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Meiers Rückblick 20/01 in 100 Sekunden

1. Februar 2020

Januar 2020: #weremember, vielleicht wird uns ein Satz nachhaltig in Erinnerung bleiben:
„Unsere Zeit ist nicht dieselbe Zeit. Es sind nicht dieselben Worte. Es sind nicht dieselben Täter. Aber es ist dasselbe Böse!“
(Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 23. Januar in seiner Rede in Yad Vashem, Jerusalem.)
Es erfüllt mich mit einer gewissen Traurigkeit, dass 75 Jahre nach dem Holocaust solche Worte wegen eines wieder aufkeimenden Antisemitismus noch gesagt werden müssen. Wenn ich eins in meinem Leben nie verstanden habe, dann warum Juden gehasst werden, warum das Leben eines Juden weniger wert sein soll? Das werde ich auch nie verstehen können!

Und sonst so? Rückblickend ist eigentlich nichts passiert, was die Allgemeinheit großartig bewegt haben dürfte. Glaube ich jedenfalls. Es hat zwar den ein oder anderen Twitter-Shitstorm gegeben, aber das ist mittlerweile Twitter-Normalität und repräsentativ ist dieses Gezwitscher schon gar nicht.

Vielleicht sollten wir lieber Gegacker sagen, denn im Grunde ist Twitter zu einem wild gewordenen Hühnerhaufen verkommen. Aufregung im Hühnerstall. Alle gackern durcheinander und zwischendurch kikerikit ein Hahn. Kikeriki! I’m the gratest!
Dewiel sit de Bur mit sien Fru up de Bänk un se seggt to em: „Mienthalven suup die duun un freet di dick, aver hool dat muul vun Politik!“

Mal ganz ehrlich, wen interessiert das übermäßig und lohnt es sich, darüber eine Debatte anzufangen (?):

  • Robert Habecks Davos-Interview in markigen Worten als Antwort auf die Trump-Rede, darf er das so oder darf er nicht? He seggt so un se seggt so.
  • Das Gleiche zu einem angeblich nicht in der richtigen Tonalität verfassten Kommentar in der ARD zum Gedenktag in Yad Vashem.
  • Oder die Briten, gestern der Brexit-Day im Allgemeinen und Meghan&Harry im Besonderen.
  • Und natürlich die ständige Abarbeitung an Greta Thunberg von einigen alten weißen Männern.

Bullshit, zur Kenntnis nehmen und gut ist. Außerdem finde ich es immer wieder gut, wenn derartiges Gegacker in den klickschlampesken Medienfavelas (eine Kachelmann-Wortschöpfung) bleibt und das den qualitätsbewussten Medien höchstens eine Randnotiz wert ist. Gut so. Mögen die Trolle und ihre menschlichen Ableger unter sich bleiben und ihre Pseudodebatten führen. Ja doch, wir haben die Meinungsfreiheit. Daran dürfen wir auch nicht rütteln. Aber manchmal wünsche ich mir, dass der ein oder andere Schreiberling das in dem Sinne interpretiert, frei von einer Meinung zu sein.
Nur EIN Beispiel, NDR vom 24. Januar: Der milde Winter treibt Blüten im Norden. M. E. ein rein informativer Artikel zu dem es keine zwei Meinungen geben dürfte. Weit gefehlt, wenn ich mir die Kommentare dazu ansehe. Das sind die Momente, wo ich gen Himmel blicke und bete: „Lieber Gott, lass Hirn regnen. Und nehme den Bedürftigen die Regenschirme weg!“

Urban Priol würde jetzt wohl sagen: „Der Rest des Jahres wird mit Sicherheit genau so bescheuert, wie der Anfang schon war. Machen wir das Beste draus, strengen wir uns an.“ 😉

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3 Kommentare leave one →
  1. Albert permalink
    1. Februar 2020 12:35

    Geschichtlich betrachtet ist der weltweite Antisemitismus so alt wie das Judentum selbst.
    Heute dazu , so wie es die CDU-Politiker Merz und Amthor getan haben, auf muslimische Kulturkreise zu verweisen, halte ich für wenig zielführend. Es reicht nicht aus die Schuld nur bei anderen zu suchen, auch nicht nur bei den Rechten, sondern wichtig wäre es die Ursachen anzugehen.
    A.

    Gefällt 1 Person

  2. 1. Februar 2020 14:37

    Bei dir möchte ich immer ganz lange Kommis schreiben, aber ich habe gar nicht so viel Zeit.
    Die Juden wurden ja nicht nur in Deutschland so verachtet und gehasst – da gibt es ja noch genügend andere Länder. – Ein wichtiger Grund ist garantiert der Neid. Da sie einige Berufe nicht machen dürfen, haben sie sich in anderen um so mehr spezialisiert. Allgemein ist es wohl ein sehr kluges Volk, die auch sehr gut mit Geld und deren Gewinn umgehen können. – Unsere Neunazis sind ja sehr oft nicht die Hellsten unter Gottes Himmel. Sie werden zwar von teils sogar promovierten Leuten angeführt, lassen aber ihrer Dummheit oft völlig ungebremst ihren Lauf. – Sehr sehr oft überkommt mich Fremdschämen – auch hier in meinem Haus. Da geht es kaum um Juden, sondern um Geflüchtete und Asylbewerber – und allen hier geht es richtig gut, was sich an vielen Kriterien zeigt. Aber sie reißen trotzdem voller Angst ihr Maul auf, es könnte ihnen ja ein Milliquäntchen schlechter gehen.
    KotzKotzkotz.
    Trotzdem liebe Grüße von mir

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