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Trotz Alledem IV [Klimapolitik]

19. September 2021

Hannes, mein alter Spezi: Wie wäre es mit einer vierten Version zu Trotz Alledem? Sozialismus war gestern, heute haben wir Klima! Ich habe schon mal angefangen zu texten:

Trotz Alledem IV [Klimapolitik]
von Hannes Wader & Sven Meier 😉

Eine Klimapolitik müsste her,
mit neuem Schwung und alledem.
Denn wenn sie wie die alte wär‘,
würd’s wieder nichts, trotz alledem.
Doch auch wenn sich dieser Wunsch wohl kaum
erfüllen lässt, schützt uns der Traum
von einer bessren Welt, vor der
Resignation, trotz alledem.

*

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Zur Galerieansicht bitte auf eins der Bilder klicken und einfach mal wirken lassen. Zum Bild oben: Es steht für sechs Tagesschau-Beiträge der letzten Monate. Niemand sollte sagen, er wüsste von nix. Der deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf fragte gestern: „Hört eigentlich jemand zu? Die Wahl nächsten Sonntag ist die letzte Chance, Deutschland endlich auf den Weg zur Einhaltung des Pariser Klima-Abkommens zu bringen.“

Wer auf tagesschau.de nachlesen möchte:

Klimawandel – Ozeane werden immer wärmer – 14.01.2020
Wissenschaftler aus mehreren Ländern schlagen gemeinsam Alarm: Die Weltmeere waren 2019 so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – mit katastrophalen Folgen. Aber es gibt einen Ausweg.
Neuer Bericht des Weltklimarats – Die Prognose wird nicht schöner, aber genauer – 26.07.2021
Heute beginnt der Weltklimarat IPCC mit der abschließenden Sitzung zum neuen Sachstandsbericht. Vertreter aus fast 200 Staaten fassen gemeinsam mit Wissenschaftlern den Stand der Forschung zusammen.
IPCC-Bericht zur Erderwärmung – Kritische Marke bereits 2030 erreicht – 09.08.2021
Die Folgen der Erderwärmung werden immer klarer und der angestrebte Klimaschutz reicht nicht: Das ist das Fazit des neuen Weltklimaberichts. Bereits 2030 droht eine Erderwärmung um 1,5 Grad – zehn Jahre früher als bisher prognostiziert.
Dritter Teil des Weltklimaberichts – „Ein Leak – weil es dramatisch ist“ – 07.09.2021
Der dritte Teil des Weltklimaberichts wird erst in einem halben Jahr veröffentlicht. Die Gruppe „Scientist Rebellion“ hat nun einen Entwurf geleakt – aus Angst davor, dass der Bericht verwässert wird. Was fordern die Wissenschaftsaktivisten?
Bericht der Weltbank – 200 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050 möglich – 13.09.2021
Einem Bericht der Weltbank zufolge wird der Klimawandel zahlreiche Menschen zur Migration innerhalb ihres Landes zwingen. Niedrigere Emissionen und eine nachhaltige Entwicklung könnten die Folgen deutlich abmildern.
Neuer UN-Bericht – Welt steuert auf 2,7 Grad Erwärmung zu – 17.09.2021
Bei der Erderwärmung befindet sich die Welt auf einem „katastrophalen Weg“ – das ist das Fazit eines neuen UN-Klimaberichts. Laut Generalsekretär Guterres drohen 2,7 Grad mehr und ein „massiver Verlust von Menschenleben“.

Ja, Trotz Alledem: Eine Klimapolitik müsste her, mit neuem Schwung und alledem! Herr Rahmstorf hat Recht: Die Wahl am kommenden Sonntag ist die letzte Chance, Deutschland endlich auf den Weg zur Einhaltung des Pariser Klima-Abkommens zu bringen.

847 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Der Mensch – warum die Welt keine bessere ist

16. September 2021

Eine Glosse von Sven Meier

Der Mensch an sich ist in seiner Einfachheit egoistisch und unkooperativ. Doch gilt es zu unterscheiden:
– Es gibt die, die interessieren sich NICHT für Fußball,
– andere interessieren sich NICHT für die Politik, und
– drittens gibt es noch welche, denen ist das Eine wie das Andere völlig egal.

Ich verstehe das nicht. Warum interpretieren Menschen den Begriff Meinungsfreiheit oft so, dass sie frei von jeder Meinung sind und machen die drei Affen? Quasi wie eine Ansammlung von Wackeldackel auf der Hutablage unserer Gesellschaft?

