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Wild – kann man auch essen

14. November 2020

Unlängst erzählte mir eine junge Frau, gerade 18, dass sie bereits längere Zeit Vegetarierin sei. Sie wolle kein Fleisch mehr von Tieren essen, die in Ställen gehalten werden. Nun ja, denke ich mir, wer das so sieht, das ist ok. Jedem das seine. Trotzdem frage ich nach: Und Bio-Fleisch? Lapidare Antwort: Die Tiere werden auch in Ställen gehalten. Noch ein Versuch von mir: Und Wild? Große Augen blicken mich an, als sei ich von einem anderen Stern: Wie Wild? Ich habe noch nie Wild gegessen!

Ja, so geht es vielleicht vielen Menschen. Nicht, dass ich früher kein Wild gegessen hätte. Ab und zu schon, wenn ein Bekannter, ein Jäger, was hatte. Und der typische Wildgeschmack? Ja, es schmeckt, ich sag‘ mal, würziger. Aber Fleisch vom Wildschwein, Reh oder Hirsch, ist hochwertig, mehr oder weniger fettarm und mehr Bio geht nicht, wie mein Jäger-Bekannter immer zu sagen pflegte: Die Tiere sind glücklich bis zu ihrem plötzlichen Tod, von dem sie nix mehr mitkriegen.

Nach meinem Umzug hier nach Ostholstein war meine Wild-Quelle versiegt. Nun habe ich, animiert durch einen TV-Beitrag im Schleswig-Holstein Magazin, eine neue Quelle aufgetan: Forstverwaltung Bandorf/Bliesdorf, das ist nicht so weit von uns weg. Neulich haben wir dort eingekauft, morgen gibt es Wildschwein-Gulasch – 16,90 € das Kilogramm.

Zubereitet habe ich das nach einem simplen alten Rezept auf ungarische Art:
Fleisch portionsweise anbraten, nicht zu viel auf einmal. Für 1 kg waren das in diesem Topf bei mir vier Durchgänge.
Zwiebeln schneiden, im selben Topf wie für das Fleisch glasig dünsten, ich habe 4 rote genommen, ca. 500 g.
Fleisch wieder dazu geben, Paprika nach Geschmack, kurz gut erhitzen und dann mit einem Glas Wasser oder Brühe, meinetwegen auch Rotwein, ablöschen.
Anschließend bei milder Temperatur rund eineinhalb Stunden vor sich hin köcheln lassen, ggf. etwas Flüssigkeit nachfüllen.
Fertig. Morgen, wenn alles gut durchgezogen ist, wird es sachte wieder aufgewärmt, noch abgeschmeckt, etwas Sahne dazu, usw., und dann auf den Tisch. Dazu gibt es Rotkohl und wohl Nudeln, weil ich keine Kartoffeln mehr im Haus habe. Oder ich muss gleich noch welche kaufen ….

Siehe auch: Gulasch wie von Omma

Habt ein schönes Wochenende, bleibt gesund & munter – oder werdet es!

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19 Kommentare leave one →
  1. 14. November 2020 11:08

    Moin Sven.
    Wir essen sehr gerne Wild, ist auch etwas ganz besonderes für mich und ein Vegetarier könnte ich als genießendes und gutes Fleisch schätzendes „Fleischpflanzerl“ nie werden. 🙂
    Liebe Grüße von Hanne und hab noch ein schönes Wochenende 🍀🌞

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    • 18. November 2020 08:50

      Moin Hanne. Ja, hatte ich, also Wochenende, nun steht ja schon bald das nächste vor der Tür 😉
      Stimmt, Wildfleisch ist eine Delikatesse, jedenfalls für uns. Und bei Rehwild-Rücken für 35 € das kg oder Damhirsch-Filet für 40 € – da erscheinen die 17 € für Gulasch fast wie ein Schnäppchen – isst man auch mit mehr Achtsamkeit und genießt. Jedenfalls mehr als bei Discountergulasch für 5 € 😉
      Habe noch eine schöne Woche, bleibe munter, wir lesen uns!

