentlichungen geplant werden können. Ich saß nämlich heute um das hier zu schreiben gar nicht am PC, sondern bin schon seit zwei Tagen weg. Erstmal i. S. Job, danach zur Erholung davon im Harz. Und dann ist der Oktober schon bald vorbei. Ich weiß, dass das erstens wohl nicht besonders interessiert und zweitens kaum jemand bemerken würde. 😉
Darum schlage ich als Alternative einen Besuch auf den Seiten meines Fotoblogs -> KLICK vor. Da wird ausdrücklich nicht politisiert, das interessiert ja auch nicht jeden, dafür gibt es viel zu sehen. Tatsächlich habe ich es nämlich geschafft, meine Fotokiste aufzuräumen und die letzten Fehmarnbilder in drei Beiträge zu packen:

Fehmarn 2019 I/III | II/III | III/III | Fotoblog: Inhaltsverzeichnis

bis in drei, vier Wochen – und immer hübsch munter bleiben 705

 

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Meiers Rückblick 19/09 in 100 Sekunden

1. Oktober 2019

September: 3 Ereignisse sind mir in Erinnerung geblieben und ich denke, sie werden uns medial noch lange verfolgen:

1. natürlich die Klimadebatte. Ich weiß, manch einer kann das nicht mehr hören, das geht auf den Keks. Nützt aber nix. Die Natur hat noch nie Rücksicht auf Einzelschicksale genommen. Und die Medien schon gar nicht. Das werden sie auch zukünftig nicht. Wenn sich nix tut, steigt der Meeresspiegel und vielleicht weicht bei den Klimaaktivisten der Idealismus von heute dem heiligen Zorn von morgen? Auch wenn es immer noch Leugner gibt, die den anthropogenen Treibhauseffekt nicht sehen wollen und alles für Hysterie halten, es gibt ihn und deshalb will unsere Regierung nun wirklich die selbst gesteckten Klimaziele erreichen. Sagt sie. Erfolg: fraglich. Wiedervorlage: monatlich.

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Die Ereignisse 2 und 3 sind unsere beiden mad boys. Der Donald und der Boris. Die beiden verhaltensoriginellen Jungs und Brüder im Geiste haben in den letzten Wochen für viel Furore gesorgt. Impeachment. Brexit. Nun ja, wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber lachen. Doch leider sind sie im Hauptberuf jeweils Chef eines sehr wichtigen Staates und viele Wirtschaftsbosse bewegen sich deswegen zwischen Hoffen und Bangen. Wiedervorlage: Solange sie (noch) im Amt sind.

Interessant finde ich dabei immer wieder, wie unterschiedlich Medien bzw. Journalisten ein und die selbe Realität interpretieren. Dieser Screen vom 14. September bezieht sich auf Nachrichten verschiedener Redaktionen zum selben Thema. Ist das noch die Freiheit der einzelnen Journalisten oder schon Framing der Verlage?

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Das Eis, die Meere und der Wald

27. September 2019

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11. September im Deutschen Bundestag, Zitat: “Sie ruinieren unser Land mit der absurden Idee, gleichzeitig aus Atomenergie und Kohleverstromung aussteigen zu können und zu einem fiktiven Datum in nicht allzu ferner Zukunft, typisch Planwirtschaft, das Land CO2-neutral zu machen. Muss man sich mal vorstellen. Das ist absolut grotesk und das ist ein ökonomischer und naturwissenschaftlicher Nonsens. Vorgeblicher Klimaschutz ist nichts anderes als ein monströses De-Industrialisierungsprogramm verbunden mit veritabler Arbeitsplatzvernichtung. Sie verschwenden Abermilliarden, um imaginierte Weltuntergänge in ferner Zukunft abzuwenden. Sie lassen sich von fragwürdigen Lobbyisten wie die Deutsche Umwelthilfe, aus meiner Sicht gehört diese Lobbyorganisation verboten, am Gängelband führen.”

Beides habe ich “zu 702” von einer Bekannten erhalten: Die Karikatur stammt aus der Feder von Gerhard Mester, gezeichnet 2013, sie soll auf Twitter die Runde machen (weshalb ich mir erlaube sie hier zu zeigen), und das Zitat stammt aus dem Mund der AfD-Fraktionsvorsitzenden Weidel, gerichtet an Kanzlerin Merkel, so nachzulesen im Stern.

