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Gut wieder hier zu sein

24. Oktober 2020

für M.


[777] Musik-Auto-Liedermacher

Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen,
gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehn.
Mit meinen Wünschen, mit meinen Fragen,
fühl ich mich nicht allein,
gut euch zu sehn.

A7. Unterwegs nach Süden. Von einer Baustelle zur nächsten. Die Nachrichten kennen hauptsächlich nur ein Thema. Leider wird per se nichts dadurch besser, dass es auf jedem Sender wiederholt, interpretiert und kommentiert wird.
Für derlei Fälle habe ich immer ein paar CDs im Auto. Mey-Wader-Wecker – das Konzert. Passt. Ein Album anlässlich des 60. Geburtstages von Hannes Wader. Der war 2002. Alter Mann habe ich damals gedacht. Heute bin ich demnach selbst einer.

Wer daran glaubt, alle Gefahren
nur auf sich selbst gestellt, zu übersteh’n
muss einsam werden und mit den Jahren
auch an sich selbst zugrunde gehen.

Gut wieder hier zu sein ist ein Lied aus der Feder von Allan Taylor mit dem deutschen Text von Hannes Wader. Ich mag die Songs der alten Liedermacher. Ihre Texte haben – für mich – einen so tiefen Sinn, der scheinbar nie an Aktualität verliert.

Und soll mein Denken zu etwas taugen
und sich nicht nur im Kreise dreh’n,
will ich versuchen, mit euren Augen
die Wirklichkeit klarer zu sehn.

Gut wieder hier zu sein – in diesem Fall in meiner Alten Heimat. Es ist wohltuend in diesen pandemischen Zeiten mal aus seiner Blase raus zu kommen und zu sehen, was andere Menschen so an- und umtreibt. Wenn Mann immer nur Gleiches hört, wird der Blick mit der Zeit vielleicht doch etwas getrübt. Oft gibt es eben verschiedene Sichtweisen auf dieselbe Realität. Die mögen schon allein davon abhängig sein, ob man im vom Tourismus abhängigen Norden oder im industriell geprägten südlichen Niedersachsen wohnt.

Und weiß ich heute auf meine Sorgen
und Ängste keine Antwort mehr,
dann seid ihr da – schon trag ich morgen
an allem nur nach halb so schwer.

Empört hat mich, was eine 18-jährige Schülerin berichtet: Sie setzt sich für den Klimaschutz (FFF) ein, auf Fleisch aus industrieller Massentierhaltung verzichtet sie und die 12 km zur Schule fährt sie mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Das würde ausreichen, so erzählt sie, um darüber Witze zu machen und ins Lächerliche zu ziehen. Über so etwas will ich mich empören! Und ich würde JEDEM sagen, dass ich derlei Reaktionen mit Verlaub als kleingeistig empfinde. Nein, wir Älteren dürfen uns nicht wegducken, wenn sich die jungen Leute für den Schutz unserer Welt einsetzen. Im Gegenteil, sie haben jede Unterstützung verdient.
Um nicht missverstanden zu werden: Jedem seine Meinung. Ich gehöre bestimmt nicht zu halb Deutschland, das auf dem Sofa sitzt und sich empört, wenn jemand einen guten (politischen) Witz macht (K.T.). Aber eben einen guten, und nicht einen naiv flachen, für den Erfolg eines kurzen Lachers. Wer assoziativ Klimaaktivisten an den Rand der Gesellschaft stellt, der hat für mich die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen,
gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehn.
Mit meinen Wünschen, mit meinen Fragen,
fühl ich mich nicht allein,
gut euch zu sehn.

Bekanntlich darf Satire alles (K.T.). Aber ist jeder Witz auch Satire? Nein – und es gibt gesellschaftlich anerkannte Grenzen, über was man keine Witze macht. Das ist gut so. Jetzt wieder zuhause in meiner Neuen Heimat denke ich mir wie gut es ist, dass eine neue Generation heranwächst, die versucht ihre Öko-Füße nicht so groß werden zu lassen wie unsere sind, die von uns heute Alten. Mit meinen Wünschen fühl ich mich nicht allein: Und ich bin zuversichtlich, dass irgendwann auch das ganze Thema Klimawandel den nötigen Ernst erfährt und darüber keine Witze mehr gemacht werden.