Fußball ist die größte Religion weltweit, hat mehr Anhänger als das Christentum und der Islam zusammen. Und klare Regeln: Das Runde muss ins Eckige und der Schiri hat als höchste Instanz auf dem Platze immer Recht. Punkt! Anders als der Papst, oder irgendwelche Ajatollahs. Und mit dem, wo was rein muss, oder eben nicht, haben sie mitunter auch so ihre Probleme. Der Fußball hingegen ist nichts anderes als ein Zusammenspiel nach Regeln – mit einem Ergebnis am Ende, eine Regellosigkeit gibt es nicht. Wäre die Welt doch nur ein großer Fußball …, sie wäre eine bessere.

Und Politik? Nun ja es gibt natürlich solche und solche Politiker*innen. Die einen haben mehr, die anderen weniger Glück beim Denken. Das Unglück beim Denken ist allerdings oft, dass viele denken, die andere müssten so sein wie sie, dabei aber übersehen, dass es auch anständige Menschen gibt. Nur: Diese (von uns gewählten) Denker bestimmen unser Leben. Und viel wichtiger: Die Zukunft – nämlich besonders die unserer Kinder, Enkelkinder und die der noch nicht Geborenen. Nur haben gerade diesen Fakt scheinbar noch nicht alle kapiert. Um so wichtiger ist es zu wissen, wen man wählt. Und warum.

Optimal wäre also eine weltweite Symbiose aus Fußball und Politik. Meinetwegen auch mit einer Weltmeisterschaft der Fußball spielenden Politiker. Haben wir leider nicht. So wird es so bleiben, wie es einst unser Alt-Kanzler Konrad Adenauer sagte: „Die Weltgeschichte ist auch die Summe dessen, was vermeidbar gewesen wäre.“ Wenn unsere Enkelkinder erwachsen sind und wir dann noch leben, dann werde sie wohl fragen: „Warum habt ihr damals nicht, als es noch möglich war …?“ Ich werde dann antworten: „Weil sich zu wenig Menschen für Fußball und Politik interessiert haben.“

846 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Dort, wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn …

11. September 2021
Das Bild ist mit dem DLF-Artikel verlinkt.

… heißt es in dem Lied Es ist an der Zeit, getextet in der Zeit des Kalten Krieges 1980 von Hannes Wader, Melodie No Man’s Land. Auch andere Liedermacher, Reinhard Mey, Konstantin Wecker, u. a., haben diesen Song gesungen. Ja, der 11. September 2001 (Wiki), heute vor 20 Jahren, hat die Welt verändert. Von uns Älteren weiß wahrscheinlich jeder noch, wo er an dem Tag war: Ich erst krank auf dem Sofa, habe im TV alles mitverfolgt, den Rest später beim Zahnarzt, wo mein Doc selbst im Behandlungszimmer einen Fernseher aufgestellt hatte.

Was folgte, ist Geschichte: Hamburger Terrorzelle, Kriege in Afghanistan und im Irak. Auch mit deutscher Beteiligung in Afghanistan. Die Zahl der Toten ist sechsstellig – besonders unter der Zivilbevölkerung. Angesichts dessen ist es beinahe unsensibel, die weit über 1.000 Milliarden Dollar monetären Kosten zu erwähnen, die die Kriege bis zum erklärten Ende im Sommer 2021 (Afghanistan) gekostet haben. Was wurde erreicht? Im Grunde nichts (?) – geht man davon aus, dass genau wie vor 20 Jahren in Afghanistan wieder die Taliban an der Macht sind und die Zukunft genauso ungewiss ist, wie sie es damals war. Wie mögen sich die deutschen Soldatinnen und Soldaten fühlen? Waren die 59 toten deutschen Soldaten völlig sinnlos? Was ist mit „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ – so der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck (†)? Wurde sie das? Ich mache mir so meine Gedanken – teilen möchte ich die an dieser Stelle jedoch nicht.

Die damalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sagte 2009 in ihrer Weihnachtspredigt: „Nichts ist gut in Afghanistan“. An die folgende Debatte kann ich mich noch gut erinnern. Kann es sein, dass heute manch einer Abbitte leisten müsste? Ist vielleicht der Vers in dem Lied von Wader für immer & ewig aktuell, gerichtet an alle Soldatinnen und Soldaten (?):

Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen,
so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben – deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.