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  2. 14. November 2020 11:15

    Lecker. Ich mag gerne Wild, vorzugsweise Hirschkalbsbraten oder Rehmedallions.
    Hab ein schönes Wochenende 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • 18. November 2020 08:57

      Moin. Oh ja, alles „läcka“ 😉
      Nachdem wir nun aus meiner neuen Bezugsquelle Wildschein durchprobiert haben, Gulasch, Wildbratwurst nach Thüringer Art und mit Kräutern, kommt nun „der Hirsch“ dran. Sonst sind wir in der Vorweihnachtszeit immer mit Bekannten irgendwo Essen gegangen und haben Weihnachtsmärkte besucht, das machen wir nun zuhause mit gutem Essen 😉
      Grüße in Richtung meiner Alten Heimat 😉 bleibt gesund & munter

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  3. 14. November 2020 11:40

    Vergangenen Freitag fragte mich ein Patient, ob ich Wild mag. Ich konnte ihm die Frage nicht beantworten und gab ehrlich zu, dass ich das noch nicht gegessen habe. Der Grund: ich kannte nie eine Quelle, denn aus der Supermarkttiefkühltheke kommts mir nicht auf den Tisch.
    Nun, mein Patient, nee, seine Frau ist meine Patientin, ein Jäger, gab mir dann eigens erlegtes Reh mit. Auch als Tiefkühlprodukt, aber selbst erlegt, zerlegt und eingefrohren.
    Als Tipp bekam ich, das Fleisch zwei Tage in Buttermilch einzulegen….. noch liegt es bei mit in der Tiefkühlabteilung meines Kühlschrankes….. aber Rotkohl klingt gut dazu. Vielleicht auch Wirsing? mal sehen. Wird Premiere werden, nur wann, steht noch nicht fest… vielleicht zum Fest……

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    • 14. November 2020 11:50

      ich habe meine Tochter (auch gerade mal 18 😉) gefragt, ob sie probieren möchte. Ich weiß, sie ist Vegetarierin . Ich fragte nach, ob sie nur das Fleisch wegen der Massen-Haltung oder – Schlachtung nicht isst….. nee, wegen Umwelt und co… selbst wenn die Tiere vielleicht gut gehalten werden, kommt das Futter oft aus Übersee, so ihre Erklärung….. ich lass das jetzt mal einfach so stehen….. aber: manche jungen Leute machen sich echt Gedanken, find ich gut 👍

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    • Albert permalink
      14. November 2020 12:45

      Meine Erfahrung: Wenn Wild schon streng riecht, dann schmeckt es auch so. Das ist nicht schlimm, das ist der natürliche Wildgeschmack. Dem kann man mit einer Beize entgegenwirken. Persönlich bevorzuge ich eine aus Rotwein und Buttermilch, je ein halber Liter, dazu ein paar Selleriestücke, Wacholderbeeren, Salz und Pfeffer. Zwei Tage lasse ich das Fleisch in dieser Suppe liegen, abgedeckt im Kühlschrank und ab und zu sollte es gewendet werden.
      Bei Reh oder Hasen kann das Beizen für den persönlichen Geschmack förderlich sein. Beim Wildschwein eher nicht. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden 😋🍗🍷/A.

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      • 14. November 2020 13:03

        oh…. vielen Dank für diesen wertvollen Tipp 👍😊… es war wohl ein junges Reh…. ob das was zu sagen hat… weiß ich nicht. Die Jägersgattin riet mir, es wie Rindfleisch hand zu haben, aber eben vorher einzulegen.
        Ich bin für jeden Tipp dankbar 😊🍀

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    • 18. November 2020 09:11

      Moin.
      Als Nicht-Wild-Esser würde ich Reh wohl auch vorher einlegen. In Buttermilch, das kenne ich auch von meiner Mutter bzw. Oma. Aber im Internet gibt es sicher verschiedene Rezepte, z. B. so wie Albert das geschrieben hat.
      Persönlich verzichte ich mittlerweile darauf, mich stört der würzige Geschmack nicht, das ist eben Wild. Und mit einer Soße oder Beilagen kann man ja auch etwas dagegensetzen. Der Phantasie sind da – für mich – keine Grenzen gesetzt, ich probiere alles gerne aus. Wirsing? Warum nicht. Nur weil „die halbe Welt“ 😉 Rotkohl zu Wild isst, jedenfalls kenne ich das so als Standartgemüse dazu, muss man das ja nicht auch so anrichten.
      Tipp: Schaue mal so auf den einschlägigen Internetseiten und lass dich inspirieren. Gratistipp dazu 😉 Nach meiner Erfahrung sind die einfachsten Rezepte oft die besten. Die Alten hatten früher auch nicht allen möglichen Gedöns in der Küche zur Hand. Oma hatte Salz und Pfeffer, mehr nicht. Geschmeckt hat es trotzdem, ohne noch ein bisschen hier von und davon.
      Viel Erfolg!