777

Die Sache mit den Äpfeln und den Birnen

17. Oktober 2020

Zahlen sind nicht jedermanns Sache und für manche ist die Mathematik ein Buch mit sieben Siegeln. Es gibt aber auch diese Zahlenmenschen – davon gibt es in meiner Familie mehr als eine(n) – die jede Zahl als solche sehen und wie automatisiert die Interpretation und Plausibilität abchecken. „Bringe bitte 5 Brötchen mit“ ist einfach, da kommt höchstens die Frage, „Wieviel wo von?“ Bei den aktuellen Corona-Infektionszahlen wird es schon schwieriger, zumal wenn verglichen wird:

Ja. wir haben mittlerweile in Norddeutschland – mein Blick auf die regionalen Zahlen, aber die Tendenz gilt wohl deutschlandweit – mehr Neuinfektionen als im Frühjahr. Die Zahlen für sich genommen sind sicher korrekt. Man beachte jedoch das Kleingedruckte: Die Dunkelziffer der Neuinfektionen ist wahrscheinlich deutlich höher. Und der Vergleich Frühjahr / Herbst ist so wie ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Niemand weiß, wie hoch die Zahlen wirklich waren bzw. sind. Experten weisen meist darauf hin: Wir testen jetzt dreimal so viel wie zum Beginn der Pandemie – und wenn wir im März/April hätten schon soviel testen können, dann hätten wir wahrscheinlich offiziell viel höhere Infektionszahlen gehabt. Das klingt logisch und plausibel. Damit will ich die aktuellen Zahlen wirklich nicht kleinreden, sondern lediglich einordnen. Und es liegt an uns selbst, wie sich das Infektionsgeschehen, inklusive der Belastung unseres Gesundheitssystems, entwickelt.

Ein weiterer Punkt zu Äpfel und Birnen: Der Bitte „Erkläre mir mal, warum die Gerichte so unterschiedlich urteilen – gilt nicht gleiches Recht für alle?“ will ich an dieser Stelle gerne nachkommen: Natürlich gilt grundsätzlich ein gleiches Recht für alle, nur ist oft in unserem föderalem System die Rechtsgrundlage nicht gleich. Fast alle Einschränkungen, Verbote, usw., die mit Corona zu tun haben, fußen auf dem jeweiligen Länderrecht. Und da gibt es offensichtliche Unterschiede, die die Gerichte dazu veranlassen, auch unterschiedliche (vorläufige) Urteile zu fällen. Das ist für Verwaltungsmenschen genau so logisch wie für die Zahlenmenschen das mit den Infektionen. Nur: Muss man das als Laie alles verstehen? Sicher nicht! Aber vielleicht können die Medien besser auf die Äpfel und Birnen hinweisen. Vielleicht würde das ein bisschen zur Akzeptanz beitragen?

Habt ein schönes Wochenende, bleibt gesund & munter. Oder werdet es 😉

776

He seggt so und se seggt so

13. Oktober 2020

Dieser Tage ist mal wieder alles verworren. Die Nation scheint gespalten. He seggt so, se seggt so! Un nu? Dat is all en groten Malheur und ik wes nich, wat ich glüven soll. Ich glaube, so hätte das mein Opa damals gesagt und ich will es heute nicht anders ausdrücken. Fangen wir an mit dem Wichtigen: Fußball.

Die Nation, also die eine Hälfte derselben, die Fußball für die schönste Nebensache der Welt hält, der sich alles unterzuordnen hat, also diese ein halbe Nation spielt – mal wieder – Bundestrainer bzw. fühlt sich gewogen, den zu beurteilen. Das heißt zurzeit: Kritik. Kritik von dem 1990er Weltmeister und heutigem TV-Experten, Kritik von dem 2014er Weltmeister und heutigem TV-Experten, und Kritik von vielen, die gerne mal Weltmeister geworden wären: Bla, bla, bla, Viererkette, Dreierkette, Identifikation, und so weiter und überhaupt und so!

Und der Gescholtene? Der tut so, als wenn er das alles in stoische Ruhe hinnimmt, natürlich darf bei ihm jeder seine Meinung haben, sonst (O-Ton) wäre es ja langweilig – und er versichert, dass er wisse, was er tue. Immerhin glaubt ihm das Pi mal Daumen jeder Zehnte und so manch ein altgedienter Sportjournalist nimmt ihn auch öffentlich in Schutz. Der Rest, so jedenfalls die boulevardeske Umfrage von sport1, meint, er solle zurücktreten, bestenfalls noch vor der EM. Ist das reine Stimmungsmache? Clickbaiting? Mal sehen, wie die Stimmung nach dem Spiel heute Abend gegen die Schweiz aussieht. Ich halte mich da erstmal raus – dann muss ich morgen nicht sagen, dass ich heute nicht mehr meiner Meinung von gestern bin. Außerdem: Der Ball ist rund …!

Während sich die ein Hälfte der Nation mit Fußball beschäftigt, hält die andere Hälfte ein Thema für noch wichtiger und sorgt sich um die persönlichen Freiheiten: Corona und warum ist was wo verboten und warum anderswo nicht? Warum darf ich aus einem Risikogebiet als Tagesgast überall hinfahren, aber dort nicht übernachten? Und was verdammt noch mal ist dieser Föderalismus, der das alles so kompliziert macht?