Ja, ohne die (auch) von der Hamburger Terrorzelle geplanten und durchgeführten Terroranschläge heute vor 20 Jahren wäre die Welt eine andere. Und doch wissen wir aus der Psychologie, dass jeder Handlung eine Motivation innewohnt. Wie ist das mit den Ursachen und einer reaktiven Symptombekämpfung? Was war zuerst da: Das Huhn oder das Ei?

Es blieb nur das Kreuz als einzige Spur.
Von deinem Leben, doch hör meinen Schwur:
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein.
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein,
dann kann es geschehn, dass bald niemand mehr lebt,
niemand, der die Milliarden von Toten begräbt.
Doch längst finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.

Hannes Wader

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, statt zu hassen und vergelten zu wollen, über Sinn und Unsinn solcher Kriege nachzudenken und besser zu lernen, wie man sie vermeiden kann. Die Ansicht des ehemaligen preußischen Generals und Militärtheoretikers Carl von Clausewitz († 1831) sollte doch nun wirklich überholt sein: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Nee, nee, wenn überhaupt, dann passt das schon lange nicht mehr.

845 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

#BTW21: Starke Meinung eines Jungwählers

10. September 2021

Der Christian Hoch – @c_a_hoch – vom WDR sieht noch so jung aus, dass man ihn für einen Praktikanten halten könnte. Dabei ist er mit seinen 22 Jahren für mich schon ein so guter Journalist, an dem sich viele ältere ein Beispiel nehmen könnten. Ganz stark finde ich sein Kommentar vorgestern in den Tagesthemen:

Ja, die jungen Leute von heute haben es verdient, dass sowohl Parteien als auch ältere Wähler*innen ihnen zuhören und in einen Dialog treten. Wie ich gestern bereits versucht habe deutlich zu machen: Sie werden die Suppe auslöffeln müssen, die wir alle ihnen heute einbrocken. Und ich bin mir nicht sicher, ob das den Älteren immer so klar ist?

Der Astronaut Alexander Gerst hat 2018, kurz vor seiner Rückkehr von der ISS-Raumstation zur Erde, aus dem All eine Videobotschaft verbreitet. Er richtete sich an seine zukünftigen Enkel und hat sich im Namen der älteren Generationen bei ihnen entschuldigt: „Ich wünsche mir, dass wir nicht bei euch als die Generationen in Erinnerung bleiben, die eure Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtlos zerstört hat.“

Für meinen Teil als Ü60 sage ich: Ja, wir haben viel falsch gemacht. Wir hätten es auch besser wissen können, spätestens mit dem 1. IPCC-Weltklimabericht von 1990. Aber wir haben gehofft, geglaubt, dass alles nicht so schlimm werden würde …. Aus dem Dunkel sprach eine Stimme zu mir: „Meier, sorge dich nicht, es könnte schlimmer kommen.“ Also sorgte ich mich nicht. Und es kam schlimmer. Siehe 6. IPCC-Weltklimabericht. Bedenkt das bitte bei der Bundestagswahl. Wir Älteren sollten jetzt nicht so tun, als wenn wir zu nichts etwas könnten und dass schon alles irgendwie gut werden wird.

844 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Haben sie das schon mit dem Wahl-O-Mat gemacht?

9. September 2021

Das war die Frage meines Spezis, 19, Erstwähler. „Nein“, habe ich ihm geantwortet: „Ich weiß, was mir wichtig ist, Umwelt, Klima, soziale Gerechtigkeit, und ich weiß, welche Parteien in den Punkten meinen Vorstellungen halbwegs entsprechen. Allerdings sind extreme Parteien für mich unwählbar, bspw. weil sie als Nationalisten aus der EU wollen, Faschisten in ihren Reihen dulden oder andere die Nato für überflüssig halten. Und eine Partei, deren Abgeordneten für mich eine Ansammlung von Lobbyisten darstellen, die sich in erster Linie um Partikularinteressen kümmern und weniger um das Gemeinwohl, kann ich auch nicht wählen. Außerdem habe ich schon gewählt, Briefwahl, weil ich nicht weiß, ob ich am 26. zuhause bin und ich will meine beiden Stimmen keinesfalls verschenken.“

Es entspann sich danach ein munteres Gespräch und ich war einmal mehr verwundert, wie … ich sag‘ mal, junge Menschen so ticken. Nein, bestimmt nicht alle, aber bestimmt viele. Das fängt schon mit den Wahrnehmungen an und bestärkt mich in meiner Auffassung, dass Medienkompetenz an den Schulen vermittelt werden sollte.