Wenn die Ignoranz des anthropogenen Anteils am Klimawandel in der AfD bzw. bei den Rechtspopulisten nicht so traurig wäre, könnte ich einfach nur den Kopf schütteln und gut wär. Aber nee. Vorgestern hat der Weltklimarat – erneut – vor der Eisschmelze gewarnt. Ja, das tut er schon länger. Deshalb werden hier seit 10 Jahren alle Hochwasserschutz-Maßnahmen mit einem Klimazuschlag von 50 cm an der Nord- und 30 cm an der Ostsee versehen. Das macht das Land Schleswig-Holstein bestimmt nicht, weil es zu viel Geld hat. Im Gegenteil. Seit vorgestern wächst in der Kieler Landesregierung die Erkenntnis, dass das nicht ausreichen könnte. Grund ist die sich beschleunigende Eisschmelze. Die Eismassen an den Polen und der Gletscher schmelzen schneller als bisher angenommen und in Folge dessen steigt der Meeresspiegel immer schneller. Aktuell 1 cm in knapp 3 Jahren. Das klingt nicht nach viel, aber die Tendenz ist deutlich steigend. So wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts ein Anstieg von 60 bis 110 cm prognostiziert, sollte der Erderwärmung nicht schleunigst Einhalt geboten werden. Ich werde das nicht mehr erleben. “Nach mir die Sintflut?” Nee! Ich denke auch an die Kinder von heute.

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Aber es ist nicht nur der steigende Meeresspiegel. Unser gesamtes Öko-System verändert sich. Wer offenen Auges durch die Natur geht, der sieht das. Jeder Landwirt und Waldbesitzer merkt das, weil es an das eigene Portemonnaie geht. Nach dem Dürrejahr 2018 haben die deutschen Landwirte hohe Finanzhilfen erhalten, vorgestern wurde für die Waldbesitzer ein großes Hilfepaket geschnürt: Alles zusammen über 1 Milliarde Euro. Plus Hochwasserschutz, plus Schäden durch vermehrt vorkommende Naturereignisse, plus, plus:  Es sind Milliarden Euro, die allein uns Deutschen die Klimaveränderung in den letzten Jahren gekostet hat. Es werden nicht Abermilliarden verschwendet, sondern damit wird auf die Umstände reagiert. Und jeder heute nachhaltig investierte Euro ist eine kluge, sinnvolle Investition. Absolut grotesk ist, was die Klimawandel-Leugner, die Rechtspopulisten, dazu verbal absondern.

Wir alle können etwas dafür tun, dass unsere Deiche nicht nach und nach noch weiter erhöht werden müssen. Aber jetzt, nicht vielleicht morgen.

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Die mächtigste Frau der Welt …

25. September 2019

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Start spreading the news, I’m leaving today. I want to be a part of it – New York, New York. Bekannt wurde der Song durch Frank Sinatra. Lang, lang ist’s her. Und New York heute? Welche News gilt es heute aus der Stadt an der amerikanischen Ostküste zu verbreiten?

UN oder UNO. Die Vereinten Nationen. Die haben ihren Sitz in New York und ab und zu treffen sich dort die Mächtigen der Welt. Also hauptsächlich Politiker. Und aktuell haben sie sich dort getroffen, um einen Klimagipfel abzuhalten. Geredet haben sie viel – und versprochen. Reden durfte auch die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. 16 Jahre ist sie alt. Und man kann es drehen wie man will, aber in Sachen Klimaschutz hat sie in einem Jahr mehr erreicht als alle warnenden Wissenschaftler und halbherzigen Politiker in den letzten Jahrzehnten zusammen: Der Klimaschutz ist weltweit im Bewusstsein so vieler Menschen angekommen und dadurch wird der Druck auf die Politik immer größer. So wird von der diesjährigen UN-Vollversammlung besonders eines in Erinnerung bleiben: Die sehr emotionale und anklagende Rede der jungen Klimaschützerin – die Bild-Zeitung nennt es eine “seltsame Wutrede” – ebenfalls verbunden mit einem Versprechen:
“Der Wandel kommt, ob es euch gefällt oder nicht!”