Tja, wer versteht das noch alles? Dazu die Stimmen der Querdenker, die so wie so alles für überzogen halten und das auch damit begründen, dass ja nicht viel passiert. Stimmt, bisher sind wir in Deutschland gut bei weg gekommen, aber schon mal was vom Präventions-Paradoxon gehört? Wie auch immer, während es in der Löw-Frage eine deutliche Tendenz zu geben scheint, sehe ich die beim Virus nicht. Die Bundesländer entscheiden, was sie für richtig halten. Und warum? Weil sie es dürfen. Das zum Föderalismus. Ausgerechnet im schwedischen Dagens Nyheter habe ich heute gelesen (freie sinngemäße Übersetzung):

Regeln müssen einheitlich und gerecht sein
Die Älteren sitzen zuhause, während die 20-jährigen auf den Tischen tanzen.
„Förklara den logiken“ – erklären sie diese Logik Herr Tegnell.

Einheitlich und gerecht? Mein erster Gedanke war, dass das in Bezug auf deutsche Infektionszahlen schon ein Widerspruch in sich selbst ist. Klar, Alt und Jung, das hat vielleicht auch was mit Solidarität zu tun – aber Nord und Süd mit sehr differenzierten Infektionszahlen? Können dann gleiche Regeln für jedermann gerecht sein? Ja, ich habe zwar immer wegen einer besseren Akzeptanz dafür geworben, aber gerade wegen der regionalen Unterschiede kann die auch verloren gehen. Ein Wirrwarr. Und wenn ich dann meinen Nachbarn sagen hören, wir sollten uns unsere guten Zahlen nicht durch Urlauber aus Risikogebieten kaputt machen lassen, dann kann ich ihn auch verstehen. Einerseits. Anderseits …, weiß ich auch nicht so recht.

Aber eins weiß ich: Solange ich nicht dahin gehe, wo viele Menschen sind und Abstände nicht zwingend eingehalten werden (können), solange bin ich mit AHA halbwegs auf der sicheren Seite. Glaube ich jedenfalls. Von dem Rest lasse ich mich überraschen und höre mir an, was die unzähligen Experten, von denen es hörbar fast so viele gibt wie Pseudo-Bundestrainer, zur Sache beizutragen haben. Nötigenfalls gibt es ja auch noch diesen berühmten Schalter …. Oder wie Ringelnatz zu sagen pflegte:

„Wenn alle Stricke reißen, dann hänge ich mich auf.“ 😉

775

Solange sich das System nicht ändert …

7. Oktober 2020

Gestern. Einkaufen bei REWE. Ich stehe in der Schlange vor der Kasse. Hinter mir stellt sich ein mittelaltes Pärchen an, Typ Blouson, Jogginghosen, Sneaker, alles dunkel, er mit Glatze. Nun ja, wem’s so gefällt.

Mit Blick auf die Einkaufskartons im Kassenbereich fängt er an ihr zu erzählen, besser gesagt, er doziert mit gedämpfter Stimme, dass das doch alles eine „Verarsche“ sei, „Pappkartons sind nicht umweltfreundlicher wie die Plastebeutel, mit diesen Pappsachen will man nur die Holzwirtschaft unterstützen“, bla bla bla. Ich will schon auf Durchzug stellen, als sein Satz: „Solange sich das System nicht ändert, ändert sich in Deutschland gar nichts!“, mich aufhorchen lässt. Faschisten-Sprech? Sorgsam lege ich meine Stirn in Falten, ziehe die Augenbrauen hoch und blicke ihn mit leichtem Kopfschütteln an. Ich sage nichts, er ist plötzlich still und ihre Gesichtsfarbe macht in dem Moment alle Steigerungsformen von rot durch.

Auf dem Weg zu meinem Auto denke ich an ein neulich abgespeichertes Bild, ich glaube es wurde von Ruprecht Polenz getwittert, bin mir aber nicht sicher:

Solange sich das System nicht ändert …? Ich frage ich mich und antworte mir selbst: „Was bitte soll man an unserem System ändern? Wir sind ein freiheitlich demokratischer Rechtsstaat mit einer sozialen Marktwirtschaft und einer pluralistischen Gesellschaftsordnung. Gegenüber allen anderen ist unser System doch gut, grundsätzlich – oder nicht?“
Die beiden Jogginghosen steigen einige Meter weiter in ihr Auto ein. Sie würdigen mich keines Blickes, meiner fällt jedoch auf das Kennzeichen und ich murmele vor mich hin: „Shit, warum müssen sich Klischees immer wieder bewahrheiten?“ Nun ja, wir leben eben in einer Urlaubsregion und da kann man so einiges erleben.

Nachgedanken

Auf dem Weg nachhause gehen mir ein paar Gedanken durch den Kopf. War das eben ein Beispiel par excellence für meine Irritationen vom 3. Oktober? Hat der Mann vielleicht eine Vorstellung von Demokratie, wie sie in Ungarn oder Polen herrscht? Will er auch parlamentarische Mehrheiten in einen absoluten Machtanspruch umdeuten, dem sich alles – auch das Recht – unterzuordnen hat? Fühlte sich der Mann vielleicht schon allein durch meinen grummeligen Anblick in seiner Meinungsfreiheit beschränkt? Motto: Das wird man doch noch sagen dürfen …. Ich weiß es nicht – und es ist mir in diesem Moment auch egal.