Na ja, dat is aver ok figelinsch. Un de klööksten Stüerlüüd sitt jümmers op‘t Dröge. Is so!
Woher soll man auch immer wissen, was falsch und was wahr ist? Die Medien sind bemüht, auch Minderheiten zu Worte kommen zu lassen, was einerseits völlig in Ordnung ist, anderseits natürlich zu einer fälschlichen Gewichtung führen kann, die nicht die allgemeine Stimmung oder den Konsens in der Wissenschaft widerspiegelt. (False Balancing)
Manchmal ist es auch geschickte PR, gesteuert von Interessenvertretern, die den Eindruck seriöser Nachrichten erwecken. Und über die sog. Sozialen Medien will ich hier gar nicht reden. Da wird von Minderheiten gelogen, dass sich die Balken biegen und repräsentativ ist das, was da so abgesondert wird, schon lange nicht. Aber es wird gelesen und wenn mir mein Spezi erzählt, er könne nicht die Grünen wählen, obwohl das das Ergebnis des Wahl-O-Maten war, weil die Baerbock Haustiere verbieten will, dann fällt mir nichts mehr ein! Woher er das weiß? „Steht auf Facebook und wurde tausende Male gelikt und geteilt. Also muss das doch stimmen, oder?!?“ Ich habe ihn aufgeklärt: „Das ist eine Lüge, das hat sie nie gesagt und gerade Frau Baerbock ist immer wieder das Ziel von Fake News geworden. Kannst du nachlesen, ich schicke dir nachher den Link.“

Weil das alles so ist wie es ist, bleibt es spannend bis zum Wahlabend. Auch wenn die Tendenz eindeutig scheint, sollte sich niemand zu früh freuen. Noch zweieinhalb Wochen, da kann stimmungsmäßig oder aus taktischen Gründen noch viel passieren. Im Grunde heißt es bei dem jetzigen Umfragewerten: Wer nach 16-Merkel-Jahren ein weiter so der CDU/CSU mit Laschet verhindern will, der muss SPD wählen und hoffen, dass die Grünen der zukünftigen Regierung als Koalitionspartner ihren Stempel aufdrücken.

Der Wahl-O-Mat. Mein Spezi hatte mich doch neugierig gemacht und in stiller Stunde haben ich jetzt mal getestet, ob ich denn richtig gewählt habe?
Na ja, gar nicht mal so schlecht 😉
Außerdem bezieht sich der Wahl-O-Mat nur auf die Zweit-, also die Parteien-Stimme. Die Erststimme kann man ja auch dem Kandidaten, der Kandidatin seines Vertrauens geben, obwohl man dessen, deren Partei nicht wählen will.
Auf alle Fälle warten auf die zukünftige Regierung schwere Aufgaben. Zuviel ist in den letzten vier Jahren nicht angefasst oder verhindert worden.

Bitte wählt. Nur bitte NICHT die Nationalisten / Faschisten.

Und bitte denkt beim Wählen daran, dass wir mit der Natur weder verhandeln noch sie überlisten können. Wir sollten uns arrangieren und nach bestem Wissen und Gewissen mit ihr leben. Die heute noch ganz Kleinen und deren ungeborene Kinder werden es uns danken. Ehrlich. Ganz ehrlich 😉

843 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Meiers Rückblick 21/08 in 100 Sekunden

1. September 2021

August 2021: Wo ist nur die Zeit geblieben? Und der Sommer? Jedenfalls hier bei uns im Echten Norden? Heute haben wir schon wieder den meteorologischen Herbstanfang. Wettermäßig haben wir den schon länger. Ein Radiomoderator sprach denn neulich auch vom Hommer 😉 Aber nun soll bitte kein verquer denkender Mensch kommen und deswegen den Klimawandel infrage stellen! Es wird wärmer!

Was bleibt in Erinnerung? Für mich, im Moment, die Olympischen Spiele 2020, coronabedingt verlegt auf dieses Jahr. In leere Stadien, irgendwie bizarr. Und die IOC-Führung um den Deutschen Thomas Bach steht für mich für eine einzige sportpolitische Bankrotterklärung. Nein, gesehen habe ich nichts – nur was in der Tagesschau kam. Aber das hat mir gereicht. Und diese vielen Rekorde: Haben wirklich immer die besten Sportler gewonnen? Oder vielleicht doch häufig die, die sich bei der Einnahme leistungssteigernder Substanzen haben nicht erwischen lassen? Der Doping-Experte Fritz Sörgel im DLF-Interview am 7. August: „Ich wage zu sagen, dass hier noch etwas herauskommen wird.“