CO2-Entwicklung-Deutschland-2019bJa, ein Wandel wird kommen. So oder so. Wie ich das behaupten kann? Weil es unverhandelbare Naturgesetzmäßigkeiten gibt. Ich glaube den 99 Prozent der Wissenschaftler, die von einem anthropogenen Treibhauseffekt sprechen. Wie groß der auch immer sein mag. Ich glaube daran, dass das Pariser Klimaabkommen Schlimmeres verhindern könnte – so sich denn alle daran halten würden. Mit Blick auf die Grafik links und das jüngst halbherzig beschlossene Klimapäckchen unserer Regierung habe ich allerdings Zweifel, ob Deutschland den nötige Beitrag dazu leisten wird. Ich sag’ mal: “Das Vorhaben ist sehr ambitioniert.” Salopp ausgedrückt: „Entweder wir wandeln uns in unserem Verhalten oder die Natur wandelt sich mehr als uns jemals lieb sein kann!“ 

Eins noch: Jetzt bitte nicht reflexartig auf die Chinesen zeigen. Der Chinese verursacht Pi mal Daumen so viel CO2 wie der Europäer. Aber in Europa sind wir Deutschen die größten Emittenten (siehe „Schimpansen-Test“ Frage 3) und nach allem was zu lesen ist, wird China seine Zusagen gemäß des Pariser Abkommens einhalten – die USA / Trump hingegen haben es aufgekündigt. Und so wie so: Das Fehlverhalten anderer darf nicht das eigene Handeln rechtfertigen! Besser ist, mit gutem Beispiel voran zu gehen.
Bundeskanzlerin Merkel galt einmal als die mächtigste Frau der Welt – weil sie Entscheidungen mit Tragweite getroffen und durchgesetzt hat. Heute sagt man ihr „politische Mutlosigkeit“ nach. Mächtig sieht anders aus.

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Nix is ungesunner as ne Krankheet

10. September 2019

Sofa. Ich habe – mal wieder – Besuch von meinem Herrn Bechterew. Sprich einen Rheumaschub und der lässt mich eher auf dem Sofa liegen als am Schreibtisch sitzen.

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Mein Fernsehkonsum hat sich dieser Tage vervielfacht. Was soll Mann auch anderes machen, als sich bspw. bei der Liveübertragung aus dem britischen Unterhaus über den Mister Speaker John Bercow zu amüsieren: “Ordeer, Ordeer!” Wenn nur der Anlass nicht so traurig, irrsinnig oder sonst was wäre. Warten wir ab, was mit PM Boris Johnson, dem Brexit und Großbritannien überhaupt passiert. Abwarten kann jetzt auch nur die beliebte Politikerin Manuela Schwesig. Brustkrebs. Heute hat sie in einer emotionalen Rede erklärt (Bild), wie es weiter gehen soll. SPD nix, Meck-Pom ja. Doch das ist alles unwichtig. Wichtig ist, dass die Therapien anschlagen uns sie den Krebs besiegen kann.

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“Mein Auto macht mich krank” sagte neulich ein Bekannter zu mir. “Oder dein Auto die Leute” antwortete ich mit einem Augenzwinkern in Bezug auf den hohen CO2-Ausstoß seines Stadtförsterautos. Nun ja, zwei-Komma-vier Tonnen Leergewicht, angetrieben von 240-Euro-fünf-VW-Diesel-PS sind heute nicht mehr das, womit man sich überall Freunde macht. Schon gar nicht bei einem Autohändler, wenn so ein Straßenpanzer in Zahlung gegeben werden soll. Dann steht VW für völlig wertlos! Aber als das Auto vor 8 Jahren neu war, hat darüber noch niemand gesprochen. “Das Auto hat mal über 50.000 € gekostet, heute kriege ich keine 10 mehr dafür, das sind über 5.000 € Verlust pro Jahr, 450 € im Monat!”