Noch ein Gedanke kommt auf: Was haben wohl die Alten damals über uns Jungen gedacht, als wir, jedenfalls viele, mit der Rose in der Faust bestenfalls gleich die ganze Welt verbessern wollten? Die Alten, die sich allesamt bis 1945 irgendwie mit dem Nazi-System arrangiert hatten, teils zum eigenen Schutz, teils aus Überzeugung, und die nicht selten mit ihrer sehr konservative Einstellung nichts von gesellschaftliche Reformen hielten. Für diese Alten, Ausnahmen bestätigen die Regel, waren wir Revoluzzer, Radikalinskis, Nichtsnutze oder bestenfalls naive Weltverbesserer. Tja, so war das vor 40, 50 Jahren. Dabei ging es uns – mit Ausnahme der extremen Linken – doch in erster Linie darum:

Der Muff sollte weg! Ein frischer Wind sollte wehen. Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Heute als Ü60 denke ich, dass wir einiges erreicht haben, die Welt ist in meinen Augen eine bessere – wenngleich das System ehrlicherweise mehr uns verändert hat als umgekehrt. Wenn allerdings Rechtspopulisten & Co. behaupten, dass wir nur noch in einer linken pro-forma-Demokratie leben, einem System, was geändert werden muss, dann erregen sie einen gewollten Irrtum, der nur der AfD nutzt, Wahlergebnisse von über 20 Prozent zu erzielen.
Nein, solange sich das System nicht ändert, solange leben wir zwar in keiner perfekten Welt, aber in der besten, die wir je hatten. Das ist meine feste Überzeugung!

Zum Einkaufskarton

Bevor ich etwas falsches sage, habe ich nachgelesen. Auf der Seite des NABU heißt es, ich kopiere:
„Ganz gleich welches Material: Keine Tüten- oder Beutelberge anhäufen. Auch Papiertüten und Baumwollbeutel sind ökologisch nicht besser als Plastiktüten, wenn sie nicht mehrfach genutzt werden.“
Logisch, was die Herstellung betrifft. Aber Papp-, Papier- oder Baumwollsachen können nicht als Mikroplastik in unseren Meeren landen.

774

Der Ball ist rund …!?

6. Oktober 2020

 

DER BALL IST RUND.

Meiner hat eine Delle.

Von Jugend an drücke

und drücke ich; aber

er will nur einerseits rund sein.

Günter Grass

 

Gestern war Deadline-Day. Das mag martialisch klingen, ist jedoch nicht mehr als das Ende der Fußball-Transferperiode in Deutschland. Gestern bis 18:00 Uhr mussten alle Spielerwechsel abgeschlossen sein, seitdem geht nichts mehr. Bis zur nächsten Wechselperiode im Winter. Weil ich am Wochenende unterwegs war und es gestern geregnet hat, habe ich einen Sofa-Tag eingelegt und hin und wieder auf die Sky-Sport-News-Seite gezappt.

Oh ha. Ich musste an das Gedicht von Günter Grass denken, diesem alten Fußball-Freund und Querdenker. Gefühlt hatte er stets ein Widerwort zu den simplen Weisheiten des Leben parat. Gott habe ihn selig. Ich weiß zwar nicht, wann GG dieses Gedicht geschrieben hat, aber er wird seinerzeit schon nicht (mehr) mit den einfachen Fußball-Thesen einverstanden gewesen sein und hat vielleicht eine Entwicklung geahnt, die dem Literaten (& Nobelpreisträger) missfiel.

Ja, Sepp Herbergers „der Ball ist rund“ oder „ein Spiel dauert 90 Minuten“. Was ist daraus geworden? Heute gibt es zu jedem Spiel eine Nachspielzeit und „Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“, stimmt so auch nicht mehr, denn meistens entscheidet das der Videobeweis.

Doch das wird GG nicht gemeint haben, eher der Ball ist rund, im Sinne von Fußball ist eine runde Angelegenheit: Einfache Regeln, elf gegen elf, das Runde muss ins Eckige und welche Mannschaft das einmal mehr schafft, die hat gewonnen. So rund mag das noch vor 100 Jahren gewesen, als 1920 der kicker erstmalig erschien und sich seitdem zum Organ des deutschen Fußballs entwickelt hat. Vielleicht auch noch 1954, das Wunder von Bern, als NWDR-Radioreporter Herbert Zimmermann sein „Rahn schießt! – Tooor! Tooor! Tooor! Tooor!“ ins Mikrofon brüllte und Deutschland erstmalig Weltmeister wurde. Vielleicht, ich weiß es nicht, zu der Zeit hat noch niemand an mich gedacht. Doch spätestens bei der nächsten gewonnenen Weltmeisterschaft, 1974, spielte Business eine große Rolle und bei der dritten gewonnen Weltmeisterschaft, 1990, dürfte jeder deutsche Spieler bereits Millionär gewesen sein. Von 2014 will ich gar nicht reden – der Fußball ist mittlerweile so was von kommerzialisiert und dadurch ungleich geworden, dass man das nicht mehr schön finden muss. Oder nicht mehr rund, eben halbrund mit Delle. Meinetwegen auch mit Beule. 😉