Vom Rest, politisch, verbuche ich vieles unter Wahlkampf. Egal welches globale Thema, Corona, Klima, Afghanistan und so weiter: M. E. ist die Beurteilung der Auslandpresse weniger aufgeregt, mehr pragmatisch – d. h. vor der Bundestagswahl 2021 am 26. September wollen sich hier die Politiker*innen natürlich ins beste Licht stellen. Dem einen gelingt das besser, anderen weniger. Doch mit Verlaub: Die amtierende Regierung ist in so einigen Punkten simpel ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Und warum erinnert mich das wieder mal an Heinrich Mann, an sein Buch von 1918 (?): Der Untertan – „Den deutschen Bürokraten macht uns so schnell keiner nach“.

Ich sag’s mal so: Ich fühle mich wie bei der Suche nach einem guten Wein und finde nur Flaschen mit irgend etwas drin. Irgendwie austauschbar. Bei aller Sympathie für den einen oder die andere, so richtig überzeugt bin ich bisher von keinem als möglichen nächsten Kanzler, Kanzlerin der Bunten Republik Deutschland. Das hat wahrlich nichts damit zu tun, dass ich Frau Merkel als Kanzlerin behalten möchte. Nee, bestimmt nicht. Aber bis zur Wahl sind ja noch ein paar Tage hin und ich lasse mich gerne überzeugen. Schlimmstenfalls vom geringeren Übel 😉
Apropos Übel: Meine größten Probleme habe ich (bisher) mit dem CDU-Kanzlerkandidaten Laschet und die Union ist für mich als gefühlter Lobbyisten-Verband eigentlich unwählbar. Noch ein paar Sorgen bereitet mir, dass mehr als 60 Prozent der Menschen in Deutschland befürchten, die Bundestagswahl könne durch Desinformation beeinflusst werden. Dazu vielleicht später mal mehr ….

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842 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Zurück in die Zukunft: Gorleben 1980

22. August 2021

Viele Wegen führen bekanntlich nach Rom. In Abwandlung dieser Redewendung führen auch viele in meine Alte Heimat. Bspw. durch das Wendland. Der Umweg sind tatsächlich nur 50 Kilometer und Mann erspart sich den Stress auf der A1&7.

Wendland? Den meisten dürfte vielleicht eher Gorleben ein Begriff sein – in Verbindung mit dem Atommüll-(End)-Lager Gorleben. Oh ja. Erinnerungen werden wach. 1980:

STOP
ATOMKRAFT? NEIN DANKE!
ATOM-MÜLL AUCH NICHT!

Das war damals die Zeit, als die Obrigkeit meinte, Atomstrom sei die Zukunft. Und weil der hochradioaktive Atom-Müll aus den Kraftwerken irgendwo für tausende von Jahren endgelagert werden musste, hatte die damalige niedersächsische Landesregierung unter Ernst Albrecht (CDU, Vater der heutigen EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen) 1977(?) den Salzstock bei Gorleben dafür ausgeguckt.

Gorleben das war quasi am Arsch der Welt. Östlich, gleich hinter dem Dorf, fließt die Elbe und auf der anderen Flussseite begann die Ostzone. Meiner Erinnerung nach war ich 1980 dreimal in Gorleben und wir sind gerne an dieser Stelle gefahren, um auf der anderen Elbseite die DDR-Grenzer zu verarschen grüßen.

Ansonsten sind meine Erinnerungen nach 41 Jahren schwach, schwächer, am schwächsten. Für mich sieht nichts mehr so aus wie früher. Auch im Ort nicht. Vielleicht, weil ich mich auch nicht erinnern wollte: Einerseits war ich als (junger) Beamter dem Land Niedersachsen verpflichtet, anderseits habe ich null bis nix von der Atomkraft gehalten. Ich gehör(t)e zu denen, für die die Zukunft anders aussehen soll(te). Ich denke mal, dass auf diesem Gelände, wo heute das Erkundungsbergwerk seht, Anfang 1980 vor Ort alles angefangen hat: Erste Bohrung am Bohrloch 1003, das Gelände wurde darauf blockiert und später von der Polizei geräumt und hermetisch abgeriegelt. Hinten (durch das Tor geblickt) die Betonmauer, die könnte noch von damals sein.