VW-ID3-2019-IAA-bIch verstehe, dass diese Zahlen bei meinen Bekannten kränkelnde Anwandlungen hervorrufen. Heute sehe im Fernsehen die Vorstellung des neuen VW ID.3. Ein völlig neu konzipiertes E-Auto. Ich lerne, dass die 3 für die dritte revolutionäre Idee des Volkswagen-Konzerns stehen soll: Idee 1 war der VW Käfer, Idee 2 der VW Golf, nun eben Idee 3. Ob diese 3. Idee die VW AG weiter an der Weltspitze der Automobilkonzerne hält – wo ihn die beiden ersten Ideen hingeführt haben? Kritische Stimmen – aus Deutschland – gibt es genug, die eine Fokussierung von VW auf die Elektromobilität für falsch halten. Nun ja, aber der deutsche Markt ist nicht der Nabel der Welt, die Zukunft des Konzerns liegt mittlerweile ganz woanders –> wer hätte es gewusst, Frage 4 😉 Vielleicht weiß das manch ein Kritiker nur noch nicht – und de klööksten Stüerlüdd sitt jümmers op’t Dröge 😉

Allen Kranken: Gute Besserung und werdet wieder gesund! 701

Meiers Rückblick 19/08 in 100 Sekunden

1. September 2019

Mein medialer August beginnt am 1. mit einem Kommentar von Arno Orzessek (DLF): „Besser wettern mit Kachelmann“. Damit ist nicht die Wettervorhersage-Qualität des bekannten Meteorologen gemeint, sondern sein begründeter und ebenso worterfinderischer Attacken-Stil gegen eine „kollektive Bescheuerung in Medienhäusern“ oder „frei erfundenen Schwachsinn“ schreibende Journalisten und andere Schlaumeier. Ein Klassiker ist der immer wieder zu lesende Irrglaube, Glasscherben können bei Sonne ein Feuer entfach. NEIN! Diesen „völligen Stuss“ sollen „skrupellose Journalistendarsteller“ unterlassen zu verbreiten, ebenso andere „Lügen aus Profitgier“, denn Hitze allein verursacht weder Waldbrände noch eine Dürre. Und so weiter.

Was Kachelmann antreibt, ist leider medialer Alltag: „Ahnungslose Journalisten mit dem Recherche-Impetus eines abgetauten Kühlschranks“ schreiben Halbwahrheiten, die oft einen Shitstorm auslösen. Ein Beispiel dafür liefert am 15. Jost Maurin (taz): In seinem Beitrag zur Greta-Thunberg-Atlantik-Segel-Überquerung suggeriert er mit Verweis auf einen Emissionsrechner, dass ein zusätzlicher Passagier in einem Langstreckenflugzeug bei einem Atlantik-Flug 1.800 kg CO2 verursacht. Beispielhaft nachgerechnet sind es rund 75, denn logischerweise muss eine zusätzliche Person ins Verhältnis zur restlichen Flugzeugmasse gesetzt werden.

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Für den Rest sorgen zurzeit die üblichen Verdächtigen: Emmanuel „le President” Macron, Boris „No Deal“ Johnson, Matteo „Forza Italia“ Salvini, Annegret „Miss Verstanden“ Kramp-Karrenbauer, und, und, und. Das Angebot ist groß. Was mögen all diese Nachrichten mit der Lebenswirklichkeit der Leserinnen und Leser zu tun haben? Wahrscheinlich so viel nicht.

Last but not least das noch: Die Landwirte klagen: Die Getreideernte ist unterdurchschnittlich ausgefallen. Mal regnet es zu viel (2017), mal zu wenig (2018). Irgendetwas ist ja immer 😉

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Abseits

27. August 2019

Fußball-AbseitsAbseits ist bekanntlich dann, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das wissen sogar die meisten Nicht-Fußballer. Die Regelkunde sagt: Abseits ist, wenn ein Spieler näher zum Tor steht als zwei Gegenspieler.

So fühle ich mich, abseits – abseits des guten alten Fußballs. Zwischen mir und meinem Interesse steht nur noch der Kommerz. Nun hat mein innerer Schiedsrichter gepfiffen.

Nein, es sind nicht nur die ewigen boulevardesken Meldungen aus der Gerüchteküche. Die gehen mir zwar auf den Geist, aber ich habe auch Verständnis, denn schließlich lässt sich mit dem Fußball gut Geld verdienen. Geld, was zum Teil in Form von Fernsehgeldern, Werbeeinnahmen und Merchandising an die Vereine zurückfließt. D. h., die Vereine, die schon viel haben, kriegen noch mehr dazu. So ist das System. Und die Verbände denken sich immer neue Formate aus, um die Einnahmen zu steigern.