Zurück zu gestern, Deadline-Day. Das war Boulevard-Journalismus par excellence und die müssen Unmengen an Kaffee gekocht haben, um im Abfallprodukt Kaffeesatz lesen zu können. Nun ja, jedem seine Meinung. Amüsant finde ich es immer, wenn genau das Gegenteil dessen eintritt, was die Experten vorher gemeint haben. Höhö 😉 Ich weiß noch, wie vor einem Jahr die Kaderplanung des FC Bayern von einigen Journalisten verrissen wurde und die Münchener genau mit diesem Kader das Tripple gewonnen haben. Chapeau! Das haben noch nicht viele europäische Mannschaften geschafft. Der Rest, na ja. Spieler werden von den Vereinen und Spielerberatern hin und hergeschoben, wie Figuren auf einem Schachbrett. Dazu passt die kolportierte Nachricht, dass der Spieler Douglas Costa am Sonntagabend auf telefonische Nachfrage noch nicht wusste, ob er morgen, also heute gestern, noch Spieler bei Juventus Turin oder bei den Münchener Bayern sein würde. Wie gesagt, Schachbrett …!

Fußball ist wie Schach.

Nur ohne Würfel.

Lukas Podolski

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Was mich am 3. Oktober irritiert:

3. Oktober 2020

[772] Gehaelter-nach-Bundesländer-2016-boT

Alle Jahre wieder: Am 3. Oktober und um diesen Tag herum ist die Deutsche Einheit ein Thema. Also besonders. Denn wir haben sie ja und könnten alle glücklich und zufrieden leben, gäbe es nicht nach wie vor so einige Unterschiede.

Im Grunde können wir jede x-beliebige Deutschland-Bundesländer-Farbgrafik nehmen und wir werden rechts immer andere Farben sehen als links … – NEIN, nicht immer, damit bediene ich nur ein Vorurteil, aber häufig stimmt das schon. Das ist eine Gehaltsgrafik nach den Zahlen von 2016. Ja, im Westen wird mehr verdient als im Osten, aber – schaut man genauer hin – im Süden auch mehr als im Norden.

Das nenne ich nur als Beispiel und habe bewusst die Zahlen wegretuschiert. Denn wenn man mit einem soziologischen Ansatz tiefer in die Materie einsteigt, gibt es rein rationale Erklärungen dafür. Die mögen einem gefallen oder nicht, aber emotionslos betrachtet gibt es sie. Nicht nur zum Gehaltsgefüge, auch in anderen Bereichen.

Geschichte dazu am Rande: Eine Verkäuferin fährt jeden Tag 2 x 35 km von MeckPom nach Lübeck zur Arbeit. Sie sagt, das rechnet sich für sie. In Lübeck verdient sie Tariflohn, in MeckPom würde ihr bei gleicher Arbeit nur der Mindestlohn gezahlt. Ich nehme das mal so hin, denn es muss ja einen Grund haben, jeden Tag 70 km zu fahren ….

[772] Deutschlandtrend201001

Was mich jedoch ziemlich irritiert hat, das ist diese Grafik: Der aktuelle ARD-Deutschlandtrend – Fragen im Hinblick auf den 3. Oktober, die Deutsche Einheit. Mit was an unserer Demokratie ist man nicht zufrieden? Ich bitte um Aufklärung! Und was ist mit den restlichen 32 Prozent in Ostdeutschland, die ihre Meinungsfreiheit heute nicht besser als zu DDR-Zeiten empfinden? Muss ich mein Geschichtsbild ändern? Oder gibt es offensichtlich so große Unterschiede bei der Sichtweise auf dieselbe Realität? Ich bin für Antworten dankbar!

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Meiers Rückblick 20/09 in 100 Sekunden

1. Oktober 2020

September 2020: Wenn ich am Monatsende auf selbigen zurückschaue, jedenfalls mich bemühe, dann merke ich häufig, wie schnell Ereignisse wieder aus dem Fokus gerückt sind. War da was?

Ja, wir leben in verdammt schnelllebigen Zeiten. Und die Redaktionen scheinen nur auf der Jagd nach der vermeintlich nächsten Sensation zu sein. Oft geht dann Quantität vor Qualität.