Unweit davon wurde wurde Wochen später der Bereich um das Bohrloch 1004 besetzt, ein Hüttendorf errichtet und die Republik Freies Wendland ausgerufen. Durch einen Großeinsatz der Polizei wurde das Dorf am 4. Juli 1980 geräumt und dem Erdboden gleichgemacht. Ein bis heute denkwürdiges Datum. Vor Jahren wurde ortsnah eine Schutzhütte nebst Aussichtsturm errichtet – quasi als Erinnerung an das damalige Hüttendorf – so wurde mir das erzählt.

Vis-à-vis das Beluga Dreieck, heute ein Ort des Widerstandes mit dem Aktionsschiff Beluga der Umweltschutzorganisation Greenpeace als Mahnmal (Infopunkt).

So sieht es heute aus. (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken) Links das irgendwann dazu gekommene Zwischenlager für die Castoren und rechts das Erkundungsbergwerk – seit 2014 nur noch im Offenhaltungsbetrieb.

Gorleben … stand damals für die Zukunft – wie sie in den Köpfen der Wirtschaft und großen Teilen der Politik sein sollte – und wie sie es eben für die Anti-Atomkraft-Bewegung nicht sein durfte. Der Rest ist Geschichte. Tschernobyl 1986, Fukushima 2011, Kernenergie & Schwarmintelligenz: Deutschland hat zwar 2011 den Atomausstieg beschlossen, aber im Rahmen des Klimawandels gibt es wieder neue Diskussionen, weil Atomkraftwerke ja kein CO2 produzieren. Nee, CO2 nicht …. Und wer weiß, ob es Die Grünen als Partei heute so ohne die Anti-Atomkraft-Bewegung geben würde? Zukunft eben. Und was wir 1980 an der Elbe mit Blick nach drüben gehofft haben, auch. Oder wie ein großer deutscher Ex-Kanzler (>1,90) einst sagte: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“

841 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Mich wundert, dass sich viele wundern

10. August 2021

Als ich gestern diese Eilmeldung der Tagesschau auf meinem Bildschirm sah, war ich im ersten Moment verwundert. 2030? Im zweiten Moment habe ich mich selbst gefragt: „Meier, warum wundert dich das jetzt?“

NEIN! Eine Überraschung ist das, was der Weltklimarat – offiziell der Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC – gestern kundgetan hat, nicht. Überhaupt nicht. Der IPCC hat ja keine neuen Ergebnisse veröffentlicht, sondern nur die vielen Studien der letzten Jahre, seit dem 5. Bericht 2014, gesichtet, diskutiert und quasi in der Zusammenfassung die Spreu vom Weizen getrennt. Das heißt, Leser*innen von Fachjournalen oder Wissensmagazinen (bspw. scinexx.de) – also nicht von Clickbaiting-Seiten wie ntv oder Welt – dürften mit so einem ähnlichen Ergebnis gerechnet haben.

Wenn ich mich heute Morgen allerdings so durch meine üblichen Online-Seiten klicke, sehe einiges an Verwunderung. Das wundert mich. Sind wir denn bei einem Wunschkonzert? Klar, jeder darf sich alles wünschen und hoffen, aber …. Es ist aber auch zu blöd, dass die Natur so ein Sensibelchen ist und so allergisch auf das bisschen Ceohzwei reagiert. Gibt’s dagegen nicht was von Ratiopharm?

„Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend“. Sage nicht ich, sondern UN-Generalsekretär António Guterres und ruft die Politiker zur Verantwortung. Na ja, der einsame Rufer in der Wüste ist er damit nicht. Aber was nutzen alle Rufe und Alarmglocken, wenn das Sankt-Florian-Prinzip vorherrscht? Oder Nimby, wie es im Englischen heißt: „Not in my backyard!“ Wenn irgendwann mal mein Enkelkind den Beitrag im Satiremagazin Postillon liest, wird es sich wahrscheinlich fragen, warum wir den unter Satire verbucht haben? Wunschkonzert: Ich hoffe, dass ich mit dieser Vermutung falsch liege!

Siehe auch Sven Meier 2013:
Gerechtigkeit! – Gerechtigkeit? Finstere Gedanken im Wandel des Klimas

840 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern

3. August 2021

Dieses Sprichwort ist alt. Und immer noch aktuell. Nur kann heute im Zeitalter digitaler Medien der Begriff Zeitung beliebig ausgetauscht werden. Von daher war meine Idee, meinen Juli-Rückblick vorzuschreiben, nur damit er pünktlich zum 1.8. erscheint, wohl keine gute. Was noch vor drei Wochen galt oder wichtig war, ist heute schon wieder überholt. Meine/unsere Augustplanung auch. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Also habe ich beschlossen, wieder aus meinem Sommerloch zu krabbeln.