„Geld schießt Tore“ ist mittlerweile mehr als eine Phrase, es ist die Realität. Vielleicht nicht immer, aber immer öfter. Beim Spiel des FC Bayern München bei Schalke 04 am letzten Samstag saß bei den Bayern mehr Marktwert auf der Bank als die Schalker auf dem Spielfeld hatten. Und Schalke ist kein Umsatz-Nobody, gehört immerhin zu den TOP 20 der Deloitte-Football-Money-League-2019. Die Bayern gewannen übrigens 3:0.

Schauen wir uns die letzten zehn Spielzeiten der vier europäischen Top-Ligen an, so haben die reichen Vereine die Meisterschaft fast immer unter sich ausgemacht. Es kommt schon einer sportlichen Sensation gleich, wenn mal ein „Nobody-Verein“ eine Meisterschaft gewinnt, wie vor 3 Jahren Leicester in England.

Fußball, das waren für mich einmal Emotionen. Auch Emotionen fernab meines Geschmacks, die ich nie gutgeheißen habe. Gefühlt hat für mich aber seit Jahren eine Rechtsradikalität Einzug in manche Stadien gehalten, die ich nur noch abscheulich finde. Werden heute politische Debatten in den Fankurven der Stadien ausgefochten?

NEIN! Das ist nicht mehr mein Fußball. Meisterschaften sind nach der Wirtschaftsstärke der Vereine vorhersehbar und für mich wird zu wenig gegen die radikalen Kräfte getan, die den Fußball instrumentalisieren. Was hat das noch mit Sport zu tun? Aus meinem Abseits betrachtet: NIX!

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Das ist doch doof

19. August 2019

Ich weiß nicht mehr, was ich in den letzten Tagen zuerst gehört habe. Mitunter packe ich Erzähltes als Nebensächlichkeit in die hinterste Ist-eben-soSchublade, bis ähnliche Geschichten dazu kommen. In unsortierter Reihenfolge:

Sonntag zu kurz 2-b+ Klage eines alten Kumpels, Rentner mit 63, 48 Handwerker-Berufsjahre in derselben Firma: In Österreich erhalten Rentner bei einer vergleichbaren Lebens-Arbeitsleistung eine höhere Rente als in Deutschland, hier brauche er zur Rente noch einen Minijob.

+ Klage einer Pflegekraft: Ein kleines Pflegeheim muss wegen Mangel an ausreichendem Fachpersonal schließen, eine andere Betreiberin würde gerne Personal aus dem Ausland einstellen, aber deren Ausbildungsnachweise werden nicht anerkannt. Der Job mache wegen der permanenten Überlastung keinen Spaß mehr.

+ Klage einer Mutter: Ihr jugendlicher Sohn kann wegen seiner Behinderung nicht in die Schule, weil es für ihn dort noch keinen geeigneten Schulbetreuer gibt. So etwas würde es in Schweden nicht geben, dort sei das Sozialsystem viel besser als bei uns in Deutschland.

+ Klage eines heimischen Fischers: Er überlegt seinen Betrieb aufzugeben, weil er wegen der Fangquoten kaum noch über die Runden kommt. Und wenn die anderen Fischer wegen der aktuellen Fangverbote für Dorsch in der östlichen Ostsee nun auch noch in der westliche Ostsee fischen würden, dann sei das Aus der “kleinen Küstenfischerei” nur noch eine Frage der Zeit, denn Ausgleichszahlungen würden längst nicht ausreichen um das Überleben zu sichern.

+ Klage einer Bekannten: Die ortsnahe Landschlachterei hat ihr Geschäft geschlossen und verkauft nur noch auf weiter entfernten Wochenmärkten, weil sich der Ladenbetrieb a) wegen der hohen Kosten nebst Auflagen und b) wegen der Discounter-Billigangebote nicht mehr lohnt. Damit bleibe ihr nur noch der Weg zum Supermarkt im Ort oder Vegetarierin zu werden.