Ein Beispiel: Der Virologe Hendrik Streeck hat Mitte September mit einem Interview für Aufsehen gesorgt. Ergebnis: Manche feierten ihn danach als Querdenker, andere schimpften ihn einen Corona-Verharmloser. Ursache: Das Interview wurde verkürzt an die Agenturen gegeben und dort hat sich scheinbar niemand die Mühe gemacht, den Text zu verifizieren. So wurde Streeck zwar im Wortlaut korrekt zitiert, aber das waren Antworten auf unterschiedliche Fragen und Erklärungen dazu wurden ganz weggelassen. Liest man sich das Interview in Gänze durch – was nicht so einfach ist, denn es ist hinter einer Paywall versteckt – zeigt sich, dass Streeck sich grundsätzlich mit seinen Kollegen einig ist.

Moria. Griechenland. Flüchtlinge. Wer erinnert sich noch genau? Wir vergessen schnell, dabei ist das Drama im dortigen Flüchtlingslager noch keine drei Wochen her. Auf meinem Spickzettel für diesen Rückblick hatte ich mir vier Punkte notiert:

  1. Humanistisches Armutszeugnis für Europa.
  2. Die Angst, dass sich 2015 wiederholt.
  3. Die Angst, dass es wieder einen Auftrieb für die Rechten gibt.
  4. Es ist zu hören, dass man „Brandstifter nicht auch noch belohnen“ darf.

Nun ja, jeder wird seine Meinung dazu haben. Oder auch nicht. Jedenfalls finde ich es traurig, dass die Rest-EU die drei Mittelmeer- und EU-Staaten Griechenland, Italien und Spanien so ziemlich alleine mit den Flüchtlingen lässt. Auch dank der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 (Dublin III), für die Deutschland maßgeblich mitverantwortlich ist. Aber wenigstens bemüht sich die deutsche Regierung heute um eine europäische Regelung, bisher absolut erfolglos, wird dafür aber im eigenen Land angefeindet. Erkläre mir einer den Fehler.

Überhaupt, die EU? Wenn die Kommissionspräsidentin von der Leyen nicht Mitte September eine Rede vor dem EU-Parlament gehalten hätte,
– nebenbei, eine Rede, der ich gerne das Substantiv „Schaufenster“ vorweg stellen würde –
also ohne diese Rede würde ich wohl glauben, die EU findet nicht mehr statt. Oder habt ihr in den letzten Monaten irgend etwas Wichtiges gehört, gelesen? Und wenn sich irgend welche EU-Leute getroffene haben, dann konnten sie sich auf nix einigen. So jedenfalls mein Eindruck, der sich bei mir – als an sich überzeugtem Europäer – so langsam manifestiert.

Apropos manifestiert: Mein nächster Rückblick in 31 Tagen wird wohl ein paar Sätze zur Deutschen (Un)Einheit enthalten – die uns weitaus mehr als nur den Feiertag an jedem 3. Oktober beschert hat. 30 Jahre. 1990. Und ja, ich muss mir eingestehen, dass sich auch bei mir eine Meinung manifestiert hatte, die sich vielleicht auch in dem ein oder anderen alten Blogbeitrag niedergeschlagen hat. Aber um mir selbst treu zu bleiben, gestehe ich mir ebenso ein, heute nicht mehr meiner Meinung von gestern zu sein. Ich bilde mir ja ein, lernfähig zu sein. Und dazu gehört, dass ich allein aus soziologischer Sicht – für irgendwas muss dieses Fach in meinem Studium ja gut gewesen sein 😉 mittlerweile manches mit anderen Augen sehe, als noch vor Jahren.

Bis denne, bliev gesund un hol di fuchtig!

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Ein Depp mit der App

26. September 2020

Screenshot_20200831-161710_Corona-Warn

Als es die Corona-Warn-App noch nicht gab, wurde deshalb medial rumgemeckert. Das würde in Deutschland alles viel zulange dauern, wegen Datenschutz, usw., bla bla. Dann kam die App – und was ist heute?

Ich lese Zahlen, dass nur etwa jeder dritte Smartphonenutzer die App runtergeladen hat, rund 18 Millionen. Es heißt dazu, dass es mindestens 15 Millionen sein müssten, damit die App auch ordentlich funktioniert. Also alles gut? Mitnichten! Niemand weiß, wie viele Leute die Warn-App heute tatsächlich nutzen. Immer wieder höre ich, dass die App wieder deinstalliert wurde, weil sie Fehlermeldungen zeigt oder vermeintlich zu viele Ressourcen des Smartphones verbraucht.