Und überhaupt, „Sommerloch“. Schnickschnack. „Das Sommerloch ist vollgelaufen“ meint denn auch Spiegel Kolumnist Christian Stöcker. Lesenswert!

Klick auf das Bild führt zur Stöcker-Kolumne im Spiegel.

Außerdem, so ganz stimmig ist meine Überschrift nicht. Manche Auffassungen halten sich langfristig. So habe ich in den letzten Wochen gelernt,
-> dass Waldbrände durch Sommer-Hitze entstehen können.
-> Auch, dass E-Autos nur eine vorübergehende Erscheinung sind, denn die Wasserstoff-Brennstoffzelle ist die Antriebsart der Zukunft –
-> und das Corona-Virus haben die Chinesen freigesetzt, weil …, ja weil …, das weiß man auch nicht so genau.

Besser ist es: „Alternative Fakten“ im Faktencheck via Smartphone

Seit Trump kennen wir die Alternative Fakten, ein heute geläufiger Begriff, wenn Menschen wirklich das glauben, was sie sagen, obwohl es objektiv falsch ist. Ein Vorteil unserer digitalen Zeit ist, dass man Aussagen fix per Smartphone überprüfen kann. Nur bitte nicht bei Facebook&Co, denn diese asozialen Medien sind meist der Ursprung des Falschen. Besser ist bspw. Wikipedia. So konnten wir klären,
-> dass Sommer-Hitze keinen Waldbrand auslösen kann, weil als Zündquelle die erforderlichen rund 300°C nicht erreicht werden,
-> dass Brennstoffzellenfahrzeuge absehbar keine Chance haben, weil die Wasserstoffherstellung viel zu energieintensiv und unwirtschaftlich ist, weil Strom eben nicht einfach so aus der Steckdose kommt –
-> und dass der Ursprung des Corona-Virus wahrscheinlich ein zoonotischer ist, also (in China) von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde. Genaues weiß man aber (noch) nicht.

Es ist für mich immer wieder interessant, wenn in einem Brustton der Überzeugung etwas behauptet wird, was letztlich keinem Faktencheck standhält. Ich frage dann gerne: „Wo steht das?“ Insbesondere von jungen Leuten höre ich als Antwort: „Das habe ich im Internet gelesen.“ Dort meist auf Facebook oder als YouTube-Video. Grrrrr! Ich wünsche mir Medienkompetenz als Prüfungsfach in den Schulen. Liebe Kultusminister*innen, geht da noch was?

Dieser Screen vom Wochenende wurde mir zugesandt.

Wenn es allerdings so weit ist (Bild), dann ist das pathologisch. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach. Dann helfen wahrscheinlich auch keine Pillen mehr. Höchstens vielleicht irgendwelche Super-Extrem-Globuli? Oh je! Aber im Ernst: Ich kenne durch meinen Job genug Menschen mit einer kognitiven, intellektuellen Beeinträchtigung, die können nichts dazu, so zu sein, wie sie sind. Nur sieht man ihnen das nicht wie einen gebrochenen Arm an. Eine Ursache kann FASD sein, ich hatte 2019 darüber geschrieben. Zumindest habe ich das immer im Hinterkopf.

Na denn, schauen wir mal, was uns der August so bringt.
Munter bleiben!

839 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

Meiers Rückblick 21/07 in 100 Sekunden

1. August 2021

Juli 2021: Moin. Wenn ihr das hier heute (auf Termin gesetzt) am 1. August lest, bin ich wahrscheinlich am Packen und freue mich nach 14 Nächten in einem fremden Bett wieder auf das eigene. Urlaub? Nee, ein zweiwöchiger Betreuer-Job-Einsatz. Ein paar Tage Urlaub gibt’s bestimmt noch, ganz spontan. Aber Spontanität will bekanntlich wohl überlegt sein 😉 Man weiß ja nie, wie sich was wann wo so entwickelt. Hoffentlich reicht das griechische Alphabet zur Benennung der SARS-CoV-2-Varianten aus. Delta ist heute – und morgen?

