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Meiers Rückblick 20/03 in 100 Sekunden

1. April 2020

März 2020: Was für ein verrückter Monat – oder welches Adjektiv ihr diesem dritten Monat des Jahres 2020 auch immer zuweisen wollt. Es gibt zurzeit nur noch ein Thema, alle andere sind Randnotizen: CORONA! Hätte ich den März verschlafen und würde heute erwachen, würde ich entweder an einen bösen Albtraum oder einen sehr schlechten Aprilscherz glauben. Aber nee, nix von dem!

Meinen Februar-Rückblick hatte ich noch mit diesen Worten von Urban Priol beendet: „Der Rest des Jahres wird mit Sicherheit genau so bescheuert, wie der Anfang schon war ….“ Geht’s noch schlimmer als im Februar?

Oh ja. Es ging. Es geht. Und wie! Ende Februar war der Begriff Coronavirus zwar längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr, aber diese heimtückische infektiöse organische Struktur war noch weit weg. Ich schätze, den allermeisten Menschen ging es wie mir: Das wird schon nicht so schlimm.
Meine (naive) Begründung mir selbst gegenüber: Wir haben jährlich in Deutschland ein paar hunderttausend Influenza-Grippe-Infizierte und davon ein paar hundert Tote. Daran haben wir uns gewöhnt, also keine Panik. Dazu H1N1, die Schweingrippe, ihr erinnert euch? Diese Pandemie von vor 10 Jahren nahm längst nicht die für möglich gehaltenen Ausmaße an (*s.u.). Warum sollte das jetzt anders sein?

Zum bisherigen Jahresverlauf passt dieser Tweet von Marina Weisband:

Wie auch immer, eins steht (für mich) heute schon fest wie das Amen in der Kirche: Das Coronavirus verändert gerade unsere Welt. Wir wissen zwar noch nicht, wann das enden wird, aber wir können sicher sein, dass unsere Welt dann ganz anders aussehen wird!
Die allermeisten Menschen beachten dankenswerterweise die uns alle beschränkenden Regeln. Regeln in Form von Verordnungen und Erlassen, weil Appelle vorher nichts genutzt haben. Und plötzlich merken wir wieder, wie gut Solidarität untereinander funktioniert kann und der Begriff Systemrelevanz kriegt eine ganz neue Bedeutung. DANKE dafür!
Es ist aber auch eine Binsenweisheit, dass in extremen Situationen Menschen zu extremen Verhaltensweisen neigen. Das reicht von hysterischen Reaktionen über panische Hamsterkäufe, bis zu unvernünftigen Missachtungen der behördlichen Anordnungen und opponierenden Klagen gegen irgendwelche Beschränkungen. Passend dazu ein Filmchen, wie Giovanni Trapattoni seine berühmte Ansprache heute halten würde:

Tja, und in dieser Krisenzeit erkennt man bei manch einem seiner Mitmenschen Charakterzüge, die man nicht für möglich gehalten hätte. Auf alle Fälle werden einige Haushalte die nächsten Jahre kein Toilettenpapier mehr beschaffen müssen, verstehe das wer will:

Natürlich dreht sich die Welt weiter, mit oder ohne Toilettenpapier. Kaufen wir wieder Zeitungen. Doch Achtung bei der Qualität: Einige eignen sich für’s Klo besonders gut 😉 Das wussten schon unsere Vorfahren: Bei denen lagen nur geeignete Zeitungen auf dem Plumpsklo.
Und der Rest? Irgendwie steht zurzeit alles im Zusammenhang mit Corona: Die Fußball-EM und die Olympischen Spiele werden auf das nächste Jahr verschoben und die Bundesregierung hat letzte Woche ein historisch hohes Milliarden-Rettungspaket für die Wirtschaft und die Corona-Betroffenen beschlossen. Das kann auch deshalb so üppig ausfallen, weil die Bundesregierung in der Vergangenheit solide gewirtschaftet und die schwarze Null eingehalten hat – allen das Gegenteil fordernden Kritikern zum Trotz. Wie mag es den Staaten ergehen, Italien, Frankreich bspw., die wirtschaftlich nicht so gut dastehen wie Deutschland? Last but not least hat ein Blick nach Griechenland / Türkei: Jeder, der jetzt überhaupt noch an die Flüchtlinge dort denkt, wird hoffen, dass das Virus dort in den Lägern nicht anfängt zu wüten. Ich will mir gar nicht vorstellen, was wäre wenn.

(*) H1N1, an der Schweinegrippe verstarben 2009/2010 offiziellen Angaben nach weltweit 18.449 Menschen, davon in Deutschland 258. Im Vergleich zur Corona-Pandemie hatten wir diese Zahlen am 24. bzw. 26. März (in D) erreicht. Die aktuell bekannten Zahlen gibt es auf der Seite der Johns-Hopkins-Universität. Plus eine von Land zu Land unbekannte Dunkelziffer bei den infizierten Personen, die anhand der Verstorbenen nur geschätzt werden kann.

Bleibt gesund – oder werdet es wieder!

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7 Kommentare leave one →
  1. 1. April 2020 10:18

    Systemrelevanz? Jetzt in der Krise klatschen wir den Krankenschwestern und Lkw-Fahrern, den Verkäuferinnen und Müllwerkern Beifall, machen sie zu Helden und bedanken uns sogar übers Fernsehen.
    Nur davon kann sich keiner dieser „Helden“ etwas kaufen. Und nach der Krise wird die Relevanz dieser jetzt so wichtigen Menschen schnell wieder vergessen sein.
    Was mich noch stört: Ständig sind in den Social Medias Fake News und Verharmlosungen rund um das CoV-2 zu lesen und ganz abgefuckte Rechte wollen selbst in diesen Zeiten durch Falschmeldungen Zwietracht und Hass sähen. Verkommener geht es kaum!

    Gefällt 2 Personen

  2. 1. April 2020 14:02

    Ich bin jetzt zu hungrig für einen Kommentar – ich habe heute noch NICHTS gegessen – aber ich sehe, dass du wie immer recht hast!

    Gefällt 1 Person

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