Es stimmt, die Corona-App wurde nie als Heilsbringer gepriesen. Es hieß immer, sie sei eine zusätzliche Variante um die Verbreitung des Virus besser in den Griff zu kriegen. Aber eins verstehe ich nicht: Wenn jemand schon die App nutzt und positiv getestet wurde, warum teilt er das dann – zum Schutz anderer – nicht über die App mit? Das ist doch der Sinn des Ganzen! Ein Depp mit der App?
Diese Aussage hat mich wirklich verwundert: Minister Spahn räumt ein, dass nur etwa die Hälfte der Nutzer mit einem positiven Corona-Test das Ergebnis über ihr Smartphone melden. Im Ergebnis führt das dazu, dass Amtsärzte kaum einen Nutzen in der App sehen. Nun ja, es ist eben alles freiwillig und die Regierung will niemanden verpflichten.
Anders ausgedrückt: Datenschutz vor Pandemieschutz!
Das ist auch ok für mich, ich will an dieser Stelle wirklich nichts anprangern. Aber mal ganz ehrlich, weil immer wieder mit dem Datenschutz gegen die Corona-Warn-App argumentiert wird: Allein unsere Smartphones sind in der Lage so viele Daten über uns zu sammeln und nach irgendwohin zu senden, was – nach meiner Einschätzung – die allermeisten nicht weiter interessiert. Oder wer hat sich schon mal hingesetzt und ausgeschaltet, was auszuschalten geht, um seine Privatsphäre zu schützen? Und wer überprüft die Einstellungen regelmäßig, ob die nach Updates wieder zurückgesetzt worden sind? Ich nicht, ist mir auch schon passiert 😉

Wie auch immer: Passt auf euch auf und gebt dem Virus keine Chance!

770

Auf diese Touristen können wir gerne verzichten:

14. September 2020

Auf Touristen, die Verkehrszeichen als Wünsche der Behörden interpretieren, die man nicht erfüllen muss, weil sonst der Weg zum Strand länger wäre, …

… die Vorschriften als Empfehlung auslegen – und wenn sie mit ihrem geliehenen E-Bike überfordert sind, auch noch Fußgänger gefährden, …

… oder als Sehleute mit ihrem Auto durch die Gegend bummeln und andere Verkehrsteilnehmer aufhalten. Nicht jeder ist hier im Urlaub, hier wohnen und arbeiten auch Leute, die so etwas nervt.

Was ist an dem Schild nicht zu verstehen? Dünenschutz ist Küstenschutz! Oder sind so viele Analphabeten unterwegs, denen man das vielleicht noch verzeihen könnte?

Wer meint, dass man seinen Einkauf mit dem Einkaufswagen bis zum Strand schieben kann, der hat auch irgendetwas falsch verstanden. Jedenfalls, wenn der Wagen dort stehen bleibt.

Dann ist da noch die Sache mit der Registrierung beim Lokalbesuch: Was dabei (angeblich) für Fantasienamen angegeben werden, macht das ganze Verfahren hinfällig. Auch wenn es einem widerstrebt, ist es denn so schlimm, seinen richtigen Namen anzugeben, wenigstens der Sache wegen?

Nach allem was ich hier so gehört und insbesondere in Kommentaren zur NDR-Berichterstattung gelesen habe, ist das Verhältnis Touristen – Einheimische noch nie so kontrovers oder aggressiv diskutiert worden, wie in diesem Jahr. Aus Gründen. Nur bin ich der Meinung, dass alles besser laufen könnte, würde sich alle Gäste als solche benehmen und sich an die Regeln halten. Die Betonung liegt auf alle. Die meisten tun das, aber der Rest sorgt für Spannung. Und von denen kommen dann so Argumente, wie

  • “Der Strand gehört nicht nur den Leuten an der Küste”, oder
  • “Ohne unser Geld wärt ihr tiefste Provinz ohne Arbeitsplätze.”

Um das einmal klar zu stellen:

  • Ja, der Strand gehört der Allgemeinheit. Also auch den Küstenbewohnern, nicht nur den Touristen. Die Verantwortung liegt jedoch bei den Kommunen und die müssen nicht nur für alle Schäden aufkommen, sondern dürfen aus triftigen Gründen auch den Besuch beschränken oder die Strände sperren.
  • Stimmt, vor Tagen hörte ich von einem Politiker im TV, dass in Schleswig-Holstein jeder 8. Arbeitsplatz vom Tourismus abhängig ist. Das klingt für mich nachvollziehbar. In den Küstenorten sicherlich mehr als im Binnenland. Aber erstens kommen nicht alle (Saison)Arbeitskräfte aus Deutschland und zweitens schon gar nicht aus Schleswig-Holstein. Aber das nur am Rande. Die Kommunen hier haben auch für die nötige Infrastruktur zu sorgen. Das geht damit los, dass Touristen einen sauberen Strand vorfinden, es Toiletten und Duschen gibt und im Regelfall auch genügend Parkplätze. Und so weiter, und so weiter. Ich kenne keine Kommune hier an der Küste, die vor lauter Geld nicht wüsste, wohin damit. Im Gegenteil.

Ich will nicht verhehlen, dass hier an der Küste in der Vergangenheit wohl zu viele Neubauten mit Ferienwohnung genehmigt worden sind, was die Zahl der Strandbesucher weiter erhöht hat. Jedenfalls spricht vieles dafür und im letzten Monat war das sogar der SZ ein Artikel wert, speziell für Scharbeutz. Aber das wäre ein anderes Thema. Auf alle Fälle sind m. E. die Orte hier an der Lübecker Bucht an ihrer Kapazitätsgrenze, der Strand ist endlich. Umso wichtiger ist es, dass sich alle an die Regeln halten. ALLE!