Apropos Delta, meine Meinung:
Die Delta-Variante an sich ist kein Argument für Grundrechtseinschränkungen. Der Staat (= die Gesellschaft) ist nicht
verpflichtet – und kann es (sich) auch gar nicht leisten – alle Menschen vor allem umfassend zu schützen. Wenn demnächst jeder (ab 12) ein Impfangebot erhalten haben dürfte, müssen sich die Nichtgeimpften irgendwie eigenverantwortlich anders schützen. Erst wenn wieder eine Überlastung des Gesundheitssystems drohen würde, wären (präventive) Grundrechtseingriffe erneut zulässig. Solange Impfungen dies jedoch verhindern (können), entfällt das Argument für Einschränkungen unserer Grundrechte. Nur ein Anstieg des (zunehmend fragwürdigeren [*1|*2]) Inzidenzwertes ist – ohne Blick auf die Hospitalisierungen und nach meinem Rechtsverständnis – dafür keine ausreichende Begründung. Wohlgemerkt: Ich rede hier nur über Grundrechtseingriffe, nicht über gefahrenabwehr- oder privatrechtliche Maßnahmen. Das wäre ein anderer Schnack, besonders wenn sie nur für Ungeimpfte gelten würden.
Und Kinder? Ich hoffe, dass sich bestätigt, was weltweit mehrere Studien bisher zeigen:
Kinder sind weniger empfänglich für das Virus – und wenn, dann zeigen sie meist einen milden oder gar asymptomatischen Krankheitsverlauf. Dagegen steht die psychische Belastung durch die Schließung von Kitas und Schulen. Aber wenn demnächst ‚alle Erwachsenen‘ geimpft sein sollten, entfallen aus meiner Sicht auch dafür die Gründe.

Wenn ich heute, kurz vor meinen 14 Fremd-Bett-Nächten, schaue, was mir in Erinnerung bleiben wird, dann zweierlei:

1. Peter de Vries. Der populäre niederländische Journalist wurde hingerichtet, fünf Schüsse, und ist am 15., eine Woche nach dem Anschlag in Amsterdam, verstorben. Beschuldigt: Zwei Tatverdächtige aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität, denen de Vries wohl bei seinen Recherchen zu nahe kam. Für mich steht de Vries als bisher letzter in einer langen Reihe von getöteten Journalisten und Politikern, die wegen ihres Berufs ihr Leben lassen mussten. Jedes dieser Attentate ist eins gegen einen Rechtsstaat, das ist Anarchie. Dabei unterscheide ich nicht, ob die Täter aus einem extremistischen oder dem kriminellen Lager kommen: Jedem sollen die Hände abfaulen, in denen sie die Waffe gehalten haben (frei nach Reinhard Mey).

2. Das Hochwasser in West- und Mitteluropa mit weit über 100 Toten und immensen Schäden. Vielleicht auch wegen solch absolut dämlichen, hämischen und pietätlosen Tweets werden bei mir Erinnerungen an 1997 wach, als ich mit einem Hilfskonvoi an der Oder war.

Wie können rechte Hetzer und Klimaleugner angesichts der trauernden Menschen, die Angehörige verloren haben, teils auch ihr gesamtes Hab & Gut, und gegenüber den vielen tief betroffenen Einsatzkräften, nur so unsensibel & unempathisch sein? Und unbelehrbar dazu? Für mich sind das Fälle von geistiger Inkontinenz, gepaart mit kognitiver Dissonanz. Oder so ähnlich – vermutlich jedenfalls unheilbar. Pfui! Wenn es einen Teufel gibt, möge er euch klickschlampeske Hetzer in der Hölle schmoren lassen!
Also, laienhaft zusammengefasst für alle Brandners dieser Welt: Natürlich ist ein Starkregen erstmal nur Wetter. Wenn sich aber solche Extremwetter mehren, darf man sich Gedanken über die Ursache dessen machen: Wer nicht per eigener Ideologie die Naturgesetzmäßigkeiten außer Kraft setzt, sondern den Tenor der Wissenschaftler ernst nimmt, kommt zwangsläufig zum Klimawandel, zur Erderwärmung und damit zu den steigenden Temperaturen in der Arktis. Die wiederum haben Einfluss auf den Jetstream, was immer öfter zur Folge haben kann, dass Wetterlagen wie Hochs (Hitze, Dürre) oder Tiefs (Stark-/Dauerregen) lange Zeit in derselben Region verharren, eben nicht weiterziehen und intensiver ausfallen können. Ist das denn so schwierig zu verstehen – inklusive des Konjunktivs?
DANKE DEN VIELEN TAUSEND HELFERN FÜR IHREN AUFOPFERUNGSVOLLEN EINSATZ!

Zum Schluss noch ein Blick in meine Schnick-Schnack-Ablage:

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838 [Inhaltsverzeichnis Sven Meier erzählt | Fotoblog]

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