Nun ja, – Achtung Phrase – alles was wünschenswert ist, ist nun mal leider nicht machbar. Hört man diesen Leuten zu, möchte man ihnen recht geben, möchte ihnen sagen: „Das ist doch doof!“. Manchmal wider besseren Wissens. Manchmal ahnt man jedoch, oder weiß sogar, dass es zu der Klage auch eine Kehrseite der Medaille gibt. Jedes Problem wäre im Grunde einen Beitrag wert, mit Für und Wider, aber wen interessiert das schon – außer den Betroffenen selbst? So bleibt jede Klage was sie ist: Die persönliche Unzufriedenheit eines anderen Menschen. Verbunden mit der obligatorischen Frage: „Haben wir nicht alle unsere Probleme?“ Vielleicht ja. Vielleicht sollten die aber bei mehr Gelassenheit keine sein. „Det skal nok gå“ sagen unsere dänischen Nachbarn. Diese vier Worte sagen alles über ihre Lebenseinstellung aus, deshalb zählen sie zu den glücklichsten Menschen der Welt. Jedenfalls sagt man ihnen das nach, wenngleich „Glück“ viel mit der eigenen Zufriedenheit zu tun hat. Doch was antwortet man jemandem, der seine Situation – aus gutem Grund – beklagt? Nichts? „Das ist doch doof ….“

Aber sonst ist alles gut!
In dem Sinne wünsche ich eine problemlose Zeit!

Deutscher Glücksatlas 698

to fly or not to fly, that is the question – oder diese verflixte Rechnerei

16. August 2019

Gestern erwähnte ich einen Tweet zu einem Artikel über eine 16jährige Klimaaktivistin, die zwar zu einer Klima-Veranstaltung in den USA über den Atlantik segelt statt fliegt, aber diese Segelei aus logistischen Gründen wiederum 6 Flüge verursacht. Ergo resümiert der Journalist: „Würde sie fliegen, wäre die Reise klimafreundlicher.“ Nun Ja. Diese Logik mag sich vielleicht einem Korinthenkacker erschließen, mir nicht und ich halte das für verwirrenden Blödsinn – und das habe ich auch in einem Antworttweet an den Artikelverfasser zum Ausdruck gebracht:

Vorab: Ich weiß wie sehr die Fliegerei die Umwelt belastet und will den Umstand wahrlich nicht kleinreden. Aber bitteschön, wir sollten uns an die Fakten halten: Die Aktivistin segelt also, zusammen mit ihrem Vater. Um die Yacht wieder nach Europa zu überführen, müssten „etwa fünf“ Segler in die USA fliegen und der aktuelle Skipper würde zurück nach Deutschland ebenfalls einen Flieger nehmen. Es geht also um vier Flüge. Weiter wird ein Emissionsrechner (atmosfair) zu Rate gezogen, nach dem so ein Flug eine Klimawirkung von 1,8 t CO2 pro Person haben soll. Und da fängt für mich der Schwachsinn an. Das Gute an den Naturwissenschaften ist nämlich, dass man alles berechnen kann – wenn man es denn kann.

Allerdings muss man gar nicht großartig selbst rechnen, sondern nur auf entsprechenden Fachseiten nachlesen: Ein gängiges Langstreckenflugzeug wie bspw. der Airbus 350-900 hat – Pi mal Daumen – für einen Atlantikflug ein angenommenes Startgewicht von 225 t = 120 t Leermasse, 60 t Kerosin, 30 t für 300 Passagiere plus 15 t Ladung. Um den CO2-Ausstoß zu berechnen gilt wissenschaftlich der Multiplikator 3,15, somit sind das knapp 190 t für einen 6.000-km-Flug über den Ozean. Bei 300 Passagieren (90 % Auslastung) entspricht das rund 4 l (3,3 kg) Kerosin oder knapp über 10 kg CO2 pro Passagier auf 100 km – bzw. etwas über 600 kg für den Beispielsflug. Ein vollbesetzter Flieger wäre bei der Pro-Kopf-Berechnung 10 % günstiger, aber das ist nur Statistik. Jeder mag selbst abschätzen, was bei diesen Gewichten 1 oder 5 Mitflieger mehr oder weniger ausmachen: nämlich so gut wie nix!