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      • 18. November 2020 15:42

        Danke Sven
        ja, das Internet wollte ich auch noch befragen. ich mag eher die einfachen Varianten von allem, dieses exotische und hiervon, davon und von was weiß ich noch allem ist auch nicht meins.

        Als wir in den Norden zogen wollte ich unbedingt mal Grünkohl machen. Kennen wir Badener nicht, nur vom Namen her. Pinkel finde ich, sieht sehr unappetitluch aus und so wollte ich das umgehen und hab kurzerhand Putengeschnetzeltes dazu gemacht. Die Reste nahm mein Ex am nächsten Tag mit zur Arbeit….. die sind bald umgekippt und haben geschimpft, ich würde die norddeutsche Nationalspeise verunglimpfen 😱. …. (sie haben es mir aber verziehen, da ich ja noch in der integrationsphase steckte 🙊) uns hat es gut geschmeckt 👍🙊😉

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      • 19. November 2020 08:31

        Moin. Au ha. Das Grinsen will gar nicht aus meinem Gesicht. Grünkohl mit Putengeschnetzelten. Auf die Idee muss man erstmal kommen 😉 Wi seggt so: „Wat der Buer nich kennt, dat fritt he nich!“
        Aber stimmt schon, ich habe im Ausland schon so viel gegessen, was ich von Haus aus nicht kenne und deshalb bin ich immer dafür, alles auszuprobieren. Nur beim Grünkohl, da werde ich sicher bei Bregenwurst und/oder Kasseler bleiben.
        Klookschieter-Hinweis am Rande: Unser alter Dorfschlachter hat mir das mal so erklärt: Eine Bregenwurst mit „e“ ist eine Mettwurst aus Schweinefleisch, früher (heute wohl nicht mehr zulässig) wurde auch Hirn mit verarbeitet, deshalb nannte man sie Brägenwurst mit „ä“, Plattdeutsch Brägen = Hirn. Pinkel hingegen ist eine Grützwurst, also Fleisch mit Grütze = grob gemahlenes Getreide.
        Viele Grüße

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      • 19. November 2020 09:49

        oh, Danke Sven. Das sind sehr interessante Infos. 👍 DANKE
        liebe Grüße von der Nordsee

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      • 19. November 2020 09:55

        Gerne doch. Also „Pinkelwurst“ ist auch nicht so meins, ich esse lieber eine „Bregenwurst“ zum Grünkohl. Und noch lieber ‚en Plocken Kasseler. Kann auch ein großer Plocken (= Stück oder Scheibe) sein. 😉

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      • 19. November 2020 10:02

        kommt Kassler, Speck und Pinkel nicht als „Grundzutat“ mit rein?!
        Nun ich bin nicht so der „Würstchen“ – Typ.

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      • 19. November 2020 11:52

        Ja, kann man so zubereiten. He seggt so un se seggt so. Meine Großeltern, die einen kamen aus dem südlicheren Niedersachsen, die anderen aus Pommern, heute Polen, waren weder bei der plattdeutschen Sprache noch bei der Zubereitung von Speisen jemals einer Meinung.
        „Dat mut du so moken …!“ Das ist jedenfalls dazu meine hängen gebliebene Erinnerung. Später, als ich mich dann häufiger hier in Ostholstein rum getrieben habe, war es noch mal anders 😉 Heute nehme ich von allem etwas und mache mein eigenes Ding.

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      • 19. November 2020 09:59

        Grünkohl…. ich habe von meiner 80jährigen Patientin, einer begnadeten Köchin und gebürtigen durch und durch Friesin einen Tipp bekommen, den sie wiederum von ihrer ammerländischen Schwiegermutter hat: zum Grünkohl noch eine kleine Stange Porree in Streifen geschnitten, soll hervorragend sein. Als sie als jung verheiratete den Grünkohl so zubereitete, schimpfte ihr Vater, dass man so kein Grünkohl macht, probierte es dennoch und wollte ihn vortan nicht mehr anders zubereitet vorgesetzt bekommen 😉👍

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  4. 20. Januar 2021 18:40

    Kann man auch mal ausprobieren.

    Grüße von Michael aus Hamburg

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    • 21. Januar 2021 06:43

      Moin. Kann ich nur empfehlen. Und dem Variantenreichtum sind ja keine Grenzen gesetzt 😉 Grüße von der Ostsee an die Elbe!

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