Nachdem die Sommerferien nun überall vorbei sind, war ich heute seit langer Zeit mal wieder auf unserer Dünenmeile. Zu Fuß bis zur Seebrücke. Es ist jetzt die Zeit der Rentner. Auch der Herbst hat schöne Tage 😉 Nur wenn die mit E-Bikes unterwegs sind, dann ist Vorsicht geboten. Überforderung und oder Rücksichtslosigkeit, das kann fatal enden. Ein Opa hätte mich heute auf der Gehwegbrücke (Bild oben) beinahe über den Haufen gefahren und seine Frau hat gewettert, ich sollte besser aufpassen. Ähm ja …. 

769

Die Sache mit dem Wissen …

10. September 2020

Was weiß ich schon? Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann nicht viel. Klar, ich habe einiges gelernt und lerne immer noch dazu – aber was davon ist wirkliches Wissen und was einfach nur Informationen? Und wie aktuell sind die noch? Irren ist bekanntlich menschlich und spätestens seit dem Beginn der Corona-Pandemie wissen wir, dass der Irrtum ein existenziell wichtiger Bestandteil der Wissenschaft ist: Aus dem Widerspruch heraus entwickeln sich neue Erkenntnisse. Hegel lässt grüßen.

„Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles, was man in der Schule gelernt hat, vergisst.“

Von wem mag dieses Zitat stammen? Ich glaube, die Mehrheit der Leser wird antworten: „Ich weiß es, das ist von Albert Einstein.“ Alle denen muss ich leider sagen: „Ihr glaubt zu wissen!“ Klar, sucht/schaut man im Internet, findet man viele Bilder mit diesem Zitat und da steht dann meist Albert Einstein drunter. Und wer weiter sucht, der findet auch so etwas:

Mächtig prächtig. Doch wie mahnte schon einst unser ehemaliger Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck (1815 – 1898):

Tja, so ist das mit dem Wissen. Wir meinen und glauben. Erst recht, wenn es irgendwie logisch klingt. Das Zitat oben mit der Bildung, Einstein? – klingt gut, passt schon. Das beeindruckt auch mehr, als wenn da … Werner Heisenberg drunter stehen würde. Werner wer? Ja genau, wer kennt schon Werner Heisenberg? Dabei hat der, 11 Jahre nach Einstein, 1932, ebenfalls den Nobelpreis für Physik erhalten. Und das Bildungs-Zitat oben wird ihm zugeschrieben, gesagt 1949 anlässlich der 100-Jahr-Feier des Maximiliangymnasiums in München. Jedenfalls glaube ich eher diese Version, weil sie mir logisch erscheint – aber wissen? 😉

Was wir heute meinen zu wissen, ist das, was unser Verstand logisch schlussfolgernd als wahr einstuft und was vernünftig erscheint. Im Grunde genommen ist das so etwas wie ein sicherer (qualifizierter) Glaube, weil wir den Quellen vertrauen. Dem gegenüber steht der (allgemeine) Glaube im Sinne von unbewiesenen Überzeugungen. Oft ist das etwas, was wir bar jeder Vernunft glauben wollen. Die Religionen nehme ich davon nicht aus. Wer bspw. an die Inhalte der Bibel glauben möchte, nur zu. Vielleicht ist es genau das, was Einstein 1929 in seinem Beitrag in der Saturday Evening Post meinte:
„Imagination is more important than knowledge. For knowledge is limited to all we now know and understand, while imagination embraces the entire world, and all there ever will be to know and understand.“
Fantasie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen beschränkt sich auf alles, was wir jetzt wissen und verstehen, während die Vorstellungskraft die ganze Welt umfasst und alles, was es jemals zu wissen und zu verstehen geben wird.

Zurück zum Internet: Wir werden heute mit Nachrichten und Kommentaren überflutet. Wer versteht das noch alles? Welche Quellen, welche Informationen sind vertrauenswürdig? Wie schnell kommen wir dahin, dass wir etwas nicht mehr logisch schlussfolgern können – zumal wenn es widersprüchliche Aussagen zu demselben Thema gibt? Dann fängt manch einer an zu glauben und gelangt zu Überzeugungen, zu Meinungen, die genauer betrachtet keiner Überprüfung standhalten. So werden Verschwörungstheorien geboren und die haben nicht unbedingt etwas mit Bildungsferne zu tun, sondern eher mit Orientierungslosigkeit.

Nein, eine Meinung zu haben, etwas zu glauben, heißt nicht, etwas zu wissen. Gut, wer sich mit diesem Wissen treu bleibt und sich eingesteht, heute nicht mehr seiner Meinung von gestern sein zu müssen. „Fides et ratio“ – Glaube und Vernunft – angesichts solcher Themen wie Corona, Brexit, Nawalny & Nord Stream 2, mag die Kohärenz beider Begriffe wichtiger denn je sein. Glaube ich 😉

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