Dazu das: Ich habe verschiedene Emissionsrechner getestet und die unterschiedlichsten Ergebnisse für dieselbe Strecke erhalten: Ein Fall war nahe an meiner Berechnung, ein anderer dreimal so hoch. Keine Ahnung was dort alles mit einberechnet wird. Viele halten die auf den Seiten eingeforderte CO2-Kompensation allerdings für nichts anderes als einen Ablasshandel (SZ bereits 2010). Doch wer meint als Flieger sein Gewissen mit einer Spende für irgend ein Klimaschutzprojekt beruhigen zu müssen, der soll zahlen. Gerne doch.

Grundsätzliches: An diesem Beispiel mit der Fliegerei wird deutlich, wie wir alles berechnen und damit verwirren können. Wer blickt da noch durch? E-Autos zum Beispiel: Es gibt unzählige Studien, die die Stromer mit Verbrennern vergleichen. Wie ökologisch ist welche Antriebsart bei welcher Laufleistung? Anschließend wurde jede dieser Studien von unterschiedlichsten Seiten verrissen, weil den Erstellern teils Lobbyarbeit, teils falsche oder unberücksichtigte Annahmen bescheinigt wurde. Schlimmstenfalls beides. Andere Beispiele gibt es genug: Über die Ökologie unserer Nahrungsmittel, Auto vs. ÖPNV, usw., usw.. Eins ist jedoch unumstößlich: Der Verzicht. Wenn weniger Menschen fliegen und dadurch Flüge nicht mehr stattfinden würden, wäre das ein Gewinn für die Umwelt. Gleiches gilt, wenn wir nur so viel Auto fahren würden wie wir brauchen (Größe – weniger ist mehr) und müssen (Fahrten), beim Einkauf auf Plastiktüten verzichten und regionale Produkte achten würden, usw., usw.. Aber das weiß sicherlich – auch dank Friday for Future – mittlerweile (fast) jeder. Nur macht sich nicht jeder etwas daraus und hält es mit dem Kästner Erich: Entweder man lebt, oder man ist konsequent. Nun ja, wie wäre es – für den Anfang – mit einem gesunden Mittelweg? Allein unseren Kindern und Enkelkindern zuliebe!

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Der Tag mit Regen

15. August 2019

Heute regnet es. Immer wieder oder fast nur. Gut, dass ich gestern Abend zur blauen Stunde noch am Strand war. Heute wär’s die graue Stunde 😉

So ein Regentag, nun ja, jede Medaille hat zwei Seiten, das hatte ich gestern erst. Statt Strand ist bei mir heute Aufräumen angesagt. In der Wohnung wie auch am PC. Diesen Tweet finde ich originell:

Hat der FCB-Trainer Nico Kovac eine Charme-Offensive gestartet? Jedenfalls kommt er für mich in der letzten Zeit immer sympathischer rüber und vielleicht ist das seine Art, auf die dauernden Sticheleinen des FCB-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zu reagieren – sogar von Mobbing seitens seines Vorgesetzten wurde schon gesprochen. Inwieweit man all das allerdings ernst nehmen muss, ist eine andere Frage. Der Sportjournalismus erfüllt für mich oft alle negativen Merkmale der Yellow Press – überhaupt wenn es um Bayern München geht. Und wenn ich lese, wie die Sport-BILD im Fall Jatta (HSV) auf alle journalistischen Standards verzichtet, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Aber so etwas bringt Auflagen & Klicks! Unschuldsvermutung? Scheinbar ein Fremdwort für die BILD-Schreiberlinge.

Einen Tweet möchte ich noch unbedingt zeigen, bevor das Bild in den Tiefen meines Archivs verschwindet:

Ohne Worte. Ebenso ohne Worte, ich sehe gerade einen Tweet, ist für mich der Hype um eine 16jährige Klimaaktivistin. Die ist aktuell auf dem Weg zu einer Veranstaltung in den USA und überquert dazu den Atlantik in einem Segelboot. Im Segelboot deshalb, weil Segeln natürlich klimafreundlicher ist als Fliegen. So weit so gut. Nun haben Journalisten recherchiert, dass der Segeltörn nach New York aus logistischen Gründen mindestens sechs Flüge über den Atlantik verursacht. Ergo: würde sie fliegen, wäre die Reise klimafreundlicher. Ehrlich? Fliegen die Flieger nicht so wie so? Ja, ja. Wer lange genug seinen Kopf über der Suppe schüttelt, der wird auch ein Haar in selbiger finden. Zitat von Sven Meier. Es regnet schon wieder.

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